Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Haspel - Keym
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1731237
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1733392
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Hobbema , 
Meindert. 
Fiorilla sagt von Hobbema iin Allgemeinen nur. was Fiissly_ bei- 
bringt; am riehtigsten aber wiirdiget ihn Dr. Waagen in seinem 
unter; näher bezeichneten Werke über England. Doch auch in 
deutschen Gal_lerien, wie in München etc., sind Bilder W11 Hob- 
bema zu finden, und gegenwärtig macht man zwischen ihm und 
Ruysdael fast keinen Unterschied mehr, da er gleiche Bewunde- 
rang verdient, wenn der geniale Hobbema gleich weniger fein in 
der Ausführung ist.  
MeindertHdbbema ist ein eben so seltener als grosser Landschafter, 
der einzige, der unter den Holländern einen Vergleich mit Piuysdael 
aushält. Dr. Waagen (Kunstwerke und Künstler in England I. 195) 
sagt, dass sich keine Sammlung der Welt an Meisterwerken die- 
ses Künstlers mit der Sammlung des Robert Peel in London nies. 
scn dürfte. Hier sieht man eine mit Bäumen bedeckte Gegend, 
im Vorgrunde mit Wasser, mit jenen einfallenden Lichtern,  
durch alle Gegenstände so vortrefflich auseinander treten, und da- 
bei eine Durchbildung der Bäume in allen Theilen, vom Stamme 
bis zu dem kleinsten Gezweig, wodurch dieserlVIaler alle andern 
übertrifft. Hierin, wie in der Frische des Tones, ist dieses Bild- 
chen xder trefflichen Landschaft von Hobbema in der Gallerie des 
Museums zu Berlin sehr nahe verwandt. und gewiss aus derselben 
Zeit. Ein anderes Bild bei R. Peel zeigt eine Wassermühle am 
Bache, der mit Wasserpflanzen bewachsen und mit drei Enten be_ 
lebt ist. Zwischen Bäumen sind Bauernhäuser, von einem durch 
 die leichten Wollten brechenden Sonnenstrahl bescliienen. Auf 
einem dritten Gemälde spiegeln sich die Ruinen des Schlosses der 
alten Familie Brederode im klaren Wasser, von einenrsonnen- 
strahl hell beschienen. Enten und Gänse schwimmen einher und 
 Wiesen und Bäiime schliessen sich an. In solchen Bildern kommt 
Hobbema an Tiefe, Klarheit, Sättigung der Farbe, an Gewalt der 
Wirkung den Landschaften des Rembrandt gleich, hat aber aus_ 
serdein den Vorzu der grössten Naturwahrheit, der fleissigsten 
Ausführung. Der iunsthändler Nieuwenliuys hat das Bild an  
Peel verkauft, und es selbst um 880 Pll St, ßrätßndßn- Ein Vier- 
tes Gemälde bei R. Peel stellt die Ansicht des Dorfes Mltldßihar- 
nis in Geldei-land dar, den innthmasslichen Geburtsort von Hob- 
bema. Das Bild ist einfach und von keineswegs schönen Bestand- 
thcilen, aber dennoch übt es durch die Reinheit des Naturgm 
fiihles und durch die Gewalt der Iiunst auf jeden gebildeten Be- 
schauer einen wunderbaren Zauber. Dr. Waagen bekennt, eine 
solche allgemeine Helligkeit, ein solches Tageslicht vorher auf kei. 
nem Bilde gefunden zu haben. Zu einer feinen Beobachtung der 
Linienperspektive gesellt sich hier von dem sattesteil Saltgrun im 
Vorgrunde eine so wahre, zarte und klare Abtonung, dass es 
Waagen in dieser Beziehung als ein_„non plus ultmu betrachten 
Dieses merkwürdige Bild wurde 1815 In Dort nur mit 1000 hollän- 
dische Gulden bezahlt, in England kostete es 800 Pf. St. 
In Bridgewvater, ehedem Stafillrd-Gallerie, ist ein Gemälde mit 
zerstreuten Häusern eines Dorfes, und eine Wassermühle mit 
andern Gebäuden, letzteres besonders lslar, fleissig und saftig und 
fiir Hobbeina durch die grossen ruhigen Massen von Schatten 
und hellem Licht ausgezeichnet. Das Bild trägt die Jalirzalil 1657, 
Ein anderes Gemälde, doch wissen "wir nicht welches, soll die 
Jahrzahl 1665 tragen, und dieses dürfte eines der ältesten VVGPRQ 
des Iiiinstlers seyn. Im Cabinet Paignon Dijonval p. 191 heisst 
es aber, dass der Iiiinstler noch gegen 1670 geißelt habe- 
Mehrere seiner Bilder sind auch durch liupfcrsliclie bekannt.
        

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