Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keyser - Lodewyck
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1743018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1743689
Leo 
Klenze , 
VOD- 
57 
an den Styl des früheren Mittelalters voriiherfiihrt. Ueberhaupt 
bietet die neue Ludwigsstrasse, an welcher der grösste Theil der 
gegen die Altstadt zu gelegenen Häuser dem Plane nach unserem 
iinstler angehören, in architektonischer Hinsicht so viel Schönes, 
wie wenige andere Städte dieses aufäzmveisen haben. Izilenzc fand 
hier Gelegenheit, eine grosse zusammenhängende architektonische 
Anlage zu begründen und durch Abwechslung des Styles das Auge 
durch schöne hlannichfaltigkeit zu crgötzcn. Ein wahres Fursten- 
liaus, in welchem sich grossartige Verhältnisse mit Bequemlichkeit 
vereinigen, ist das Palais des Herzogs Maximilian in ldayern. 
Hier hatte der Künstler die günstigste Lage, und die völlig freie 
Anordnung, welche man dem Architekten liess, lässt auch auf ein 
VVerk von architektonischer Vollkommenheit schliessen. Das Erd- 
geschoss bietet eine dreifache Einfahrt dar, das erste Stockwerlcist 
mit vollständiger jonisclier, und das zweite mit korinthisclier Eila- 
sterordnuiig geschmückt, und mit einem Consolengesiinse gekront. 
Das Innere dieses herrlichen Pallastes ist auf das prächtigste ver- 
ziert. R. von Langer und liaulbach trugen "das ilirige zum male- 
rischen Schmucke bei. 
 Aufder anderen Seite der Ludwigsstrassc, dem Hofgarten entlang, 
zieht sich das ltziufhaus (Bazar) hin, ein Werk unsers Künstlers, im 
venetianischcn Styl erbaut, mit den herrlichen Landschaften Rott- 
manifs in seiner Arkaden-Reihe, die sich an die historischen Fresken 
des Hofgartens anschliessen. Auch dieses Gebäude trägt den Charak- 
ter der Großartigkeit, und es ist eine Zierde der prächtigen Strassc. 
Ein anderes Werk dieses Künstlers, welches mit Stolz auf seine 
gleichfalls glänzende Schwester, die Glyptothek hiniiberbliekt, ist 
die Pinakotkek, welche sich nördlich von der ersteren erhebt. Der 
Bau derselben begann 1826, und schon geraume Zeit steht das 
Gebäude vollendet da, im reinsten schönsten Style, in einer be- 
wunderungssviirdigen Einheit bei aller Mannichtaltigkcit. Die 
lYIauern sind aus Backsteinen, und alle architektonischen For- 
men: SiiulennGesimsc, Archivoltc aus Quadern erbaut. Die gross- 
artig angelegte Ein- und Ausfahrt ist in der Mitte der Siid- und 
Ostscite angebracht, und der für die gewöhnliche Beniitziing be- 
stimmte Eingang liegt gegen Osten. Durch diesen gelangt man in 
ein grosses Vestibnluni, von wo aus; die breite Treppe zu den Ge- 
niiildesiilen führt. Die schmäleren Räume des Erdgeschosses auf der 
Sud- und Nordseite, so wie die des westlichen Flügels sind für 
die Aufnahme der Scliiitzeyon Iiupferstichen und Handzeichnungen, 
von Vasen und Musiven bestimmt. Dieses Gebäude, mit seiner 
decorativen Pracht, mit den sinnreichen Compositionen des he- 
riihiiiten Cornelius, der uns in den Loggien die Kunstgeschichte 
bildlich vorüberführt, ist ein neuer Glanzpunkt Münchens, ein 
vollkommen- schönes Kunstwerk, sowohl nach der äusseren Form, 
als nach der inneren Eintheilung. 
Ein anderer glänzender Auftrag, welcher diesem Künstler zu 
Theil wurde, ist der Bau der neuen Residenzfliigel mit der Aller- 
heiligen-ßirclie. Der eine, gegen das Theater hin, führt den Namen 
des Iiönigsbaues, der in seinem Inneren gleichsam eine Gallerie 
moderner I-iunst bildet, Der Architekt fand bei der Anlage die 
grössten Schwierigkeiten, welche ihm die lokalen Verhältnisse ent- 
gegenstellien; aber der Künstler ging siegreich vom Kanipfplatze, 
und dieses prächtige Königshaus ist jetzt längst bewohnt. Welt- 
berühmt ist der Palazzo Pitti in Florenz, aber seil! modßme? Neben- 
buhler in München, der anscheiiilich von jenem die äussere Form 
geborgt, im Ganzen aber wesentliche Veränderungen zeigt, hat ihn 
uberstrahlt. Ueber den plastischen und malerischen Schmuck einen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.