Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keyser - Lodewyck
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1743018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1747956
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Leyden , 
Lukas 
Hnygens v. 
gedachte er ihrer nach seiner Heimkehr doch nur mit Reue und 
Schmerz. Er fiihlte sich, wie er wieder zu Hause war, von einem 
langsam schleichenden Uebel ergriffen, welches ihn allmählig dem 
Untergango zufuhrte. Seine Eitelkeit und lIy ochondrie war auf 
das Aeusserste gestiegen; er bildete sich ein, die Maler hätten ihn 
aus Eifersllßhi vergiftet, legte sich zu Bette, und wollte es nicht 
wieder verlassen. Er lebte und kriinkelte fort während einer ziem- 
lichen Reihe von Jahrenf dabei zerstörte er durch verdoppelten 
Fleiss alle ihm übrig gebliebene Iiraft, statt durch Ruhe für seine län- 
gere Erhaltung zu sorgen. Die letzten sechs Jahre seines Lebens 
musste er wegen seiner nasser-ordentlichen Schwäche grösstentheils 
im Bette liegend zubringen, doch selbst diess hinderte ihn nicht, 
jeden leidlichen Moment seinen Arbeiten zu widmen. Er hatte 
sich zu diesem Zweck nach eigener Erfindung Werkzeuge und be- 
sondere Vorrichtungen verfertigen lassen , die es ihm möglich mach- 
ten, "selbst in dieser Stellung zu zeichnen, in Holz zu schneiden 
oder in Kupfer zu stechen. Auch malte er in dieser Zeit noch 
sein letztes Gemälde in Oel, ein Werk, welches als eines seiner 
vorziiglichstcn in dieserßrt gepriesen wird. Dieses Gemälde war 
mit zweien, dasselbe verlsgiliessenclen Fliigelthüren versehen, mit 
der Jahrzahl 1531 bezeic et, und es stellte den Heiland dar, wie 
er einem Blinden das Gesicht wieder verleiht. Die Blindheit des 
von seinem linaben geführten Armen, das Mitleid und die himm- 
lische Güte im Angesicht des Erlösers werden als höchst vortreff- 
lich gepriesen. S0 auch die Mariiglaltiglieit und der Augglruck in 
den öPfen der Umstehenden, die Gewänder, die Biiume und Ge- 
büsche m der den Hintergrund bildenden Landschaft. Dieses Ge- 
mälde kaufte späterhin ein Iiunstliebhaber in Harlem um einen 
bedeutenden Preis. Die allerletzte Arbeit, mit der er sich bis kurz 
vor seinem Ende beschäftigt hatte, war ein Holzschnitt, welcher 
die Göttin der Weisheit darstellt. Diesen behielt er immer bei 
sich, und sein brechendes Auge betrachtete ihn noch mit Wohl- 
gefallen, als die schwache Hand ihm jede weitere Anstrengung 
versagte. 
Seine Tochter heirathete einen Herrn Datnessen und gebar einen 
Sohn neun Tage vor Lukas Tpd. Als man das Kind nach empfarv 
gener Taufe dem Qrossvater an sein Bett brachte, fragte er, wel- 
chen Taufnamen (llO Eltern gewählt hätten , und als man ihm sagte, 
es sei auch Lukas genannt worden, wodurch man ihn zu erfreuen 
glaubte, gcrieth er sehr in Zorn, da er glaubte, nur darum habß 
man den Knaben Lukas genannt, um einen jungen Lukas zu ha- 
ben, weil ihnen der alte zur Last sei. 
Als der Kranke fühlte, dass sein letztes Stiindlein herannahtß, 
wünschte er noch einmal den freien Himmel zu schauen. Er licsä 
sich aus seinem Bettein den Garten tragen, betrachtete still und 
ernst die Pracht der Natur, kehrte in sein Zimmer zurück, und 
starb den folgenden Tag 1553. 
Es finden sich noch viele Gemälde, welche diesem Künstler 21V 
geschrieben werden. 
Im Escurial werden 10 Gemälde von Luea de Hdlanda, wie die 
Spanier den Lukas van Leyden nennen, aufbewahrt. 1) Eine heil- 
Familie; 2) ein Priester, der Messe liest; 5) eine Rnhg auf der 
Flucht; 4) derselbe Gegenstand mit sehr wenig Unterschied; 5) eine 
Versuchung des heil. Antonius, sehr unkenntlich; 6) die Jungffäu 
mit dem Iiinde sitzend; 7) die Jungfrau mit dem Iiinde, dem SEE 
die Brust reicht, eines der ausgezeiehnetsten Kunstwerke. D18 
spanischen Patres glaubten, es sei gar nicht möglich, dass zu jene"
        

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