Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gallimberti - Haslöhl
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1737136
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1739967
Goltzixls , 
Heinrich . 
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kennen, welche oft aus Vorurtheil von der Welt gczollt, oder aus 
Laune versagt wird.   
Nachdem Goltzius unerkannt Deutschland durchstreift hatte, wen- 
dete er seine Schritte gegen Rom. Ehe er in diese Stadt eintrat, 
legte er seine Bedientenkleider ab, und das Costum eines deut- 
schen Malers an. Seinen in Deutschland durch treftlwhß Werke 
berühmt gewordenen Namen vertauschte er mit einem angenom- 
menen, nannte sich Heinrich van der Bracht, und gab sich tur 
einen Anfänger in der Kunst aus", der nach lloin gekommen sei, 
um erst etwas zu lernen. Die italienischen Iiunstler versprachen 
sich schon viel Iiurzweil von deshjunligeri Deiitsclieu Uliligeschiektheit, 
erstaunten aber und verehrten i n oci, a s sie sa en, wie niei- 
sterhaft er alle Gegenstände auffasste, und doch Iltllfußlli Schule!" 
zu seyn glaubte. Ungeachtet n'n_Sommer_1f3g1 das gelahrlichc Fie- 
ber in Rum herrschte, so dass_viele Todte in den liiiiiiemuiid ent- 
fernten Strassen unheerdigt liegen blieben, weil uiizuhlige PrIen- 
sehen plötzlich starben, und niemand es wagte, die_ungesunden 
Gegenden RäXPIiISIZLä bestreäen, älurehväanttierte Heinrich deniioclilh 
muthi alle ei e er ta t un stan o t unter eicien, zeic  
nend iiind die Werke des Alterthuins betrachtend. In läioin schloss 
er eine vertraute Freundscllzliift lrnit einiem jungen gescliilcktenNGolti- 
schmied, Namens Johann  att isen, cm er seinen wa reri amen 
entdeckte. 1592 traten beide Freunde eine Fussreise nach Neapel 
an, und es gesellte sich zu ihnen Herr Philipp von VYingen. Alle 
drei hatten zerlurnpte Kleider angezogen, um auf diesem Wege 
der Aufmerksamkeit der Räuber zu entgehen. Diese? H. von Win- 
gen erzählte seinen Reisegefzihrten, dass der beruhnite Gelehrte 
Abraham Oertel ihm aus den Niederlanden geschriebernhabc, der 
grosse Maler Goltzius sei unter fremden Namen in Italien. Mat- 
thisen stellte hierauf Goltzius dem Herrn voiiWingen vor, welcher 
aber, verächtlich lächelnd, Goltzius auf die Schulternklopfte und 
sagte: "Mein lieber Heinrich, Ihr mögt ein guter Iiunstlerlseyn. 
aber der grosse Goltzius seid ihr nichitz" und als goltziul: nun fragte, 
warum er ihn nicht für diesen aner ennen wo e, ga jener zur 
Antwort: "Goltzius würde keine so schlechten Iileider tragen wie 
diese, welche er triige." Als nun beide Reisende den Herrn von 
Wingen aufmerksam machten, dass er sich selbst 1a armlich ange- 
zogen, um den Räubern zu entgehen, blieb er_ dennoch der Mei- 
nung: "Heinrich van der Bracht sei nicht Goltzius." Wingeu blieb 
in diesem Zweifel, bis er in" Veletri Briefe aus Deutschland erhielt, 
welchen ein Portrait des Goltzius und eine genaue Beschreibung 
der Person beigefügt war, woraus er ihn erkannte. Nachdem Gol- 
tzius mit eben der Aufmerksamkeit Neapel, wie früher Rom, "he- 
trachtet, und viele Studien nach der Natur, nach Antiken und Ge- 
mälden gemacht hatte, kehrte er nach Deutschland zuriica. Er 
hatte sich durch die scharfen Beobachtungen, welche er auf seinen 
Reisen machte, merkwürdige Gegenstände so deutlich seiner Ein- 
bfldungsliratt eingeprägt, dass er Gemälde, Statuen und Gegenden, 
die er gesehen, aus dem Gedächtnisse zeichnen konnte. Im Auslands 
war seine Gesundheit auch recht erfreulich; kaum war er aber 
nach Haflem zurückgekehrt, als in dem rauhern Klima ihn von 
neuem 93119 ßrustkrankheit beliel, welche ihn so entliräftete, dass 
61' 11" Nahrung der neugebornen Kinder seine Zuflucht und eine 
Amme nehmen musste. Hierdurch wurde er zwar auf einige Zeit 
gestärkt, S0 dass er wieder grosse Arbeiten unternehmen konnte 
und Unglaufblicheß im Fach der Malerei und Kuplierstecherkuüßt 
leistete; allein er erreichte kein hohes Alter.  
Goltzius bildete die Technik der Iiupferstecherkunst zu einem 
Naglefs Künstler-Lax. V. Bd- '18
        

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