Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Haspel - Keym
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1731237
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1736502
lernen. Fontana sah hieraus die Neigung des Künstler: zum 
Uebertreiben, die Begierde durch Neuheit in der Baukunst Ruhm 
einzuerndten. Er liess ihn daher Bauten copiren, welche immer 
noch durch ihre edle Einfachheit und geschmackvolle Verzierung 
sich empfahlen. Juvara suchte auch wirklich der besseren Lehre 
zu folgen, allein er konnte an den Monumenten des alten Roms 
und Griechenlands keinen Geschmack finden, und noch kühner als 
Bernini suchte er ihnen im Gegentheile Trotz zu bieten. In dem 
Streben, diesem seine Sonderbarkeiten eiitgegeuzusetzen, wurde 01' 
bizarr, und Turin ist hauptsächlich jene Stadt, zu derenVerschöiie- 
rung er mit Guarini seine Erzeugnisse einer_ausschweit'enden Phan- 
tasie zur Schau stellte. Anfangs hatte er mit Armuth zu kämpfen, 
bis sein Landsmann Pellegrini, der bei dem Cardinal Ottoboni im 
Dienste stand, ihn bei diesem eintiihrte. Jetzt erwarb er durch 
gut geätzte Scenen des kleinen, aber berühmten Theaters di Bnrat- 
tini sein dürftiges Auskommen, endlich aber berief ihn der zum 
Iiönige beider Sicilien ernannte Herzog von Savoyen nach Messina, 
um für ihn im Hafen einen Pallast zu bauen. Dieses Gebäude gefiel 
dem König so sehr, dass er den Künstler zu seinem ersten Bau- 
meister ernannte." Jetzt eröffnete er. in Turin seine glänzende Lauf- 
bahn, wo von nun an ein Werk uin das andere den Namen Juva- 
ra's verkündete. Er baute die unter dein Namen Superga bekannte 
Kirche und die Capelle" der kiinigl. Villa la Venerie, beide im über- 
ladenen Style jener Zeit. Sein Ruf war aber einmal gegründet, und 
daher berief ihn 1751i der König von Portugal nach Lissabon, um 
ihm den Bau der Patriarchalkirche und eines k. Pallastes anzuver- 
trauen. Der Beifall, welchen er sich durch diese Gebäude erwarb, 
war glänzend, denn er stellte Prachtstücke hin, wie man deren nie 
in solchem Reichthume der Verzierung sah. NIit Schätzen über- 
häuft und init dein Christusorden geziert, kehrte er über London 
und Paris nach 'l'urii1 zurück, wo bald von Mantua, lYIailand, 
Coino u. s. w. Bestellungen eintrafen, die er auch alle erledigte, 
da Juvara ungemeine Leichtigkeit iin Entwurfe besass. So machte 
er in der letzten Stunde vor seiner Abreise den Entwurf zu einer 
Stiege für Trinitä didVIonte, die man ausgeführt für ein Vvtllldßlf 
erklärt hätte. In Turin baute er auch die Kirche St. Christina mit 
ihrer geschmückten Faqade, und auch die Kirche St. Ainadeo ist 
sein Werk. Sein letztes VVerk war der Plan zum neuen k. Pallaste 
in Madrid, an der Stelle des alten abgebrannten Alcazar. Juvara 
liess auch ein Modell in Holz ausführen, allein der Tod überraschte 
ihn 1755 zu Madrid vor dem Beginne des Baues, und J. L. Sac- 
chetti, sein Nachfolger, fertigte einen neuen Plan. Die Fagade des 
Pallastes S. Jldefonso gegen die Gartenseite hin soll allein nach 
Seiner Zeichnung erbaut seyn. Seine Zeichnungen waren in gros- 
ser Menge vorhanden und häufig bewahrte man sie hinter Glas 
und Rahmen, wie Milizzia sagt. Er nahm oft die nächst beste 
schlechte Feder zur Hand und zeichnete doch damit zu Aller Ge- 
filllßll- Wollte man aber Zeichnungen von seiner Hand haben, 
so musste man solche sogleich zu erhalten suchen, später gab er 
sie nicht wieder weg. 
Man hat von ihm eine geätzte Sammlung von Cartouchen nach 
Bernini, Algardi u. a., unter dem Titel: Raccolta di varie Targhc. 
Roms 1715-, 57 Blätter. Der Graf Baroni di Taviglißno gab 1753 
auf 20 Blättern den Plan und die Abbildung der von Jllvafa erbau- 
ten Kirche des heil. Philippus Neri heraus. Ch- ab Aqua und B6" 
 rardi stach nach ihm und Antonio Gioli 1779 sieben Blätter grosse 
architektonische Compositionen, zum Theil Theater-Dekorationen, 
fol. und. qu. fvl- 
Naglefs Künstler-Lax. VI. Bei. 33
        

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