Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gallimberti - Haslöhl
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1737136
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1740249
Jean. 
Goujml , 
301 
ende knüpft sich aber eine traurige Sage. Er war Hugenotte und a1; 
solcher 1572 den Eiferern der Bartholoinäns -Nacht verfallen. Die 
Königin warnte ihn, auf seiner Hut zu seyn, aber eine Flinten- 
lauge] traf ihn tödtlich, als er eben auf das Gerüst des Brunnens 
des Innocents steigen wollte. So erzähl-t die Sage. Nach dem 
Style Seiner Werke zu urtheilen, scheint er in Italien gewesen zu 
seyn, da aus seinen Werken reinere, durch das Studium der An- 
tike erworbene Grundsätze sprechen, als dieses bei anderen Iiiinst- 
lcrn seines Vaterlandes der Fall ist. In der Plastik, besonders im 
Basrelief, erreichte er eine solche Superioritiit, dass ihm keiner 
seiner Nachfolger an Vollendung der Arbeit, an Zierlichkeit und 
Grazie gleiclikain. Man nannte ihn deswegen Le Correge de la 
sculpture.   
Jean Goujon stand dem Pierre Lescot beim Bau des Louvre zur 
Seite, der griisste Rubin aber wurde ihm immer durch seine bild- 
nerische Verzierung der Gebäude zu Theil, wie dieses mit der 
Fontaine der-Unschuldigen, oder der Nymphen, der Fall ist, so wie 
selbst mit jenem ifheile des Louvre, welchen Lescot auffiihrte. 
Dass er aber Wirklich Architekt war, ist unläugbar. Es beweiset 
dieses eine französische Uebersetzung des Vitruv, die zu Paris durch 
Jean Martin Hilf! zu Stande gebracht wurde. In der Epistel an 
deniliönig, in diesem wenig bekannten VVerke, sagt der Üebersetzer, 
dass Jean Goujon die neuen Zeichnungen: concernantcs de Part 
de inassuncrie, gcfertiget habe; zugleich ersieht man daraus, dass 
Goujon als Architekt im Dienste des Connetable (rinne von Mont- 
morency) gestanden, und zu ]ener_Zeit, als Martin schrieb, war 
er vom Könige beclienstct. Auch in der Vorrede sagt der Üeber- 
sctzer, dass von Jean Goujon die Zeichnungen des Werkes her- 
rühren, doch ist dieses nicht mit allen der Fall. Voii Gonjon rüh- 
ren diejenigen her! welche sich auf die Siiulenordnung und die 
Profile bgzieheß, in welchen der Styl der Zeichnung und der an- 
tike Geschmack für unsern Künstler sprechen. Am Ende des Wer- 
kes gibt der Bildner selbst von seinen Zeichnungen Rechenschaft, 
in einer Abhandlung mit dem Titel: Jean Goujon, studieux d'ar- 
chitecture aux lecteurs saliit. 
Jean Goujon war also sogar königlicher Architekt, und als sol- 
cher dürfte er beim Bau des Louvre Theil genommen haben, so 
wie bei jenem der Fontaine des Innocents. 
Sein Werk ist die Tribune mit den vier colossalen Caryatiden 
in einem Saale des Louvre, die Peranlt zu seiner Uebersetzung 
des Vitruv von S. le Clerc stechen liess. Dieses Werk überlebte 
alle Restaurationen des Louvre. Das Hötel Carnaval zu Paris (rue 
Culture St. Catherine) wurde von ihm begonnen. Das Hauptper- 
tal mit den halberhobenen Löwen, und die ganze Construktion, 
verrathen den Geschmack und den Styl dieses Meisters. Den Bau 
vollendete wahrscheinlich Mansard.  
Unter seine Hauptwerke der Plastik zählt inen die fünf halber- 
hQbß-Hen Figuren der Najaden an der Fontaine des Innocents, die 
BasrFlißfs der Iiirche Notre-Dame sind aber zu Grunde gegangen, 
{ß dlß Sculpturen des neuen Marktes, der Thiire des Arsenals und. 
Jene VQU Croix Goline. Heinrich II. gebrauchte ihn zur Verzie- 
rung seines Schlosses d'Anet, das durch den Aufenthalt der Diana 
vüll P0131613 so berühmt wurde. Die Statue dieser Dame schmückte 
lange den Emgüngfles Schlosses; später wurde sie in die Mitlß 
des Gartens der Pet!ts' Augustins gesetzt. bis sie in die Gallerie An- 
gouleine gelangte. ßAlexander Lenoir hat mehrere von Goujvlfi 
Werken vor )eiicn_ französischen Vandalen seiner Zeit gerettet und 
selbige mit andern im Musöe des monumens vereiniget. Neben an-
        

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