Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keyser - Lodewyck
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1743018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1745545
Lairesse , 
Gerhard 
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Zeitgenossen die Allegorie und Idylle bewundern, und in diesem 
Gebiete verfahren sie mit grosser technischer Fertigkeit. Die An- 
zahl seiner Gemälde ist bedeutend; einige sind von grossem Um- 
fange, andere zur Zierde der Zimmer gemalt. Auch verschiedene 
Decl-xenstüclte führte er aus. Sehr gerne malte er nach Art der 
Basreliefs. Seine Werke sind in Gallerien zerstreut, und ehedem 
Wurden sie zu hohen Preisen erworben. Die Churfiirsten von Cöln 
und Brandenburg beschäftigten ihn viel. -Nach Berlin kam er durch 
Johann Gregor Memhard, der damals im Rufe eines geschmack- 
vollen Architekten stand. Er war Lairessens_Freunil, und daher 
empfahl er ihn dem Churfiirsten, und zwar zu einer Zeit, als Lairesse 
noch nicht 20 Jahre zählte. Im lt. Museum zu Berlin sind schöne 
Gemälde von ihm. Die meiste Zeit seines Lebens verlebte Lai- 
resse zu Utrecht und dann in Amsterdam, wo er starb. 
Er führte nicht den erbaulichsten Wandel; er war schwelgerisch 
und in der Liebe ausschweifend. Trotz seiner hässlichen Larve 
sahen ihn die Weiber gern, und es scheint fast, dass ihm irgend 
eine Dirne den Verlust der Nase verursacht hat, wenn nicht jene 
Wirthshausscene mit Emanuel de Witte blos ein bösi-villiger Aus- 
fall war. S. Fiorillo Gesch. der zeichnenden Künste in Deutsch- 
land III. S. 218. Sei dem wie ihm wolle, Lairesse erhielt zuletzt 
doch noch eine Frau, weil ihm das Leben mit Iiebsweibern nicht 
mehr gerathen schien. 'Ein böser Mensch war er nicht, und was 
ihm die Natur voresithielt, das ersetzte sein feiner Geist. Er war 
beständig froh und heiter, ein Mann von Energie.  
Lairesse hat auch über Malerei geschrieben, und in der späte- 
ren_ Zeit seines Lebens hatte er das Unglück, zu erblindcn. Sein 
Werk soll ihm damals iin Alter zur Unterstützung gedient haben, 
wie düärgensville, der den Künstler kannte, behauptet. Descampl 
und Andere wollen die Sache besser wissen. Nach ihrer Angabe 
erblindetc der Künstler 1690, und in diesem Zustande soll er wö. 
chentlich einelwalergesellschaft gehabt haben, in welcher er seine 
Ideen cliktirte, die dann von seinem Sohne gesammelt und mit ei- 
ner Menge Iiupferstiche begleitet, nach seinem Tode in zweiBän- 
den erschienen wären. Dieses ist unrichtig, und clüärgensville, 
wenn er sagt, dass das Werk im Alter des Künstlers erschienen, 
hat das Rechte getroffen, denn die erste Ausgabe erschien 1707 zu Am- 
sterdam, unter dem Titel: Hct groot schilderbock door G. de Lai- 
resse. 2 Deelen. Met printverboelclingen, in lt. Die zweite Ori- 
äinalausgabe ist von 1712. Sein Zeichenbuch wurde in die deutsche, 
ranzösische und englische Sprache ubersetzt, und seine Werke 
und Schriften übten durch die Einführung in allen öffentlichen 
Kunstschulen einen grossen Einfluss auf die Kunstweise. In Com- 
Pusition, Zeichnung und Ausführung wurdcolediglich nach gewis- 
sen Regeln verfahren, und in den nach diesen Principien ange- 
fertigten Bildern verschwand nun allmählich alles eigenthümliche 
Gefühl, so dass sie den Beschauer, ohnerachtet grosser technischer 
Verdienste, und einer gewissen Glätte und Eleganz in der ganzen 
Erscheinung, innerlich kalt lassen. 
Lairesse hat auch mehrere Blätter radirt, die theilweise sehr 
Schätzbar Siüä- Wie in seinen Gemälden, so findet man auch hier 
Stoff zl1_Lob und Tadel, und Füssly geht zu weit, wenn er das 
Werk dieses Meisters den jungen, studireiiclen Künstlern als_ et- 
was ausserordentlich Lehrreichcs empfiehlt. Die meisten Sßlner 
Blätter sind in grossem Formate, und besonders die von 1  6 
reich in der Compositiqn.  
1) Joseph von seinen Brüdern erkannt. H- 15 Z- 2 In, Br. 
8 Z. 5 L. 
16'
        

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