Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Haspel - Keym
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1731237
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1736744
Maria 
Kaufmann , 
Anna 
An gelica. 
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so wie sie um diese Zeit auch schon ihre meisten Studien nach 
Gygsen und in Oel machte. Der Aufenthalt in Como beschleunigte die 
Entwickelung von Angelika's 'I'alenten; denn ausser den Anlagen 
zur Malerei trat bei ihr auch 'l'alent und Neigung zur Musik her- 
vor. Ihre Stimme besonders war von so ungewöhnlicher Reinheit, 
dass sie bald hernach in den Fall kam, zwischen den beiden Kün- 
sten wählen zu müssen, um es nicht mit beiden zu verderben. 
Im Jahre 175d. trieb das unbestiindige Schicksal den" Vater Kauf- 
mann nach Mailand, und diese Veränderung zog die Entscheidung 
in Angelikzfs Leben nach sich. In den Gallerien und den vielen 
Iiirchen dieser grossen Stadt sah sie zum ersten Male Kunstwerke vom 
ersten Bange. Statt nach Iiupfern eopirte sie nun nach Gemälden, 
und die jugendlichen Arbeiten der liebenswürdigen Iiiinstlerin er- 
hielten Lohn und Lob. Im sechszefinten Jahre verlor aber Angelika 
hier ihre Mutter, ein Verlust, der dem Vater tief in die Seele ging. 
Der Aufenthalt war ihm daher in dieser Stadt so unerträglich, dass 
er den Ruf nach Schwarzenberg annahm, um die Iiirche dieses 
seines Vaterortes auszumalen. Die Tochter half dem Vater bei sei- 
ner Arbeit und malte namentlich die 12 Apostel, nach Hupferstichen 
von Piazetta, in Freseo. 
Anfangs des Jahres 1765 kam Angelika zum erstenmal nach Rom, 
wohin sich ihr Geist unaufhörlich gesehnt hatte. Zu den glückli- 
chen Ereignissen ihres Lehens gehörte Winckclmannk Freundschaft, 
dessen Kenntnis-s und Geschmack ihr bei der Gesunkenheit der da- 
maligen römischen Kunst sehr förderlich war. Raphael, Michel 
Angeln und die Antiken machten ihre Studien aus, die kaum durch 
eine Reise nach Neapel unterbrochen wurden, wohin sie von der 
Königin berufen wurde, um mehrere Gemälde in der Gallerie von 
Capo die Monte zu copiren. Erst 1764 kehrte sie wieder nach Rom 
zurück. Um nichts an ihrer völligen Iiunstbildung zu versäumen, 
nahm sie sich vor, nachdem sie in Rom noch Architektur studirt 
hatte, die italienischen Malerschulen alle an Ort und Stelle kennen 
zu lernen. Nach einem Jahre wanderte sie daher von Rom zu den 
Carraccis nach Bologna, und von da nach Venedig, wo sie Titian 
und Tintoretto, und besonders Paul Veronese, dessen Colorit und 
Composition sie am stärksten ansprechen, mit grösstem Eifer stu- 
dirte. Von Venedig aus ging sie m Begleitung der Lady Veerworth 
über Paris nach London ab, wo sie 1766 ankam, und einen unge- 
wöhnlich hohen Ruf erlangte. Aber trotz der glänzenden Aufnahme. 
welche Angelika in London fand, war doch ihr erstes Gefühl 
Sehnsucht nach ihrem Vater und Sehnsucht nach Italien. Edle 
Freundschaft, der Empfang an denn Hofe von St. James, die ße- 
suche der Glieder der königl. Familie, und die besondere Achtung 
erlauchter Personen mussten ihr sehr schmeichelhaft seyn; aber 
nichts hätte sie dennoch ganz in diesem Lande zu fesseln verrnocht. 
Die Sehnsucht ihres Herzens, die religiöse Richtung ihres Geistes, 
und, als ihr Vater 1767 selbst nach London kam, wohl die neue 
Behaglichkeit ihres ganzenWesens, begünstigten den niederträchti- 
gen Plan eines Abcntheuerers. Unter dem Namen eines schWeCllSChe" 
Grafen, Friedrich von Horn, wusste ein Betrüger Herz und Hand 
der liliinstlerin zu erschleichen. Sie wurde in der Stille Horns 
Gattin, ohneWissen und Vermuthen ihres Vaters. Doch bald wurde 
die lleirath öffentlich bekannt und im Iiurzen entschieden. dass 
die Künstlerin, welche die ansehnlichsten Heiraths-Antriige ausge- 
schlagen, das Opfer der Verführung eines Elenden geworden, fiel" 
schon eine rechtmässig angetraute Frau hesass, und (115 ehemaliger 
liannnerdiener des Qrafen _Horn den Namen deßäelbell angenommen- 
Der Betrüger begnugte sich endlich nach fruchtlosem Versuchen
        

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