Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lodge - Megen
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1748893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1750568
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Mabuse , 
Jan 
van. 
war, wusste den ihm bestimmten Damast in die Hände zu bekom- 
men, verkaufte ihn heimlich, trug das Geld in die Schenke, und 
machte "sich dafür, um die Folgen ganz unbesorgt, auhseine Weise 
einen guten Tag. Der Mnrquis erfuhr es wohl und liess ihn still- 
schweigend gewiihren. Endlich kam der Tag, der Baiser auch, 
und der Poet und der Philosoph stolzirlen in ihren schonen weis- 
seu damastnexi Gewändern an der Spitze des Zuges, und in ihrer 
Mitte Mabuse in einem ähnlichen, doch weit schöneren Iileide. 
Damast von solcher Pracht, so blendend vveiss, mit so herrlichen 
geschmackvollen Laubgewinden und Blumen hatte der Baiser noch 
nicht gesehen, auch lobte er ihn über die Massen. Der Kaiser 
winkte dem lVTaler, um den Damast, der auch in der Nähe so 
schon war. zu untersuchen, und nun erst entdeckte er die Täu- 
schung. Das ganze Gewand war Papier und über und über mit 
Blumen und Ranken, dem Wirklichen Stoffe so ähnlich, iibermalt. 
Die Majestät lachte, dass ihr die Augen iibergiugen, als sie die 
Geschichte des wundersamen Buches jetzt vernahm, und dieser ge- 
wagte Streich befestigte den Meister noch obendrein gar sehr in 
der Huld seines Herrn.  Doch IYIabuse wusste auch auf edlere 
Weise sein grosses Talent im Halme seines Beschützers geltend zu 
machen. Er malte dessen Gemahlin nebst ihrem Sohn, als Ma- 
donna mit dem Iiinde, und wandte so viel Fleiss auf die Ausliih- 
rung dieses köstlichen Bildes, dass sogar seine übrigen Gemälde, 
so trelflich gemalt sie auch sind, dagegen rauh und unvollendet 
erschienen. 
Das Grab bedeckt die Verirrungen seines Lebens, doch was er 
in Hinsicht auf liunst war, beweisen seine unschätzbaren Gemälde, 
theilvveise ehedem in der Boissercdschen Sammlung, jetzt in der 
k. bayerischen Pinakothek. Das eine, eine Kreuzigung, ist ein 
grusses Bild, von dem man vermuthet, dass er es vor seiner Reise 
nach Italien gemalt haben könne, aber dennoch spricht schon aus 
diesem sein lehhaftes, dem warmen Süden sich annäherndes We- 
sen. Er brachte in diese Darstellung ein höchst effektvolles Leben, 
alles ist in Bewegung, doch immer fern von aller Uebertreihung. 
Wunderschön ist der Contrast zwischen dem sterbenden Heiland 
und den in peinlicher Qual verscheidenden Verbrechern ausgedrückt, 
nicht minder auch der zwischen diesen beiden obwaltende Unter- 
schied der Charaktere. Am Fusse des Iireuzes kniet Nlagdalena 
mit dem vollen Ausdruck wilden verzweifelnden Schmerzes; seit- 
wärts erliegt die weinende Mutter ihrem herzzerreissendcn Schmerz. 
Johannes und Maria Salome unterstützen, im eigenen Jammer ver- 
gehend, die Halbohnmächtige. Der Ausdruck, die Gruppirung, 
die Schönheit der Köpfe, so wie die Draperie dieser Gruppe sind 
vor allem bewundernswerth. Auch die übrigen Gestalten sind voll 
Leben und Wahrheit. Ein zweites kleineres Bild, die heil. Jung- 
frau in hoher Anmuth, welches Mabuse 1527 nach seiner Heim- 
kehr aus Rom malte, erinnert an die Werke M. Angela's , und nach 
Johanna Schopenhauer an alles Herrliche italienischer Kunst. Sie 
meint, es könne in Hinsicht der Ausführung der Triumph aller 
Malerei genannt werden. Diese Bilder mit einem dritten, das 
in prachtvoller goldener Rüstung den Erzengel Michael zeigt, den 
Ueberwinder LuciferXs, welcher kraftlos unter seinem Fusse sich 
windet, waren ehedem im Besitze des Dr. Boisseree. 
In der erwähnten prachtvollen Pinakothek ist auch ein Bild der 
Danae, wie sie den goldenen Regen empfängt, mit Malbodius be-t 
zeichnet, eine heil. Familie, eine solche mit Maria und Anna auf 
dem Throne von den Verwandten umgeben, und Christus in sei-
        

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