Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Haspel - Keym
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1731237
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1731737
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Heem skerk , 
Martin 
van . 
van Eyckk zur Seite zu stellen geneigt war. Er hielt aber fest 
an SchoreePs Weise, und wusste, wie dieser, Aiimuth, Leben und 
Geist seinen Werken mitzutheilen. 
im Jahre 1532, als Martin 54 Jahre alt war, entschlosss er sich 
endlich eine Iiunstreise nach Italien zu unternehmen; vorher aber 
malte er noch den Apostel Lukas, und schenkte diese Tafel der 
Harlemer Malergilde zum Angedeuken. Dieses Bild wurde zu 11 
van Manders Zeit von der Obrigkeit der Stadt als ein seltenes 
Tilßilwd hoch in Eliten gehalten und auf dem llathhause anfhe- 
wahrt. C. van Mander beschreibt es mit grosscin Lobe. In lloin 
warf er sich mit glühendein Eifer auf das Studium der Antike_ 
malte und zeichnete den ganzen Tag nach den Uehei-bleibselii an- 
tiker Baukunst, nach Statuen und Basreliefs und nach Michel Auge; 
la's Werken, den er allen andern modernen Künstlern verzog 
Die Neuheit der Gegenstände hlendete ihn, er ergriff sie in wi1_ 
der, eifriger Hast, ohne sich selbst Zeit zu lassen, sich mit ih_ 
rem eigentlichen Wesen zu befreunden, oder ihren Geist in sei_ 
nem Innern aufzufassen. Die glänzende Oberfläche dieser ihm 
fremd erscheinenden Kunstwelt genügte ihm, und so verlor er den 
über nach und nach die Natur fast gänzlich ans dem Gesiclite, 
die ihm so lange befreundet gewesen war. 
JSoine Arbeiten in Rom, deren ihm einige aufgetragen wurden, 
erwarben ihiu den allgeineinsten Beifall bei Künstlern und liunst- 
kennern. Auch Vasari geilenlit seiner unter dem Namen Martin 
'l'edesco, und lobt vor allein die Gemälde, die dieser grau in 
grau für den Einzug Iiarl V. in Rom malte. "Wie er in Rein 
zweier Gemälde und anderer Iiunstsachen beraubt wurde, uml 
wie er aus Furcht vor den Dolchen Rache dürstender Italiener 
über die Alpen zurückeilte, ebenso den glückliche Zufall, der ihn 
in Dordrecht aus einer Mordherberge rettete, erzählt Johanna 
Schopenhauer, in dem Werke, Johann van Eyck und seine 
Nachfolger.  
Mit der Ankunft in Harlem, seinem Wohnorte von nun an, be, 
ginnt in Martin Heemslierlös Leben ein neuer Abschnitt. In sei- 
neu früheren Arbeiten ist er in Ausdruck und Stellung der Figu- 
ren einfacher, ungesuchter und mehr in der Art der alt- nie- 
derländischen Schule. Aus dem lebensvollen Colorit, aus der 
Zeichnung, der Schönheit der Draperien und der vollendeten 
Ausführung, aus allem, geht in dieser Zeit das hohe Talent des 
Meisters hervor, die Natur mit zartem, edlem Sinn aufzufassen, 
mit gewissenhafter Treue darzustellen, und nirgend erblicken wir 
eine Spur von Manier und erkünstcltein Wesen. In der königlich 
bayerischen (ehemals Boisserriifschen) Sammlung befinden sich 
Gemälde aus seiner besten Zeit: Kaiser Iiarl V., als Feldherr in 
voller Rüstung, eine jugendliche kraftvolle l-leldengestalt; die liaL 
sei-in Helena mit dem Kreuze des Heilands, ihr gegenüber der 
ebenfalls heilig gesprochene Kaiser Heinrich II. Das Gegenstück 
zu diesem Bilde zeigt die Gestalt des Evangelisten Johannes, mit 
dem Kelche; zur Seite steht, fürstlich geschmückt, die heilige 
Catharina. Zu den Fiissen dieser Heiligen kniet der Stifter und 
die sl-lfferin mit, ihren Söhnen und Töchtern. Ferner ein Altar- 
blau mit Seitentafeln. Das Hauptgemälde stellt eine Kreuzigung 
dar; die eine der Seitentafeln den heiligen Stephan, die andere 
den heiligeirMaui-itius.  
l-Ieemskerk ward in Harlem bei seiner Rückkehr aus Italien 
von Künstlern und _Kunstfreunden sehr ehrenvoll empfangen, auch 
übertrugen ihm seine 'Mitbiirger die Stelle eines Kirchenraths. 
welcher er 22 Jahre lang bis an seinen Tod verstand. Er Ver-
        

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