Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lodge - Megen
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1748893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1751646
B63 
ßlantegna , 
Andrea. 
über dem Altare die Taufe Christi init einer IYIenge Volks, und 
darunter sah man einen Mann, der mit aller Anstrengung den 
feuchten Strumpf abzieht. Diese Figur wurde zu jener Zeitmit Bewun- 
derung betrachtet. An diesesGeinälde knüpft sich eine Anekdote. 
Vasari erzählt, der Pabst habe , v0i1 seinen vielen Geschäften ge- 
hindert, Mantegna nicht so oft Geld gegeben, wie er dessen be- 
durft hätte, und als er daher in jenem Werke einige Tugenden 
malte, brachte er dabei die Bescheidenheit an. Als der Pabst die 
Gemälde betrachtete, fragte er uin-die Bedeutung dieser Figur, 
und als er den Sinn vernommen, sagte er zum Iiiinstler, er-solle 
die Geduld als ihre Begleiterin nialenß lWantegna gedachte der 
Sache nicht mehr, als er_ aber fertig war, schickte ihn der heilige 
Vater reich beschenkt, und mit Ehren dein Herzog zurück. Ridolfi 
(P. I. p. 721i) erzählt die Sache ausführlicher: Nlantegna sei beauf. 
tragt gewesen, die sieben Todsiinden zu malen, und habe als 
achte Figur die Undankharkeit hinzugefügt, worauf der Pabst ihm 
befohlen, gegenüber die sieben Tugenden, und als achte daneben 
die Geduld anzubringen. Andrea sei zwar reich belohnt, aber 
doch nicht völlig zufriedengestellt von Rom abgereist, indem ihm 
sein Wunsch. ein Benefiz für seinen Sohn zu erhalten, unerfüllt 
geblieben. 4- In Rom malte Mantegna auch ein kleines, miniatur- 
artig Vollendetes Bild der Madonna init dem Binde, welches den 
Blick empor richtet, nicht schläft, wie Vasari sagt. Zur Zeit die- 
ses Schriftstellers hatte es der Fürst Don Francesco Medici, und 
noch heut zu Tage ist es wohl erhalten in der florentinischen Gal- 
lerie zu sehen. Bei dieser Gelegenheit erwähnt Vasari auch einer 
Handzeichnnng des Künstlers aus seiner Sammlung. Sie stellt Ju- 
dith dar, wie sie das Haupt des Holofernes in den von einer Moh- 
rin gehaltenen Sack steckt. Hier liess der Künstler, statt Licht 
mit Bleiweiss aufzusetzen, das weisse Papier so sauber stehen,'dass 
man die aufgelösten Haare und andere Zartheiten nicht minder 
sieht, als ob sie auf's fleissigste mit dem Pinsel ausgeführt wiiren. 
Diese kostbare Zeichnung mit der Feder umrissen und basreliefar- 
tig mit Tusch schattirt, findet sich noch in der Sammlung von 
Handzeichnungen der flor. Gallerie, etwas verblichen, doch wohl 
erhalten, mit Mantegnafs Namen und der Jahrzahl 1491. S. den 
Umriss in der Gall. Cli Fir. illust. II. tav. 76. 
Zu seinen letzten VVerken gehört eine Tafel für St. Maria della 
Vittoria, eine Kirche, welche lYIarchese Fraiicesco, nach Angabe 
und Zeichnung Andreas, zum Andenken des Sieges baute, den 
er am Taro gegen die Franzosen 11195 erkämpfte. Dieses Tempera- 
bild stellt die Niadonna mit dem Iiinde auf dem Throne dar, rechts 
ist der Erzengel Michael und-St. Andreas, links xVIartinns und Lon- 
inus, Scliiltzpatrone von Mantua; auf dem Piedestal steht Jo- 
hannes der Täufer als liind, und vor demselben knien der Mar- 
chese Gianfrancesco und seine Gemahlin Isabella. Am Piedestal 
sieht man den Sündenfall, am obern Bogen Frnchtgehänge etc. 
Dieses grosse Bild wurde nach Paris geschafft, und beiindet sich 
noch gegenwärtig im Louvre. F. Novelli hat es 1808 gestochen; 
in Umriss und zum Theil illumirt bei Litta Famiglie cel. d'Italia, 
Gonzaga, parte IV. 
Als Nebenbuhler Andrea's nennt Vasari den Lorenzo da Lendi- 
nara, Dario da Treviso und den Marco Zoppa, und endlich sagt 
er, dass Andrea in seinem Hause zu Mantna , das er mit Male- 
reien verzierte, 1517 im 66. Jahre gestorben sei; allein es ist schon 
oben gesagt worden, (lass lYIantegna ISOÖ im 76. Jahre das Zeiv 
liche gesegnet habe. Er liegt in S. Andrea zu Maiitua begraben.
        

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