Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keyser - Lodewyck
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1743018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1747919
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Leyden , 
Lukas 
H uygens 
Lßyden, Lukas Huygens van, von den Italienern arm Luc: 
d'0landa, und auch Lucas Damesz genannt, Maler, Kupfer 
stecher und Formschneider, geb. zu Leyden 1494, gest. daselbs 
1535. Sein Vater Hugo Jalsobsz, ein geachteter Maler, der II 
 Damesz Jakobsz geheissen haben könnte, unterrichtete ihn in ClCl 
ersten Jugend in der Malerei, aber dieses natürliche Wunderkind er 
griff mit gleichem Eifer, gleicher Freudigheit und mit gleichen 
Gelingen schon in frühester Jugend alle Zweige der Kunst. Ei 
malte geschichtliche Gegenstände, fortraite, Landschaften, mi" 
Wasserfarben und in Oel, _auch auf _Glas, schnitt in_ Holz, gra. 
virte auf Iiupferplatten, ZGIClIIICIB init der Feder, mit der Iiohlt 
vor allem aber gerne, und in spätern Jahren ganz vortrefflich mit 
schwarzer Kreide. {Schon als neunjiihriges Bind stach er Zeichl 
nungen von seiner eigenen Erfindung sehr sauber und fein in 
Iiupfer. Man trifft noch zuweilen auf einzelne seltene Abdrüclit 
ohne Jahreszahl von diesen seinen frühesten Jugendarbeiten. Da 
er 12 Jahre alt war, malte er die Legende vom heil. Hubertus mit 
Wasserfarben auf Leinwand, und erregte dadurch die Bewunde- 
rungaller, welche dieses Gemälde erblickten. Ein Iiunstlreuiid, 
 l-Ierr von Lockhorst, gab dafür dein jungen Iiiinstler so viele 
Goldstiicke, als .er Jahre zählte, um ihn zu fernerem Fleisse zu 
ermuntern. Baum mochte Lulias das vierzehnte Jahr erreicht ha- 
ben, als er ein höchst ausgefiihrtes, mit der Jahreszahl 1508 be- 
zeichnetes Blatt nach eigener Erfindung in Kupfer stach, welches 
 den Mönch Sergius darstellt, den Mahomed in seiner Trunkenheit 
ermordet hatte. Es ist mit aller Gewandtheit und Zartheit des Sti- 
chels ausgeführt, welche eine lange Uebung voraussetzt. Aus eben 
dieser Zeit, doch weniger gut gezeichnet, scheint die biissende 
Magdalena zu seyn. Im Jahre 1509 erschienen neun andere Blät- 
ter in Form runder Medaillons, die eben so .viel Scenen aus der 
Leidensgeschichte Christi darstellen.  Nächstdem die Versuchung 
des heil. Antonius, dem der Teufel in Gestalt einer schönen Frau 
erscheint. Auch noch im nämlichen Jahre die Belsehrungsgeschichte 
des Aälostels Paulus. Im Jahre 151_O stach Lulias mit aller Fertig- 
keit as Blatt, m welchem er eine nackte Frau abbildete, die 
einen Hund von "unbequemen Insekten befreit, und dieses Blatt 
gehoret mit der bussenden Magdalena zuoden grössten Seltenheiten 
in Iiupferstichsauimlungen. In beiden zeigte der Iinabe eine Voll- 
endung im Mechanischen, die in ilirer Art nicht höher getrieben 
werden kann, und wenn sie nicht Diirer's Genauigkeit erreicht, 
dochdurch Gewandtheit und Feinheit reichlich ersetzt, wasnur müh- 
samer Fleiss zu erreichen vermag. Sowohl bei diesem, als bei allen 
seinen Blättern muss man neben der vollendeten Ausführung, aucll 
die Mannigfaltigkeit der Köpfe und Stellungen bewundern. Nirgeiid 
erscheint Verworrenheit oder Zwang, selbst nicht in seinen üguren- 
reichsten Coinnositionen; alle seine _Bliitter tragen den Stenipßl 
eines hellen originellen Geistes, der sich selbst von jedem Striche, 
jeder Linie Rechenschaft zu geben wusste, und frei und leicht nur 
te_r jedem Bedingniss seiner Iiunst sich bewegte. Die grösste D10- 
nigfziltigkeit herrscht in seinen Gewändern; auch war er unerschüpl; 
lich in Erfindungen, um seine den Tagen der Vorzeit oder freiir 
deli: Nationen angehörenden Gestalten so viel wie möglich zu eha" 
ra terisiren.. 
In Lukas van Leydexfs Bupferstichen charakterisirt sich auch die 
niederländische Iiunst auf ihrem eigenthümlichen Standpunkte. Das 
beseelte und beseeligte Wesen der Eyclfschexx Werke ist daralß 
verschwunden; weder eine sittliche Schönheit, noch organische Voll"
        

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