Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lodge - Megen
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1748893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1754097
Mazzolino , 
Lodovico. 
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neuerer berühmter Schriftsteller davon schweigt; wir sahen aber 
ein solches Gemälde bei dem Dornherrn Speth in München, einem 
bewährten Iiunstkenner- und Iiunstschriftsteller, und da zeigt sich 
die Anwendung des Goldes nicht nur an lileidern, wie Lanzi sagt, 
sondern auch an anderen Theilen. Dieses Bild, eine heilkFami- 
lie, ist wie gewühniich sehr zart vollendet, und von gesättigter 
gluthvoller Farbe. Zuweilen  wenigstens in früherer Zeit  
wurde Mazzolini in Sammlungen mit G, Ferrari verwechselt, viel- 
leicht durch ein Missverstlindniss des Lodovico da Ferrara, wie 
Lanzi meint; dies geschah auch miteinem Bilde derFlorenzer Gallerie, 
der Madonna mit dem Iiinde vorstellend, dem SLAnna Früchte reicht. 
Die Gemälde MazzolinPs sind selten. Mehrere kleine Bilder 
kamen durch den Cardinal Pius in die Gallerie des Capitol, und 
sehr schöne kleine Stücke sind auch in der Gallerie Doria zu Rom. 
ln St. Franeesco zu Bologna war zu Lanzi's Zeit noch das Al- 
tarbild, welches Christus als Knaben unter den Schriftstellern im 
Tempel vorstellt, bezeichnet: IVIDXXIVÄ Zenar Ludovicus Maz- 
zolinus Ferrariensis. Dieses herrliche Gemälde kam später in die 
Sammlung des bekannten Solly, und mit dieser in die Gallerie des 
laiinigl. Museums zu Berlin. Dieses Bild hat Cesi übermalt, die 
Uebermalungen wurden aber glücklich abgenommen, iind es ver- 
dient auch- jetzt noch Bewunderung. Nach Buglefs" Behauptung 
waltet in diesem Bilde ein eigener, ergiitzlicher Humor, der in 
den vervvunderlichen Köpfen der Schriftgelehrten auf glückliche 
Weise hervortritt, und dem es gleich wohl nicht an grosser Beson- 
nenheit fehlt. Im Gegensatz gegen diese Auflassung ist die Au- 
muth desilinabeil und die männliche Schönheit im Iiopfe des heil. 
Joseph ebenfalls nicht ohne Wirkung. Auch gibt das Bild von 
der glühenden Färbung des Ludovico das bedeutendste Beispiel. 
In der Gallerie zu Bologna ist die Geburt Christi mit einem D0- 
minicaner in Anbetung, ein kleines Bild, welches ehedem in der 
Capelle Caprara bei St. Franccsco war. Die zierlichen Figuren die- 
ser Tafel betvunderte Baldassare da Siena. Daselbst war auch die 
Balbfigui- des ewigen Vaters, die ebenfalls in die Gallerie ge- 
bracht wurde. 
lm künigl. Museum zu Berlin sind ausser dem oben erwähnten 
Gemälde mit dein Knaben Jesus unter den Sehriftlehrern noch an- 
dere Bilder von Mazzolino, die nach Huglt-r ohne Zweifel zusam- 
men die vorziigiichsten Gemälde des Iiiinstlers sind. Deselbst ist 
noch eine kleinere Darstellung des Iiilaben Jesus im Tempel, von 
feiner, miniaturartigcr Behandlung. "Ein drittes Bild stellt die 
heil. Familie dar, in Farben phantastisch bunt; doch erkennt ling- 
ler in der Haltung des Christuskintles schon eine Reminiscenz an 
Rafaefs späteren Leistungen. Ein viertes grösseres Bild, mit der 
Jahrzahl 159g, stellt in drei Abtheilungelt die Madonna mit dem 
Iiinde und zwei Heilige dar und hat in der wenn gleich lträftigen 
Malerei noch griissere Häirte als die andern Bilder; das Christkind 
enthält aber auch hier eine lleminiscenz, und zwar an L. da Viuci, 
Der liopf des heil. Einsiedlers Antonius, zur Rechten der Mariah 
ist von bedeutendem Charakter. 
In der königl. Pinakothek zu München ist nur Ein Bild des 
Künstlers: die heil. Jungfrau in einer Landschaft mit dem Jesus- 
kinde auf dem Schoose, dem der heil. Joseph in einer Schmale Jo- 
hannisbeeren darreicht. Ueber den Wolken schwebt Gott Vater. 
Dies ist ebenfalls ein vorzügliches kleines Bild sowohl in den 
Charakteren, als in der Vollendung. Die Farbe ist lebendig, von 
gluheudem Touc.
        

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