Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keyser - Lodewyck
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1743018
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1743183
Kiesling , 
Leopold. 
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rung zu bringen, der ihn sogleich, nebst der Bezahlung der Schuld 
aus eigenem, mit einem jährlichen Gehalte von 200 Gulden aus 
dem akademischen Fonde entschädigte. Ausserdem verschaffte er 
Ihm für in- und ausländische Kunstfreunde vom hohen Bange die 
vortheilhaftesten Arbeiten, deren einzelnen VVerth er von jeder 
Uebergabe fast immer um ein Viertheil höher anschlug, als ihn die 
zu gewissenhafte Demnth des nun geborgenen liünstlers bei dem" 
Vorzeigen eines Werkes bestimmt hatte. In diesem für Iiieslinä 
so günstigen Gliickswechsel erwarb er sich auch durch ein lVIodel 
von Gyps, das den an der Aschenurne des Patruklus trauernden 
Achilles vorstellt, den zweiten historischen Preis: eine silberne 
Schaurniinze mit der Beilage von vierzig Gulden; allein da der 
Forscherbliek des Protektor-s und einige andere zu Rathe gezogene 
Iiunstrichter ihm nach der Hand, den ersten Preis zuerkannten, 
liess ihm die Gerechtigkeitsliebe des erstern im Geheim und unver- 
muthet den Werth der goldenen Schaumiinze in Geld von seiner 
Hauskasse auszahlen, und um ihn auch öffentlich auszuzeichnen, 
vermehrte er seinen akademischen Jahresgehalt mit 200 Gulden. 
Diese damals nicht unbedeutende Summe von. 400 Gulden genoss 
Kiesling ein Jahr lang, und schon traf ihn das schönste Loos eines 
zur Vollkommenheit reitenden Iinnsttalentes. Der Graf Gobenzl. 
erkohr ihn nach eingeholten: Urtheile der Professoren und Kunst- 
kenner unter den übrigen geschickten jungen Bildhauern zu einer 
Reise nach dem klassischen lVIutterlande Roms. 
Die Dauer seines Aufenthaltes daselbst war auf drei Jahre fest- 
gesetzt, mit dem bald schriftlich erhaltenen Antrag, nach Verlauf 
dieser Zeit als österreichischer Pensionär auch nach Paris zu reisen, 
wohin schon viele der lehrreichsten Denkmäler der alten Iloma 
und anderer Städte, welche die Geisel des Krieges erreichte, bereits 
ausgewandert waren. Die zwei ersten Jahre beschäftigte sich der 
fleissige Künstler damit, dass er die vorziiglichcren Meisterwerke 
der alten Griechen und Römer, die noch ihren ursprünglichen 
Ehrenplatz behaupteten, skizzirte, und theils in Thon, theils in 
Gyps und Marmor nachbildete; das dritte Jahre verfertigte er nebst 
mehreren Basreliefs Gruppen und Figuren in Lebensgrösse  einen 
Hymen, einen Ganyrned, drei Köpfe nach berühmten Antiken, 
nämlich den Merkur, Achilles und Ajax in llrlarxnor, und in Lebens- 
ärösse eine Gruppe, die den Merkur darstellt, wie er die von der 
enus grausam verfolgte Psyche zur Verxaühlung mit Autor eilig 
in den Olymp führt.   
Nicht lange dar-nach begann der dritte Krieg mit Frankreich 
(1805) und  sein Lavastrom hinderte den beinahe reisefertigen 
Künstler an der seinem Verdienste zugedachten Bestimmung nach 
Paris, dagegen erhielt er aber die Erlaubniss, in Rom oder dessen 
Umgebungen sein Studium noch ein Jahr zu benützen, auf welches 
jedoch zuerst zwei und dann sogar drei Jahre folgten, ehe er den 
Vaterländischen Boden wieder betreten , und seinem grossen 
Kaiser die Beweise seiner dankerfiilltexi Iluldignng in einem Kunst- 
werke darstellep konnte, von dem er die Idee, während jenes 
Krieges gefasst und gezeichnet, an den Protektor der Akademie eilt- 
Sitndte, Mittlerweile ereignete sich der angenehme Fall, dassder 
Rlllßr Qanova wegen des von ihm gefertigten Grabmales der Erz- 
hßrlßgin "Christine nach Wien sich begab. Vor der Abreise bßehrte 
91' Seinen ihm wohlbekannten "Nebenbuhler" (er selbst nannte so 
unsern Kiesling) und bot ihm auf die geflilligste Weise seine Dienste 
an. Kiesling theilte ihm offenherzig sein Vorhaben und Anliegen 
mit, zumal da die schon in Gyps geformte Idee Canovafi Beifall 
und Bewunderung erregte, und  was Cobenzl als Protektor bei
        

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