Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lodge - Megen
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1748893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1750248
122 
Luini 
oder Lovino , 
Bcrnardino. 
längere Zeit in unverdienter Dunkelheit. Vasari spricht von seinen 
Gemälden in Sarono, und diese Bilder, deren wir schon oben 
erwähnten, sind von ausserordentlicher Schönheit; sie haben sich 
auch in der Farbe vollkommen gut erhalten, wie die meisten 
Gemälde des Luino. Vorzüglich reich in Erfindung, edel im Styl 
und zart gefühlt ist die Anbetung des Iiindes von den Weisen, 
welche dem Heilande Geschenke bringen, prächtig gestochen von 
C. della llocca. Ein anderes Bild dascllmst, die Darstellung im 
Tempel, eine schöne, grossartige Composition, ist durch A. Ghi- 
berti's Stich bekannt, und das Gemälde mit Jesus im Tempel, eines 
der liebsten Bilder des Meisters, hat C. Rampoldi gestochen. Die 
Vermählung der Maria, ebenfalls ein bcriilnntes Bild in Sarono, 
hat 1822 derselbe Künstler durch den Stich vervielfiiltiget. Fünf 
Jahre friiher (1520) malte er in S. Croce einige solcher Geschichten, 
zu Sarono aber übertraf er sich in Wiederholung dieser Bilder selbst. 
Diese Arbeiten, sagtLailzi, gleichenzwarder Iiafaelßschen Behandlung 
am meisten, haben aber doch noch die kleinliche Uxnstiindlichkeit 
in den Spitzen, die Vergoldung in den I-Ieiligenscheincn, das Ge- 
Wiihnliche in den TempelVerzierungen, fast wie bei Mantcgna und 
seinen Zeitgenossen, welches Alles Rafael ablegte, als er zu einem 
besseren Style schritt. Schon desswegen dürfte, nach Lanzi, der 
Iiiixistler nicht in Rom gewesen seyn, und nichts von dem Iiiinst- 
ler jener Schule gesehen haben, sondern nur durch die Grund- 
sätze Leonardds und durch seinen eigenen Genius das geworden 
seyn, was er war. Nach LanzPs Urtheil steht keiner dem da Vinci 
so nahe, als Bernardino, denn er zeichnete und malte, und com- 
PUlllTllß sehr oft so übereinstimmend mit seinem Schulenhaupte, 
dass ausser Mailand viele seiner Gemälde für Vinci gelten. Ein 
solches Bild ist die Ilerodias in der Gallerie zu Florenz, die Mu- 
dalena aus der Ambrosiana, die in Frankreich verloren ging, und 
der sein Liixxmxchen liebkoscntle Johannes dasellast. Lanzi spricht 
nur im Allgemeinen von Bildern dieses Künstlers, die er in italie- 
nischen Cabinetezl gesehen hatte, und hebt blos einzelne hervor, 
wie eine Madonna, damals im Besitz des Fürsten lihevenhiillcr, 
anz im Style BaFaeYs, und dann erwähnt er noch zweier Kirchen- 
liilder, von denen das eine, der trnnkene Noah in St. Barnabas, 
als eines der seltsamsten Werke des liiinstlcrs gewiesen wird, und 
woran sich noch ein Ueberbleibsel der Weise des 15. Jahrhunderts 
olfenbaret. Das andere, ein gegeiselter Christus in S. Giorgio, ist 
nach Lanzi ein Bild, wie man den Erlöser nie liebenswiirtliger, 
demiithiger und mit frömznerenrGesichte dargestellt gesehen hat. 
Nach den fleissigen Cabinetsbildcriw in vornehmen I-liiusern zu ur- 
theilen, gab es danmls einige Künstler, die so viel leisteten, als 
Luini, und dazu kommt dann noch die bedeutende Anzahl von 
Frescomalereiezi , in deren [Xnsführung es ihm sehr von statten ging. 
So malte er die Dornenlsröxiung im Collcgio del S. Scpolcro, ein 
{igurenreiches Bild, in 58 lägen, ohne die eilf, welche einer seiv 
ner Gesellen darauf verwendete. Dieses Gemälde ist wohl neben 
jede (lompositiiai: grosscr Meister zustellen, und es ist ein neuer 
Beweis, wie bei Luini die Phantasie weniger mächtig war, als das 
Gefühl des individuellen Lebens, welches er mit einer Leichtigkeit 
und Anmuth, und dennoch mit so gemiithvollem Ernste, wie nur 
Rafael und Leonardo wieder-gab. 
Merkwürdig; sind seine Frcsco-Malcrcicn im Franziskaner-Hio- 
slc-r dcegli Augeli zu Lugano, die Kühlen im Iiunstblatie vun 
1322 beschreibt, aber Lanzi nicht.  1.1.1 der Kirche malte er 1529 
die Kreuzigung und Passiuuen, über 80 Figuren. Die Stärke und
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.