Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keyser - Lodewyck
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1743018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1748468
Lindenschmit, 
Wilhelm. 
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W08 ilm beim 368110119 flei Gymnasiums seiner Vaterstadt vorzugs- 
SVClSG ansprach. Eine Heimath voll grosser geschichtlicher Erin- 
nerungelq, Voll redender und stummer Denkmäler. die Helden- 
laläuge einer grossen deutschen Vorzeit zogen ihn mit ganzer Seele 
zur bildlichen Darstellung, was Lied und Geschichte verkündet. 
Seine Bildung zum Künstler erhielt Lindenschmit in München, 
wohin er im Herbste T825 153111, denn schon damals verkiindigte 
der grossartige Sinn des Kronprinzen Ludwig die Morgeni-ötlie 
einer licht nationalen, religiös-gescliichtlicheii IÄUHSL Die Glypto- 
thek stand fast vollendet da, und in ihr sollte der Heim einer neuen 
Schule zur Ileife gelangen. Das erste Mal war Lindenseliiiiit nicht 
lange in München, denn schon im Faühjalii- 1314 zwangen ihn 
die Folgen eines Duells die Stadt zu verlassen, und mm suchte 
er in Wien Zuflucht. Er studirte da an der k. k. Akademie und 
in der zugänglichen Gallerie des Belvedere, bis ei- ini Hgrbstc 
des folgenden Jahres in die Heimath Zllflllilliliüllflß. Jetzt nahm 
die Zeit, in welcher Cornelius mit seinen Schülern von Düssel- 
dorf nach München zog, um die Arbeiten der Glyptothek zu be- 
ginnen, und auch unserm Künstler war es vergönnt, sich an jene 
erlesene Schaar anzuschliesscn. Schon in VVien bewies er sein Ta- 
lent für historische Cuniposition durch seine Gemälde von Berli- 
chingens Tod, und des riesigen Andreas Baurnkircher, der ganz 
allein Brücke und Thor der Neustadt Wiens vor dein Andrange 
der Ungarn und Böhmen vertheidigte, um den Baiser Friedrich 
vor sclimachvoller Gefangenschaft zu bewahren, wofür dann die- 
sem österreichischen Horatius Cooles blutiger Undank wurde. An 
diese Bilder reihen sich andere Compositionen, die ebenfalls einen 
vielseitig gebildeten Künstler verkünden. Darunter sind besonders 
zwei Tuschzeichnungen zu erwähnen, welche sich jetzt im gross- 
herzo liehen Museum zu Darmstadt befinden. Die eine stellt den 
Tod des Mainzer Stadtliauptmanns Fust, dar, wie er als Leiche 
auf dem Schlachtfelde gefunden wird, im Jahre 1460, in jener 
verhängnissvolleil Nacht, welche die Freiheit seiner Stadt unter- 
gehen sah. Die andere Zeichnung schildert die Scene, wie die 
Mainzer Frauen ihren lefzten Minnesänger Heinrich Frauenloh zu 
Grabe tragen. Jetzt wurde dem Künstler auch Gelegenheit zu 'l'lieil, 
durch ein öffentliches Werk seine Iiräfte zu erproben. Damals 
beschloss Iiünig Ludwig, die Arkaden des Hofgartens mit geschicht- 
lichen Fresken zu zieren, und Lindenschmit erhielt den Auftrag, 
eine der Grossthaten bayerischer Fürsten darzustellen. Sein ist das 
Gemälde, welches den Sieg Ludwigdes Reichen über Albrecht von 
Brandenburg (genannt Achilles) bei Gingen vorstellt, I 
Nach Vollendung dieses Werkes beschäftigte ihn die Ausführung 
einer grossartigen Idee. wodurch der Fremdling Bayern_ehrte, wie 
keiner je gethan. {Es ist dieses (las grosse Schlachtbild an der 
Iiirche in Sendling bei München, in welchem Lindenschmit den 
glorreichen Untergang der bayerischen Oberliinder Bauern darstellte. 
Er bereiste früher zu diesem Zwecke das süddeutsche Hochgebirge, 
und bei dieser Gelegenheit machte er eine grosse Anzahl Studien 
von Köpfen, Figuren und Gruppen, die er bei Ausführung seines 
grossen Werkes benutzte. Der Iiunstler arbeitete last zwei Jahre 
an diesem Wandgemälde, und er hatte keinen anderen Lohn für 
seine Opfer, als die Freude, die Erinnerung. an )ene edlen Gefal- 
lenen im Herzen des Vollaes zu erhalten. Die Gemeindeßendling 
bestritt durch freiwillige Beiträge die Iiostcn des Materials, (lei- 
Gerüste und des Stuccds, Alles andere leistete der Künstler ganz. 
allein und unentgeldlich. VVer 6111. fremdes Volk so sehr ehret, 
der lial die heiligsten Hechte eines Eingeborncn erworben. Bayern
        

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