Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Haspel - Keym
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1731237
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1736264
Jouvenet, 
Jouvenet , 
Jean. 
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des Lazarus, die Vertreibung der Verkäufer aus dem Tempel, die 
Ruhe bei Simon, die Himmelfahrt Christi, die letzte Oelung, 19m5 
bei Maria und Martha und die Ansicht des Hauptaltarcs in Nomyl 
Dame aufbewahrt. Die Skizze zum Bilde mit Christus bei Simon 
war in der nun zerstreuten Sammlung des Conferenzrathes Bugge 
zu' Copenhagen. In letzter Zeit seines Lebens hatte er das Unglück, 
am rechten Arme durch den Schlag gelähmt zu werden; doch bald 
war er der Unthätigkeit müde, und er fing mit der Linken zu 
malen an. Er brachte noch zwei bewunderte VVerke zu Stande: 
Das Plafundgemälde im zweiten Saale des Parlament-Hauses zu 
Rauen und das Magnificat im Chore der Cathedrule zu Paris. 
läaldTnilch der Beendigung dieser Arbeit, im Jahre 1717, ereilte ihn 
er o  
Die gleichzeitigen Schriftsteller nennen Jouvenet den ersten 
Maler des Königs, ohne einen Nebenbuhler zu bezeichnen, der 
ihm diesen Ehrenplatz streitig machte. Er gehört auch im Allge- 
meinen zu den besten Meistern der französischen Schule. Er salx 
nie Italien; er bildete sich nur durch fleissiges Studium nach der 
Natur, wie es sich besonders in seinem Fischzuge des heil. Petrus 
offenbar-et. lYIan kann aber über diesen Künstler verschiedene Ur- 
theile lesen. Algarotti will ihm fast gar kein Verdienst einräumen; es 
scheint, dass dieser Iiunstriehter nicht vergessen konnte, dass Jou- 
venet nicht in Italien gewesen, um durch das Studium der Antike 
den Sinn für Reinheit der Form zu wecken. Allerdings treten uns 
in seinen Gemälden nur französische Gestalten entgegen, und öfter 
nicht gerade die wohlgebildetsteil. Doch ist Jouvenefs Zeichnung 
nicht so schlecht, als Algarotti sie macht. Er ist zwar oft manie- 
rirt, aber doch nicht ungefällig in der Zeichnung, und nicht selten 
gelang es ihm, einen grossartigen Charakter zu gehen. In der Er- 
findung besass er grosse Leichtigkeit, und in Iäehanrllxiug des Hell- 
dnnkels, so wie in Vertheilung der lYIassen von Licht und Schat- 
ten, verräth er grosse Geschicklichkeit. Die Färbung gefiel den 
Franzosen längere Zeit nicht sonderlich, denn der Künstler hatte 
kein so glänzendes Colorit, als einige seiner Vorgänger, und es 
herrscht darin ein gelblichter Ton. Uebrigens aber liegt in 
seiner Färbung liraft und Wärme. In der Linienperspektive ge- 
brach es ihm ebenfalls, und auch das Studium der Architektur ver- 
nachlässigte er. Wenn er daher eine architektonische Verzierung 
nothwendig hatte, so bediente er sich der Hülfe des berühmten 
Fenillet, der ihm die Prachtgebäude in den Hintergründen malte. 
Jouvenet hat immerhin unliingbare Verdienste, doch verdient er 
jenes Lob, welches ihm YVatelet ertheilt, nicht in so hohem Grade. 
Watelel: meint, in Jouvenefs Iircuzabxiehmung sei Guercino mit 
Cjirracci vereint, und dieses Bild würde früher in Rom als das 
vierte Meisterstück erklärt worden seyn. Jouvenet scheint ihm auch 
der Mann zu seyn, der alle grossen Meister herausgefordert hat. 
In seiner Schule herrschte noch zum Theil ein edler Geschmack, 
der sich aber in diesem Zeitraume immer mehr verlor, bis die 
Iiuilsnin gänzlichen Verfall gerieth. Sehr gering ist die Anzahl 
derjenigen Männer, die sich in dieser Epoche als selbstständige und 
feSIC liiiüillcr bewiesen. Restout, sein Schüler und Neffe, den er 
in der ersten Zeit seiner Lahmheit beständig um sich hatte, Weil 
er imßllnterrichte damals alleinige Entschädigung fand, fvlgts 59V 
nein eispie e. 
Eine bedeutende Anzahl von Werken dieses Künstlers Würden 
gestochem Sowohl Historien, als Bildnisse: von J- Alldran der wun- 
derbare flßühlug und die Erweclaun des Luzarus; von L. Despla- 
ces die Abnchmung vom Kreuze, die Heilung der Iiranlsen, die
        

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