Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lodge - Megen
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1748893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1754146
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Mazznoli , 
Francesco. 
aber immerhin bleibt es auflallend, dass der Iiiinstler in so tiefes 
Elend gerieth, da die Zahl seiner Werke nicht gering ist. Unge- 
achtet seiner grossen Leichtigkeit ist indessen die Anzahl seiner 
Gemälde geringe, da er meistens nur Zeichnungen fertigte und in 
Kupfer iitztc. 
Die Urtheile über Parmigianino sind gelheilt; die früheren 
Schriftsteller loben ihn ungcmessen, und rühmen ihn als einen 
Künstler, auf welchem RafaePs Geist ruhe, in neuerer Zeit nannte 
man ihn einen manierirten Nachahmer des Correggio. Wieder 
Andere heben ihn unter den Nachfolgern des Curreggio als den 
talentvullsten besonders hervor; aber gerade dieses sein Vorbild 
(Curreggio) nähert sich schon zu sehr den Grenzen derlVIanier, als 
dass alle, welche sich ihn zum Vorbilde nahmen, nicht hätten in 
Uebertreibung verfallen sollen. Schon Algarotti bemerkte, dass 
Mazzolixio in den Hüpfen zuweilen übertriebep und in Süsslichkeit 
und Geziertheit verfalle, woran sein Haschen nach zierlichen und 
anmuthigen Figuren theilweise Schuld trägt. Parmigianiuo wollte 
einmal an Grazie dem Correggio gleichkcmmen; allein er" war 
nicht im Stande, auf dem Punkte sich zu erhalten, wo Correggio 
seine lächelnden Gestalten schuf. Correggio und Rafael waren zwar 
seine Vorbilder, aber nur an einzelnen Stellen wird sich die Be- 
deutsamkeit und Iilarheit des erstern und die dem Allegri eigene 
Grazie nachweisen lassen können. Beides ganz zu umfassen, wäre 
er nur bei ruhigem Nachdenken, bei genauem Studium im Stande 
gewesen; allein seine lebendige Phantasie zog ihn davon ab, von 
einer Seite der menschlichen Figur zur anderen. Er zeichnete die 
eine und die selbe Figur in verschiedenen Lagen, um in der Per- 
son, in der Bewegung, in der Leichtigkeit der Gewänder die 
griisste Anmuth herauszufinden, wie Lanzi meint. Manchmal 
spricht sich sein Begriff von Schönheit in zu langen Verhältnissen 
des Wuchses oder einzelner Theile des menschlichen Körpers aus. 
Einmal glaubte er in einem langen Frauenhalse die Schönheit ge- 
funden zu haben, und berühmt wurde das Bild jener Madonna, 
in welcher er diese Verhältnisse zur Schau stellte. Es ist dies die 
llrladonna dall' collo longo in der Sammlung des Pallastes Pitti zu 
Florenz, wovon die Skizze der fünf Engelköpfe in der k. Gallerie 
zu Berlin ist. Diese weibliche Gestalt hat einen ungewöhnlich lan- 
gen Hals, daher die Langhalsige genannt. Vielleicht hat Mazzo- 
lino an die Alten gedacht, welche in bekleideten Standbildern der- 
gleichen Verhältnisse vorzogen, um nicht in Pluinpheit zu verfal- 
len. Malvasia gibt an Jungfrauen einen langen Hals sogar als 
Bunstvorschrilt an, während frühere Ausleger vun Catulls 43 Ge- 
dichte doch nur lange Finger zum Lobe rechnen wollen, wie 
Lanzi in der Anmerkung beifügt, aus welchem Gedichte man aber 
auch schliessen könnte, dass Catullus an einer grussexi Nase Ge- 
fallen gefunden. Indessen gibt es kein Bild Parxnigianinds, das 
unter dem Namen einer Donna mit der langen oder grossen Nase 
bekannt ist, woran Lanzi sicher ebenfalls grosses Vergnügen em- 
pfunden hätte, da er sagt, der Anmuth willen vergesse man die- 
sem Künstler Alles, und auch Fehler scheinen an ihm 'I'ugentlen. 
Lanzi findet in den Bildern seines Mazzolixio überall Anmuth, be- 
sonders in liindergestalten und in andern zarten Figuren, während 
man dies richtiger Alfektation und Ziererei nennen könnte. Diese 
APfektation in Form und Ausdruck ist indessen in seinen früheren 
Bildern nicht so gross, wie in den späteren, wo sie ganz eigen 
hervortritt. Man unterscheidet drei Manieren dieses Künstlers; 
seine lombardische Originalmanier, den Einfluss, welchen Correg-
        

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