Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gallimberti - Haslöhl
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1737136
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1737958
Geläe, 
Claude. 
sagt, Allem verschlossen, was nicht den höchsten Rang im Staate 
einnahm. Päbste, Könige und Fiirsten wurden die einzigen, wel- 
che sich die herrlichen Werke seines schaffenden Geistes zu erwer- 
ben im Stande waren. Seine nngeheueren Preise beschränkten die 
Käufer nur auf Solche, die selbst ungeheuer reich waren ubd das 
Publikum war gewissermassen vom Genusse seiner Gemälde ausge- 
schlossen, dereu Besitzer nach und nach drei Piibste und zwei re- 
gierende Fiirsten zu scyn strehten. 
Indessen ward nicht plötzlich sein Glück, so wie er selbst nicht 
mit einem Schlage ein grosser liiinstler.  fehlte ihm anfangs an 
guter Unterweisung, seine Gedanken und Empfindungen aufder Lein- 
wand auszudrücken, und seine kleinen Bilder wurden immer noch 
nicht mehr geachtet, als sein Gebäck. Er plagte sich aber bei Tag 
und Nacht, lag vor Sonnenaufgang in Feldern und Wäldern , die 
Scheine und Lichter zu bemerken, und dann lief er in steehender 
Sonnengluth nach Hause, um die beobachteteEi-scheinung in seine 
Bilder zu bringen, wodurch diese wohl natürlich und ileissig, aber 
ängstlich wurden, so dass sie Niemand kaufen wollte, selbst nicht 
um das geringste Geld, wodurch Claude in Mangel und Noth ge- 
Iieth. So traf ihn eines Tages der berühmte Sandrart in dem pa- 
radiesischen Tivoli. wo der deutsche Künstler an Ort und Stelle 
gleich nach der Natur malte. Gelöe kam zufällig durch das Ge- 
büsche, sah das Verfahren des NIeisters, und jetzt schien sich ihm 
mit einem Male das Heiligthum zu öffnen. Freudig betrotfen fragte 
er weiter, versuchte sogleich und richtete von Stunde an auf glei- 
che VVeisc seine Studien ein. Seit dieser Zeit war zwischen bei- 
den Künstlern ein Herzensbund gestiftet, der auch nie getrennt 
wurde. Sie waren täglich beisammen, zogen bald in ein Haus und 
malten, anstatt zu zeichnen, sogleich nach der Natur. Als San- 
drart abreistc gab ihm Claude die schönsten Gemälde, die jener 
bis an seinen Tod als Lieblinge bewahrte. Claude selbst brachte 
den grössten Theil seines Lebens in Iiom zu, und es steht noch 
gegenwärtig die Villa, die er an einem der sanftesten Abhiinge des 
Janicultis erbauen liess. Sie steht da, wo dieser dem südlichen 
Abfall des trümmerreichen Aventinus gegenüber den gelben Ti- 
berstroin durch ein enges Bett zwängt. Stolze Pinien, wahrschein- 
lich von ihm gepflegt, vagen über die einsame YVohnung empor. 
Die Villa, welche er in der Niihg von München zu Harlaching 
erbaut haben soll, steht nicht mehr. Der bayrische Hof be- 
schäftigte ihn und die Anhöhe bei Harlaching, mit einer Gartenan- 
lage, die sich den Hügel hinaufzog, sollte vielleicht das Minia- 
turbild seines Janiculns seyn. Doch starb der Iiiinstler weder in 
Lothringen, noch in Deutschland, es zog ihn wieder nach Italien, 
nach Rom, wo er dem Podagra erlag.  
Claude's Werke sind entzückende Naturbilder, herrliche Schi]- 
derungen ihrer Feier bei auf- und uutergehender Sonne. Es 
herrscht darin Ebenmass, Eleganz und Anmuth der Formen und 
Umrisse in einem Grade, wie er wohl nicht mehr höher anzutref- 
fen ist. In der malerischen Ausführung bleibt er ein llrluster der 
Vollkommenheit, denn diese VViirme der Tllfilrll. dieses Wellenli- 
nienspiel, dieser Schmelz und Duft der Tone, diese Wirkung des 
Lichtes sind noch nicht erreicht worden.  
In den mannigfaltigen Edekten des Sonnenlichts, in den Ansich- 
ten des Meeres, in den Fernen und in der harmonischer: Wirkung 
des Ganzen ist er bis jetzt unerreicht geblieben. Seine Behand- 
lung der Oelrnalerei ist ungemein klar und kräftig, und gänzlich 
entfernt von der in den Gemälden der Italiener seiner Zeit herr- 
schenden Rohheit und Undurchsichtigkeit. Seinen zauberischeu
        

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