Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gallimberti - Haslöhl
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1737136
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1741350
412 
Guariento. 
Guarini , 
Camillo. 
Orlandi's Abecedario pittorico, das aber noch unsicherer ist, als die 
erste Ausgabe. 
Guanento, Maler von Padua oder Verona, der um 1560 einen grossen 
Namen hatte, wie die ehrenvollen Aufträge beweisen, die er von 
der venediger Stadt erhielt. In Venedig schmückte er den Saal des 
grossen Rathes mit einer Darstellung des Paradieses und mit andern 
Bildern; wie mit der berühmten Schlacht von Spoletto 1155. Die 
Krönun" der Maria und die Geschichte Iiaiser Friedriclrs I. mit 
Pabst iktiexarder III. haben neuem Oelbildern von P. Veronese, 
Bassnuo, Tintoretto, Palma etc. weichen müssen. In Bassano ist 
ein VVandbild und ein Gelireixzigter von ihm gemalt, und im Chore 
derEx-cmitaner malte er viele Allegorien, die im vorigen Jahrhunderte 
nachgebessert wurden. Zanetti nennt ihn desswegen erfindungsreich, 
gcistvoll in den Bewegungen rlerFiguren, und fiir seineZeit geschickt 
im Faltenwurf. Ridolii steht ihn an die Spitze der Geschichte der 
venetianischen Schule. In seinen Werken offenbar-et sich noch die 
 alte VVeise, die bei ihm mehr an die Manier der Griechen erinnert, 
als bei Giottu. Ueber die allegorischen Gestalten bei derEremitanern 
S. Memorie spettanli alle. storia della ealcogranhia del conte L. Ci- 
cognara. Prato 1851, S. 174. 
Guannl: BGPIIQPIiliHO, Maler von Ravenna, der um 1617 im gedie- 
genen Style arbeitete , der an jenen von Carracci erinnert. In Ri- 
mini sieht man in der Iiirche des hLFranz sein Gemälde . welches 
 die Trauer um Christi Tod vorstellt. 
Bartoliteriviihimt eines Carraccisten Joh. Bapt. Guarini, der wohl 
mit dem unsrigen Eine Person ist. 
Guarim, Camlllo, ein Theatinermiinch und Architekt von Mo- 
dena, der als solcher zu seiner Zeit ausserordentlichen Ruhm ge- 
noss, doch heurtheilt die Nachwelt seine Bauwerke strenger, in- 
dem er die Ausschweifungen BorruminPs auf die Spitze trieb. Don 
Camillo besass wissenschaftliche Bildun , und in der Mathematik 
war er besonders erfahren. Er schrieii eine Placita philosophia, 
den Euclides adauctus und eine coelestis mathematica, und 1757 
gab .er zu Turin seine Architettura civile in zwei Foliobänden 
aus Licht. Allein dieses Werk ist durchaus nicht als Muster des 
guten Geschmackes zu empfehlen. Guarini entfernte sich von dem 
edlen Style der Baukunst. Er gefiel sich in seiner Bizarrerie, und 
gegen die Einfachheit in den Linien hat er sich noch mehr ver- 
schworen, als Borromini, der einem noch entartcteren Geschmacke 
huldigtc, als Berniili. Guarini artete in der Verzierung in den hoch- 
sten Luxus aus, und seine jonischcn Säulen gleichen mit Blumen 
und Juwelen geputzten Damen, wahrscheinlich um damit dem Vi- 
truv seine Vernachlässigung der Toilette vor Augen zu stellen, in- 
dem dieser Schriftsteller sagt, dass das jonische Ebenmass vom 
Frauenzimmer entnommen sei. Eine andere Sonderbarkeit odenbart 
sich in' den Kuppeln Camillds. Sie drohen und setzen in Schre- 
cken, als müssten sie aus dem Gleichgewichte treten. Sie sind 
nach allen Richtungenhiu mit halbovalen, zuweilen wie Fischschup- 
pen übereinander gesetzten Fenster-Öffnungen durchbrochen. Ueber- 
treibung war bei ihm Originalität, und erstere steigert sich in seinen 
Bauten öfter zum Wahnsinn. 
Guarini baute zu Turin die sonderbare Kuppel des hl. Grab- 
tuches, die bizarre Faeade des Pallastes Carignan; in der aus- 
schwcifendsten Manier aber ist die liirche des hl. Lorenz erbaut. 
In seiner Architcttilra civile ist der Plan dieses Baues zu finden. 
Es ist dieses ein Muster des Ungeschmaclies jener Zeit, aber bei
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.