Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keyser - Lodewyck
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1743018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1743948
Knaller, 
Martin. 
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der Ilofinung, dass dort irgend ein mitleidiger Mensch sich seiner 
annehmen würde, und diescrHoßiiung täuschte ihn wirklich nicht. 
Die Vorsehung führte ihn 'in das Haus des Hofkammer-Raths von 
Hormayr, und dieser nahm sich des jungen Menschen an. Er setzte 
den Vater von dem Aufenthalte des Sohnes in Iienntniss, und: 
übergab letzteren dem mittehniissigen Maler Ignaz Pögel in die 
Lehre, bei welchem Iinoller bald solche Fortschritte machte, dass 
ihm der Lehrer selbst rieth, sein grosses Talent bei einem tüchti- 
geren Nieister zu entwickeln. Aber gerade dieses bestimmte den 
Vater, seinen Martin nach Hanse zu nehmen, um einen tüchtigen 
Mitarbeiter zu haben. Im väterlichen Hause war er seiner eigenen 
Führung überlassen, und noch überdiess vernrtheilt, allerlei häusliche 
Dienste und Arbeiten zu verrichten. Doch zeichnete er in jeder 
freiendilinute, selbst die Mauern der Häuser mussten ihm statt 
des Papieres dienen. Eines Tages musste er im Gasthanse des Dor- 
fes Brennholz in die Küche und zum Ofen tra en, und in dieser 
Beschäftigung regte sich sein Genius; die Holde wurde vorgefor- 
derr, und sogleich ward ein Jüngling mit der Holzkrüche auf dem 
Bücken an die Mauer hingezaubert. Dieser Augenblick war der 
entscheidende seines Lebens. Der berühmte Maler Paul 'I'r0ger 
war so eben auf einer Rückreise nach VVien vor demselben, Gast- 
hause abgestiegen, sah den zeichnenclcn Jüngling, betrachtete er- 
staunt bald diesen, bald seine Zeichnung, und der lWIeister erbot 
sich, den jungen Iinoller zu unterrichten und während der Zeit 
_des Unterrichts für seine Verpflegung zu sorgen. Truger nahm den 
zwanzigjiihrigen Jüngling sogleich -mit "sich nach Wien, wo der- 
selbe in einer Zeit von acht Jahren ausserordeutliche Fortschritte 
machte, und sich Trogefs volle Zuneigung: gewann. In den Jahren 
1748-60 stand er dem Meister bei den Fresken" im Dome zu Bri- 
xen als Gehülfe zur Seite, und 1755 erhielt er an der Akademie 
den grossen Preis aus der Historienmalerei. Der Gegenstand des 
Gemäldes war der junge Tobias, der die Augen seines Vaters heilt. 
Dieses Gemälde, so wie alle aus dieser Zeit, sind ganz in 'I'roger's 
Manier gearbeitet, und sie haben, neben vielen guten Eigenschaf- 
ten, insbesondere der festen und richtigen Zeichnung dieser Schule, 
auch ihre Mängel, tragen das Eckige und scharf Bezeichnete an 
sich. Die Eigenthümlichlteit der 'I'roger'schen Farbengebuxig und 
der Zeichnung wurden von ihm so ergriffen, dass seine damaligen 
Werke beinahe überall für Troger's Arbeit galten, und man sich 
wegen der täuschenden Aehnlichkeit zu VVien bei manchem Bilde 
öfter stritt, welchem von beiden Künstlern es angeböre.  
Noch vor dem Jahre 1755 verliess er endlich Wien, um in's 
Vaterland zurückzukehren. Auf der Reise hielt er sich einige M0. 
nate zu Salzburg auf und malte dort mehrere Altarblätter. Auch 
in Tirol malte er schon damals Vieles. Sein grösstes Werk jener 
Zeit ist in der Piarrkirche zu Anrass im Pusterthale, die er in 
Fresko ausmalte. lYIan liest hier seinen Namen und die Jahrzahl 
1754- Auch das Hochaltarblatt: die Steinigung des heil. Stephan, 
soll von Iinoller aus jener frühen Zeit herrühren. Auch gibt es 
viele Staffeleigemälde in Tirol, deren mehrere von Knaller seyn 
dürften, obgleich sie für Trogefs Werke gelten; denn die Manier 
beider Meister ist sich ganz ähnlich. 
In seinem dreissigsten Jahre glückte es dem talentvollen Künstler 
endlich, nach Rom zu gelangen. Hier verwarf er seinen Styl, auf 
den er sich so viel eingebildet hatte, und suchte, sich ganz nach 
den Werken der grussen alten Meister zü bilden. Nach dreijähri 
gern Aufenthalte in Rom berief ihn Graf Firmiau, der österr. Ga- 
sandte am k. Hofe in Neapel, nach dieser Stadt. Er arbeitete dort 
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