Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gallimberti - Haslöhl
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1737136
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1741850
462 
Guttenberg , 
Heinrich. 
das Zeichnen, bestimmte sich aber erst mit 17 Jahren zur Kupil 
stecherkunst, und kam zu einem sehr mittelmiissigen lriupferslechi 
Wiirsching mit Namen, in die Lehre. Dieser konnte dem Jiir 
ling nichts als diefechnischcn,Handgrilie zeigen, aber er versta 
es. ebenso wenig ihm das wahre Gefühl fürs Schöne in die Sei 
zu legen, als ihn zu dem einzig sichern Grund aller Iiunstausiibur 
der Festigkeit 1m Zeichnen, zu tiihren. Als die festgesetzte Lel 
zeit von drei Jahren verstrichen war, erhielt er nach damalig 
Sitte einen Lehrbrief, den er wie ein _Palladium verehrte, u 
nun betrachtete er sich als vollendeten Iiiinstler. Er wollte gera 
nachrParis; die Noth zwang ihn aber schon in Frankfurt aufi 
nige Zeit Arbeit zu suchen, bis er wieder so viel erübrigt hat 
um mit Miihe und unter den grössten Entbehrungen sein Ziel  
erreichen. Sein älterer Bruder, obgleich überrascht durch sei 
unvermuthete Ankunft, nahm sich seiner aufs Liebevollste an, U1 
bot_ alle Mittel auf, seinem Bruder den rechten Weg zur Kur 
zu zeigen, und ihn besonders im Zeichnen weiter zu bringen, w 
rin es ihm am meisten gebrach. HeinricHs Eigendünlsel aber, a 
den leidigen Lehrbrief gestützt, liess ihn oft seines Bruders Gesi 
nnngen verkennen, und nachdem er mit VViderstreben, aber nic 
ohne Gewinn fiir seine Bildung unter dessen Aufsicht einiges f 
das bei Carl Guttenberg erwähnte naturhistorische Werk ausgefiil 
hatte, veranlasste ein unglücklicher Zwist eine gänzliche Trennun 
-_s0 dass der ältere Bruder den olit ewarntcu Jüngling doch en 
lich dem eigenen Sinn überliess. lger Erfolg liess sich erwarte 
Heinrich arbeitete bald ohne Fleiss und ohne Gefühl; mehrere Plz 
ten wurden ihm nicht abgenommen, und-so versank ersschnell 
tiefe, selbst verschuldete Noth. Endlich war er gezwungen, reu 
zu seinem Bruder zurückzukehren, der den Reuigen wohlwollei 
aufnahm, aber die Verbrennun des Lehrhriefcs zur Bedingni 
machte, die auch vollzogen ward.  
Mit erneutem Eifer setzte er nun seine Arbeit unter dessen L1 
tung fort, und als Carl auf einige Zeit nach Basel ging, nah 
sich Wille seiner an. Unter der Leitung dieses Meisters arbeite 
Guttenberg mehrere Jahre mit Fleiss und Liebe, und bald zeigt: 
es seine Nadel und seine Stiche, welch ein Mann sich seiner a 
genommen hatte. Eine Platte nach Mad. le Sueur, eine Baccha: 
tin, legte endlich den Grund zu seinem Iiiinstlerruhm und Wut 
stand, und von der Zeit an lebte er gesucht und beschäftigt in a 
genehmer Ungehundenlieit zu Paris. Im Jahre 1791 bewogen it 
die bürgerlichen Unruhen zu einer Reise nach Italien, aber na: 
18 Monaten rief ihn, die plötzliche Nachricht, von seines Brude 
gefährlichen: Darniederliegen zurück. In höchster Eile heimltel 
rend, wobei er seiner selbst so ganz vergass, dass er getährlii 
krank ankam, fander doch den Bruder nicht mehr am Leben. ] 
vertauschte nunniehr den Aufenthalt in Paris mit dem zu Fontain 
bleau, verliess aber nach Ludwig's Hinrichtung 1793 Frankreic 
karn nach Niirberg, und blieb 10 Jahre daselbst. Jetzt erst bem 
ihn die Lust, Frankreich wieder zu sehen, und er reiste mit drei st 
ner Schüler, dem jetzigen Direktor A. Reindel, dem liupferstech 
Fr. Geissler und dem Miniaturmaler Wolfsheirner 1805 zum zvve 
tenmale nach Paris. Seine drei Schüler kehrten zum Theil v4 
ihm in die Heimath zurück , der Meisteri aber traf im Jahre 18' 
in seiner Vaterstadt wieder ein, wo er nach" zwei Jahren.starb. l 
war noch ein heiterer lebenslsriiftiger Greis, als er auf einem Sp 
ziergange in der nächsten Umgebung der Stadt ausglitt, rücklinq 
ßel, und sich am Hinterhaupte verletzte, was ihm unerwartet sehne
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.