Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Haspel - Keym
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1731237
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1733661
Hogarth , 
William. 
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wiirclig. Hass, Neid, Stolz, Eitelkeit, Schwelgerei. die Verwerfen- 
heit des Lasters, Untugenden jeder Art, den verdorbenen, oder von 
Iiuinmer und Elend eutstellten Menschen, wusste kein Maler mit; 
solch uniibertreffbarer Wahrheit darzustellen, als Hogarth. Er war 
ein redlichcr Mann, weit entfernt denThox-heiten und Lästern 
durch seine Bilder Nahrung zu verschaffen; er ist im Gegentbeile 
die Geisel derselben, ein strenger Sittenrichter, dadurch, dass "er uns 
menschliche Gebrechen undldie Scheuslichlseit der Laster verführt. 
Wer möchte denn das Leben seinesLiederlichen nachahmen, wenn 
er das Ende desselben betrachtet, und "seine Blätter des fleissigen 
und faulen Arbeiters, von denen der eine Lordmayor wird, der an- 
dere das Schadet besteigt, werden immer eine treliliche Sittenschule 
bleiben. Man hat dennoch den Künstler mehr oder weniger ver- 
dächtigen wollen. Ein Schelm ist er wohl zu Zeiten, wenn Witz und 
Laune in zu reicher Fülle sprudelten. Einige nennen ihn Maler 
der Natur, Andere aber glauben, dass alle diese eine lVIenschen- und 
Gotteslästerung begehen. Er wird verschieden heurtheilt, und sväh- 
rend man ihn einen schlechten Maler nennt, so will man ihm auch 
unter den Iiupferstechern kaum eine mittelmässige Stelle gönnen. 
Sein Verdienst als bildlich darstcllender Satyriker sucht ihm wohl 
niemand zu entreissen, aber man will ihm keine Ehrenstelle unter 
den Iiiinstlern einräumen. Dass ihn gerade seine Commentatorcn 
aus dem Sehmutze der Dunkelheit hervorgezogen haben sollen, 
ist doch gewiss zu viel gesagt, und wenn an dem Manne gar nichts 
gewesen ist, wie könnte denn Lichtenberg den Stoff zu seinem 
geistreichen Werke gefunden haben, in welchem er seine Sitten- 
gemälde nach l-Iogarth darstellte?   
' Sonderbar ist es, dass sich Hogarth mit einem Werke iiber die 
Zerglieilerung der Schönheit (Analysis of Beauty) beschäftigt hat, 
da sich doch geratlc er selbst in Darstellung des bläulichen gefiel. 
Die edlere menschliche Natur, namentlich die Liebenswürdigkeit 
des VVeibes, blieb ihm" fremd, selbst die personiiicirte Tugend er- 
scheint nicht in voller Schönheit der Form. Und er schrieb doch 
über die Schönheit, sagt uns aber dadurch gerade erst deutlich, 
dass er diex wahre Schönheit den menschlichen Form verschmäht 
liabe- Bei ihm ist; nur von einer geometrischen Zergliederung 
der Schönheit, deren Ideale er in er Wcllenlinie suchte, die 
Rede.  
Indessen enthält das VVei-h auch sein Gutes, doch ist nicht alles neu, 
wie die Idee von der tVellenlinie. Er versinnlichte dieses durch 
eine gestoehene Palette mit einer gebogenen Linie, und als man 
ihm später sagte, dieses hätte man schon gewusst, stach er das 
Blatt mit Columbus und dem Ey. Sein XVerls bedurfte auch der 
Feile, und diese legten Dr. Hoadly und andere seiner Freunde 
an. Dieses Werk erschien 1755, und es wurde iflS Deutsche und 
Französische übersetzt. Er selbst ahen machte in Frankreich kein 
Gliich. Im Jahre 17.17 reiste er nach Galais, wo man ihn heim 
Abzeiehnen des Stadtthores als Spion ergriff, was seinen Groll ge- 
gen Alles, was französisch war, noch vermehrte. Er fertigte desshalb 
viele satyrische Blätter auf die Franzosen, wuriiluer John Bull herz- 
lich lachte. Indessen verschonte er auch seine eigenen Landsleute 
nicht, so wie seine Bilder auch sagen, in welcher Gesellschaft der Ur- 
heber selbst gewesen,'doch glaublicb nur als Beobachter. Er hat den 
Ruf eines IWIIUHCS von geregelter Lebensweise, dem nur die Galle 
manchmal iiberging. Auch war er Feind aller Akademien, 0d" Viel" 
mehr des akademischen Scbnlzwvanges. Näch seiner Meinung W41!" flle 
Errichtung einer Akademie liir die Iiunst der Todcsstreich. Er hielt 
eine solche Anstalt als Schule 1iIlCChiiSCl1Cl' Mittelinässiglteit, fiir
        

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