Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keyser - Lodewyck
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1743018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1744200
Koch, 
Joseph 
Anton. 
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sen hat Koch noch mehrere andere meisterhafte Schweizerlandschaf- 
ten geliefert, die wir aber nicht alle verzeichnen können. Seine 
Bilder gingen inrverschiedenen Besitz über; mehrere kamen nach 
Russland und England. Die Rom besuchenden Engländer beschäf- 
tigten ihn häufig. Für sie führte er mehrere Landschaften in Bister 
aus. Der russische General-Cunsul von Krause besitzt drei grusse 
Landschaften von Hoch, die ebenfalls zu den treElichsten des Mei- 
sters gehören. Es ist dieses ein VVasserfall aus seiner früheren 
Epoche (1796), mit der Figur eines Hirten, welche Thorwaldsen 
gemalt hat; das Hasli-Thal und eine Landschaft mit der Flucht des 
Laban. Auch die Villa Massini in Rom verkündet lioclfs Iiunst. 
Er arbeitete hier gleichzeitig mit Overbecls, Schnürf, dveilll und 
Fiihrig an den Fresken dieser Villa, und ihm wurden die Darstel- 
lungen aus Dante zu Theih Wie sehr en den Geist dieses Dichters 
durchdrungen, werden wir noch in der Folge erwähnen. 
 Mit unserm Hoch, dem Nester der deutschen Iiuust in Rom, und 
mit Beinhart hat sich in Rom eine landschaftliche Schule gebildet, 
als deren Mitglieder Rhoden, Stcinlsopf und Reinhold angesehen 
werden hiinilen. Das Strebeii dieser genialen Männer gehltaufi 
genaue Darstellung des Natur-Charakters, auf poetische freie Auf- 
fassung der Erscheinungen, die sich bei ihnen in grosser Iiraft der 
Farben abspiegeln. Iioch hat jedoch nur einzelne Beispiele von 
glänzender Farbenwirltung gegeben, und vielleicht gerade ,desswe'- 
gen wurden seine Bilder nicht immer nach Verdienst gewürdiget, 
weil ihnen diejenigen Eigenschaften fehlten, welche ein Theil 
des Publikums als erste Bedingung seiner Bewunderung fordert,  
Elegainz der Farbe und hohe Meisterschaft der technischen Behand- 
lung der neueren Meister. Koch ist aber genial, poetischen Geistes, 
und sein Hauptvorzug- besteht in einer: UIIgGWÖhDliClIBII Art der 
Auffassung; er ist Dichter, Meister jeder Form, .welche ihm die 
Natur bietet, so ganz Herr über den Stoß, dass es ihm ziemlich 
gleichgültig ist, 0b er ihn irgendwo in der Wirklichkeit zusammen 
sucht, oder selben dieser geml-iss in seiner Phantasie nachbildet. Er 
schildert niemals die Natur in ihrer realen Erscheinung, wie sie 
theilweise dem Auge sich zeigt, er sieht sie im Grossen und Gan- 
zen, wie sie einen eigenen Gedanken ausspricht, welchen er auf 
dem kürzesten Wege und mit den einfachsten Mitteln zur klarsten 
Anschauung bringt. Dieser Hauptgedanlte beherrscht alle Theile 
und durch ihn gestaltet sich Alles zur schönsten poetischen Einheit. 
In den Formen und Linien sind seine Bilder nniibertreiflieh, mei- 
sterhaft in Anordnung und Verbindung. Seine Färbung ist zwar 
nicht glänzend, aber wahr und charakteristisch bei ihrer Bescheiden- 
heit. Dann ist Hoch auch Meister in der Perspektive, überhaupt 
im Besitze solcher Mittel, die einen liünstler in den Stand setzen, 
Ausgezeichnetes zu leisten. Er ist immer gleich trefflich, im Land- 
schaftlichen, wie im Historischen; überall beherrscht ein grossarti- 
ger tiefbezeichneter Gedanke das Ganze. Seine vielseitige Originali- 
tät und die Grossartigkeit des Styls wird stets ein Vorzug vor vie- 
len neuern Landschaftern bleiben. l 
 Ganz besonders zu rühmen ist lioch auch als Zeichner. E? hat 
Dante's berühmtes Gedicht mit bewunderungswiirdiger Gewandtheit 
in Zeichnungen übersetzt. Die Hölle allein hat ihm Stoff zu mehr 
als 12 Bildern gegeben. Dabei suchte er alle noch existirenden 
Bildnisse derjenigen Menschen sich zu verschaffen, von denen Dante 
spricht. Diese Compositionen sind ganz im Geiste des_grossen 
Dichters entworfen, und Koch ist hierin dem Flaxmart weit vorge- 
cilt. Seine Zeichnungen sind ausgeführter und mehr Gemälde, als 
jene des Engländers.
        

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