Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Haspel - Keym
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1731237
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1732577
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Herlin, 
Friedrich. 
niederländischer Arbeit umzugehen im Stande war. Von dieser 
Zeit an scheint er in Nördlingen gearbeitet zu haben, 
In der St. Georgien-Kirche zu Nördlingen sind noch mehrere 
Bilder von Herlin: die zwei Fliigelthüren am Hochaltare von 
1461 (von Michael Angela verfertiget, sagt Weyermann?); ein 
sghöner Christus am Kreuze als Epitaphiuin; ein Christusbild von 
1469; die Ausstellung Christi 1478; die Madonna mit dem Hinde 
sitzend und zu den Seiten Herlin mit Frau und Kindern kniend, 
auf dem einen Flügel die Geburt Christi, auf dem anderen Jesus 
im Tempel, das Ganze 1488 gemalt. Herlin malte auch den Hochal- 
tar in Bopfingen für 520 ll., ein Bild, das den Namen des liünst- 
lers und die Jahrzahl 1472 trägt. Die Bilder in der Kirche zu Nörd- 
lingen werden als vorzüglich bezeichnet, 
In der St. Jakobshirchc in Rothenburg an der Tauber sind acht 
Bilder im Inneren des Altares, mit der Beischrift: Dis Werk hat 
gemacht Friedrich Herlein Nlaler 1466. 
Von Herlin ist vermuthlich auch das herrliche altdeutsche Ge- 
mälde des Hochaltares im Dome zu Meissen. Es stellt die Anbe- 
tung der Könige in lebensgrossen Figuren dar, auf dem rechten 
Flügel St. Joseph und St. hihpp. auf dem linken Bartolomäus 
und Jakob. Den Grund bilden prachtvolle Ruinen altrömischu- 
Architektur. Die Köpfe sind ausdrucksvoll, die Gewandung ra- 
faelisch, und die Hände und Füsse obgleich nicht von vorziigli- 
cher Schönheit, beurkunden einen für treue Nachahmung der Na- 
tur sehr besorgten Meister. Das Köpfchen des Kindes ist von un- 
vergleichlicher Anmuth. Die Geschichte des Bildes ist in Meissen 
nicht bekannt; Hirt (Bemerkungen auf einer Reise über Witten- 
herg und Meissen," Berlin 1850) vermuthet in Herliu den Urheber 
diese: berühmten Altarblattes. Herlin's Bilder in Meisscn ha- 
lxen aber etwas Rohes in den Physiognomien, was sie vielleicht erst 
durch die Uebermalung bekamen; allein in der Anordnung wieder 
etwas so Grossartiges, dass sie in dieser Hinsicht sogar wieder ei- 
nen Vorzug behaupten sollen, wenn man sie mit den bekannten 
VVerlien dieses Meisters vergleicht. In dem Bildersaal der St, 
Morizkapelle in Nürnberg sind zwei Bilder mit mehreren Hei- 
ligen von Herlin, die wohl einen schonen Farbensinn verra- 
then, aber keinen guten Zeichner. Wenn man nach diesen Bil- 
dern urtheilen dürfte, so stünde Herlin unter Holbein dem älteren. 
F. Herlin nimmt auch unter den Holzschneidern seiner Zeit 
einen hohen Bang ein. Seine Werke zeichnen sich vor jenen der 
Wohlgelnuthkchen Schule durch seine Schönheit des Styls und 
der Zeichnung aus. Eine hohe Gestalt ist seine Gottesmutter auf 
dem Blaubeurer Altare. Sie steht über lebensgross auf dem Monde 
mit dem Jesusknaben, umgeben von Johannes dem Täufer und, 
St. Benedikt, dem Evangelisten Johannes und der heiligen Schula- 
stica. Die Formen sind von angemessener Fülle, der Faltenwurf 
ist edel und frei, und die Hände, so wie das Gesicht, sind sorg- 
faltig behandelt. Diese Bildwerlse sind nach gewohnter VVeise 
bemalt. 
 Berlin's Todesjahr wird verschieden angegeben. Weyermann lässt 
ihn 1510 das Zeitliche segnen, was wohlnicht richtigist, da Bcischlag 
in der Nördlingischen Geschlechtshistorie I. S. 94 die Grab- 
scbrift des Künstlers beibringt, welche lautet: Anno Dmi 1491 den 
12 tag Oktober starb der Ernhaif vncl firnexu Friedrich Herlin 
stadtxnaler alhie. D. G. G. Noch grössei" ist "aber der Irrthmn 
Winckelmannk in Maler-Lexieon, herausgegeben von J. Heller; da 
heisst es, dass Hcrlin 1541 gestorben sei.
        

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