Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lodge - Megen
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1748893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1751456
Mannlich , 
Joh. 
Chr. 
243 
Mannlich, Johann Christian von, königl. bayerischer Central- 
Gallerie-Direktor, geboren zu Strassburg 1740. gestorben Zu Mün- 
chen 1822. Er stammt ursprünglich aus einer Patrizier-Familie 
von Augsburg; in der Folge der Zeit aber kam er mit seinem Va- 
ter nach Zvveybriicken und erhielt daselbst auf dem Gymnasium 
seine erste wissenschaftliche Bildung. Nach dem Willen seiner 
Eltern sollte er sich dem Studium der Theologie widmen; allein 
es zeigte sich bald, dass dem Sohne von der Natur eine andere 
Laufbahn angewiesen war. Sein Vater erkannte die. wesentliche 
Anlage zur Hunst, die dem Sohne inwohnte, und beschloss seiner 
Ausbildung eine künstlerische Richtung zu geben. Er nahm ihn 
daher selbst in die Lehre und der gute Fortgang, der zu viel ver- 
sprechenden Holfnungen berechtigte, bewog den damaligen Herzog 
Christian IV., ihm zu seiner fernern Ausbildung einen wahrhaft 
väterlichen Schutz angedeihen zu lassen. Durch des Herzogs Für- 
sorge trat er jetzt in seinem 18. Jahre aus dem älter-liehen Hause, 
kam nach Mannheim und wurde dort dem Maler Zinzenich über- 
geben. Zu gleicher Zeit vertraute er sich der höhern Leitung des 
berühmten Bildhauers und Baumeisters Peter Verschafelt, daselbst 
Direktor der Kunstakademie, mit dem günstigsten Erfolge an, so 
dass man sagen kann, von Mannlich's eigentliche Iiünstlerbahn 
habe sich erst unter diesem Einflusse eröffnet. Der Herzog nahm 
den liebevollsten Antheil an der trefflichen Entwicklung seines 
Günstlings, und beschloss jetzt seinem Geiste eine grüssere Manig- 
faltigkeit von Hunstanschauungen, seiner Technik noch grössere 
Gewandtheit, und der Richtung seines Strebens mehr Bestimmtheit 
zu geben. Er nahm ihn daher 1765 zum erstenmal mit sich nach 
Paris. Die bedeutenden Iiunstschätze dieser Hauptstadt hatten sei- 
nen ohnehin lebendigen Geist mit neuem Leben erfüllt; doch da- 
mit die Zeit iiber Beschauung und Betleirion nicht allein verflösse, 
sondern auch seinen technischen Fertigkeiten ein weiterer Vor- 
schub geleistet würde, führte ihn der Herzog persönlich bei Karl 
Vanloo und zuletzt bei Franz Boucher ein, dessen Schüler er 
ward. Dass damals die Kunst in Frankreich im Argen lag, ist be- 
kannt. Natur, Einfachheit und ein reiner edler Styl, waren in 
der Frivolität der Zeit untergegangen, und es war schwer fiir ei- 
nen Künstler, bei dem verdorbenen Geschmacke, den auch die 
ersten Maler ihrer Zeit, Vanloo und Boucher, fi-öhnten, die Rein- 
heit der Iiunst zu bewahren. Doch Paris galt damals für die Hoch- 
schule des Geschmacks und der Aufenthalt eines jungen Künstlers 
daselbst gehörte mit zu seinen besten Empfehlungen. Schon nach 
einem Jahre kehrte von Mannlich wieder nach Mannheim zurück, 
wo er während zwei Jahren der Ausübung seiner Iiunst mit dem 
grössten Fleisse oblag. Im Jahre 1766 unternahm er mit dem Her- 
zoge eine zweite Reise nach Paris. Die Frucht seines jährigen 
Aufenthaltes daselbst war unter andern das Bild einer Venus, wo- 
rüber ihm der Herzog folgende Bemerkung machte: "Nehmen Sie 
von Boucher das Fröhliche und Angenehme der Composition, aber 
ahmen Sie ihn nicht nach, halten Sie sich an die Natur und die 
Antike." Diesen viiterlich warnenden Bath, womit der Herzog zu- 
gleich sein limitirendes Urtheil iiber diesen Künstler zu erkennen 
gibt, wiederholte derselbe bei einen andern Gelegenheit. Zugleich 
eschloss .der Herzog, ihn nach Italien zu schicken, und.zu diesem 
Behufe ihm die Stelle eines PenSionärs in der französisischen Aka- 
demie zu Rom auszuwirken, was er auch bei seinem Ansehen und 
Einflusse am französischen Hofe durch den lllarquis de Marigny 
durchsetzte. Mannlich reiste im Jahre 1767 als Pensionär der fran-' 
161:
        

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