Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Haspel - Keym
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1731237
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1733149
Hildebrandt, 
Theodor. 
177 
Schmelz des Colorites zu verleihen, das diÄ: Wghrheit bis, zum 
Ppetischen steigert. Er und Hühner gingen in tuchtlger, solider 
Technik des Oelmalens voran. 
Das nächste Bild, welches Hildebrandt zur Ausstellung brachte, 
ein sicherer Fortschritt zu seinem Ruhme, stellt die Juclith vor, 
wie sie im Begriife steht den Holofernes zu morden, auf Reni- 
brandtsche Weise gefasst und behandelt. Die Figuren sind in Le- 
bensgrösse; Holofernes, am Boden liegend, ist im Schoose der 
Judith entschlafen vürgestellt. Diese sitzt auf einem Ruhebette; 
der Gedanke des Mordes und der Rache zuckt so eben in ihr 
auf und sie fasst mit der einen Hand das kräftige Haar des Man- 
nes, während sie mit der andern das Schwert zum Todesstreiche 
schwingt. Alle Künste des Helldnnkels sind hier entwickelt, um 
bei nächtlicher Lainpenbelieuchtung in stiller Nacht heimliche 
_Lust und Mord mit Verschwiegenheit zu decken. Hulofernes 
schläft wirklich und eben diese grosse Illusion des Ganzen geht 
über auf die schrechhafte Handlung, die mit Furcht und Entse- 
tzen erfüllt. Nur die Judith entging nicht ganz dem Tadel. S. 
Iiaczinskfs Geschichte der neueren deutschen Kunst. I. 153. Die Ju. 
dith ist eine kräftige Heroine, weniger das reizende, verführeri- 
sche Weib." 
Das folgende Bild, das der höheren Sphäre des Genrefaches 
angehört, ist der Räuber iin alten Gemäuer mit übereinander ge- 
schlagenen Beinen, wie er. die Büchse auf den Boden lehnencl; 
lauert. Wildheit des Charakters und die Verruchtheit seines Ge- 
werbes sieht ihm zwar nicht unmittelbar ausiden Augen, aber 
man erkennt einen Mann, der mit seinem Gewissen ein leichtes 
Abkommen gefunden hat. 
Mittlerweile besuchte Hildehrandt auch Rom, und hier ent- 
stand 1830 ein merkwürdig-es EaniilienbihL. welches den Vater 
Beuileniann und die Mutter im Kreise der Seinigen darstellt. Man 
sieht hier den lWIaler Eduard Bendeinann, und Hühner, den 
Schwiegersohn; ferner Schadosv, Sohn und Hildehrandt selbst dar- 
gestellt. Alle diese Künstler haben an dem Bilde gemalt; Hilde- 
hrandt die Gestalt des alten Bendeinann und jene des Malers 
Sohn, 
Diese erwähnten Werke sind Meisterstiichc ihrer Art, aber es 
reihen sich an sie nochniehrere andere an, die gleiches Gepräge 
der Vollkommenheit tragen. Iin Jahre 1824 malte er noch Faust 
und Mephistophiles in der Felshöhle, in ein Drittel Lebensgrösse, 
im Besitze des H. Treskow auf Friedrichsfelde bei Berlin. Vorn 
Jahre 1827 ist sein Abschied Bumeds von Julia anzureihen, ein 
vier Fuss breites und fünf Fuss hohes Bild i_in Besitze des Prin- 
zen vunfreussen. Das oben erwähnte Bild der Chlorinde, vier 
einen halben Fuss hoch, besitzt Dr. Heilbron in Minden, die Jn- 
dith H. vom Rath zu Dnysburg und der Räuber lauert jetzt beim 
Cunslll Wagner in Berlin. Zu diesem Bilderkreis gehört auch das 
höchst liebliche Bild, unter dem Namen der "Warnung vor der 
VVBSSQYIIIXC" bekannt, und der Iiriegsrnann mit dem Söhnlein, im 
Besitze des Consuls Wagner und abäebildet in Raczinskys Bracht- 
werk I. 204- Hier ist auf der fo genden Seite auch die Abbil- 
gung des kranken Bathsherrn zu sehen, ein berühmtes Bild, (las 
bei H. v. Krause in 'l'enzerovv zu sehen ist. Der liathshfrr ist 
dargestellt, wie er, das Ende seines Lebens fühlend, sein Tßühter- 
lein segnetl Es ist_dieses ein Bild von hoher technisqhfi? VPHQQ- 
duiig. Ein vorzügliches Bild ist auch die Mährchenerzahlerin, li- 
thographirt von J. Becher.   " 
Nagleräs Künstler-Lax. VLBd. 12
        

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