Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keyser - Lodewyck
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1743018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1745070
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Kiigelgen, 
benden Verwandten durch die treffende Aehnlichkeit Entfernter 
oder Verstorbener Trost und Freude zu gewähren. In seinen eige- 
nen Schöpfungen, bemerken wir stets, wie Harmonie die wahre 
Wurzel und Grundlage aller seiner Ideen zu nennen ist. Sehr 
gern pflegte er sich eine Hauptgestalt als Mittelstück zu den- 
ken, zu dem er dann zwei Seitenstiike schuf, die in genauestcr 
Beziehung darauf standen, und zu einem vollen Akkord sich 
vereinigten. Er äusserte oft, dass seine Ideen sich immer ganz 
ungesucht so gestalteten, und dass es ihm Mühe kosten würde, 
sie anders zu ordnen. 
Eine zweite Lieblingsanordnung des Künstlers war es, einen 
Cyklus von Gestalten zu bilden, welche mannichfnltige Abstufungen 
desselben Gefühls darstellen. Zu seinen letzten herrlichen Ge- 
mälden gehört ein solcher himmlischer Dreiklang: ein Christusbild 
in der Mitte, rechts Johannes der Täufer, links Johannes der 
Evangelist, Euiestiicke in voller Lebensgrössc. Iiiigelgen malte 
oft Christusköpfe, meist ganz von vorn, ernsterhaben, stets mit 
frommer Andacht an das Werk gehend. Ernster und tiefgreifender 
gelang ihm aber noch nie "diese Idealgestaltung als hier bei diesem 
lehrenden Christus. Von ausgezeichneter und riihrender Schönheit 
ist der jugendliche Johannes; er spricht noch inniger und gemütli- 
voller an, als eine frühere Gestaltung dieses Heiligen, eines wah- 
ren Feuerpriesters der Wahrheit und des Glaubens. Am wunder- 
barsten aber ergreift das letzte Werk des unglücklichen Künstlers, 
Woran er noch zwei Tage vor seinem Ende arbeitete. Es ist auch 
Bniestiiclt in Lebensgrösse und stellt den verlernen Sohn aus dem 
Evangelio vor. Erschiitternder, mit mehr charakteristischer Tiefe 
und lNahrheit lässt sich dieser Gegenstand nicht darstellen. Der 
 verirrte Siinder kehrt in sich zurück, mit glühender lnnigkeit hebt 
er das verwilderte Haupt empor und presst die gerungenen Hände 
betend an die Brust. Namenlose Zerknirschung ist in diesen auf- 
weinenden Augen und den verstörten, aber nicht verzerrten Zügen. 
Die außerordentliche Wahrheit des Fleischtones und die tiefe 
lienntniss der Anatomie im Muskelspiel ist zu bewundern. Zu 
einem Gegenbild, die Rückkehr des Reinigen in die Arme des Va- 
ters, hatte er schon den Entwurf gemacht. Das letzte Portrait, 
welches er vollendete, war das Brustbild des Fürsten von Heuss. 
Ein Lieblingswerk des Iiunstlers, und auch eine seiner letzten Ar- 
beiten, ist eine Madonna mit dem Jesuskinde, etwas unter Halber 
Lebensgrösse, ein ebenso selenvulles als liebliches Gemälde, ori- 
ginell gedacht und mit allem Zauber der Iiunst ausgeführt- 
G. Hardorff hat sein Bildniss lithographirt, 
Hiigßlgßn, Carl Ferdmand von, Landsehaftsmaler, der Zwil- 
lingsbruder Gerhards, und mit diesem Künstler waren seine Le- 
hensschicksale lange Zeit dieselben. Sie waren beide im Gymna- 
sium zu Bonn, Carl aber sollte fortstudiren, was ihm so wenig 
zusagte, als dem Bruder, und nach seiner Aeusserung wollte er 
lieber ein armer Maler seyn, als Minister werden. Den ersten 
Unterricht ertheilte ihm Schiitz in Frankfurt, dann kam er mit 
dem Bruder bei dem Maler Zick in Coblenz zusammen; grösserex: 
Vortlieil zog er aber aus dem Unterrichte des Malers Fesel, de] 
sich der Jünglinge mit Liebe annahm. Dieses alles, und das: 
diese Zwillinge in Rom gewesen, haben wir im Artikel Gerhard? 
berührt, und wir fügen daher bei, dass Carl in Rom das Copirei 
bald aufgab, um sich der Natur in die Arme zu werfen, und diesl 
bot ihm besonders in Tivoli reichen Stoff. In der Folge fand e 
in Russland sein Glück, da ihn Kaiser Paul zum Hofmaler er
        

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