Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gallimberti - Haslöhl
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1737136
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1739249
Gidtto 
di 
Bondonc. 
201 
In Florenz fertigte Giotto auch die Zeichnung zum Grabmale 
des Bischofs Guido Tarlati von Arezzo, welches Agnolo und Ago- 
stino da Siena in Nlarmor ausfiihrten. Während seiner Bauunter- 
nehmungen daselbst malte er für die Nonnen von S. Giorgio (jetzt 
St. Spirito) ein Bild , und in der Abtei von Florenz innerhalb der 
Iiixclie in einem Bogen über derThiire drei halbe Figureiy welche 
aber nicht mehr zu sehen sind. In der Sala del Podeste stellte er 
in einem allegorischen Gemälde die Gemeine dar, wie sie von 
Vielen beraubt wird. Vasari lässt hierauf den Giotto nach Padua 
gehen , wo in der Annunziata delP arena Jdauptwerke dieses Iiiinst- 
lers sind. VVährcud er hier arbeitete besuchte ihn Dante, dessen 
poetischen Bilderschatz der Künstler trefflich-benutzte, besonders 
in der kiihngedachten Coniposition des Iclöllenreiches. VVahrschcin- 
licli gab er ihm das Üngethüixi mit drei Gesichtern anpdas die ver- 
dammteu Seelen verschlingt. Vasari irrt jedoch hier in der Zeitangabe; 
denn Dante starb im Jahre 1521 und daher kann diese Arbeit nicht 
nach 1551i fallen. Morelli hat in den Notizie d'opere di disegno. 
Bassano 1800 pag. 15 bewiesen, dass 'Giotto um 1506 zu diesem 
Unternehmen gekommen, und gegen 1505 wurde die Capelle vom 
lYIurcr fertig.   
Die Gemälde der Capelle der Madonna dellhßinnunziata nehmen 
alle vier WViinde und die Decke ein. An der Wand iiber dem 
Eingange sieht man Himmel und Hölle, in der Mitte das Kreuz 
mit zwei Engeln, oben Christus im Ring der Ewigkeit, die Apo- 
stel uncl himmlischen HCCISClIaQFBD. An den zwei Seitenwänden 
sindlin vierzig Abtheilungen die neu-testaunentarischen Geschichten 
bis zum Plingstfcst dargestellt, und darunter, grau in grau, allego- 
rische Figuren. An der Decke sieht man in Medaillons Christus, 
Maria und die Propheten. Die Altarnische enthält die Geschichte 
der heil. Jungfrau, ebenfalls in Abtheilnngen, und diese sind Ar- 
beiten eines Schülers, ohne Zweifel des Taddeo Bartoli, in dessen 
Lebensbeschreibung Vasari erwähnt, dass er mehreres in der Ca- 
pelle der Arena gemalt. S. die Anmerkung Schorn's l. c. S. 164. 
Auch die sieben Haupttugenden und gegenüber die Laster malte 
Giotto, charakterisclie Figuren; welche in Pietro Estense Salvati- 
co's Werk: Sulla Capellina degli Scrovegni nell' Arena di Padoifa 
1356 neben der Erweckung des Lazarus und dem Bilde, wie die 
Freunde den entseelten Heiland bevveinen und beklagen, abge- 
bildet sind. In diesem Werke sind die_ Gemälde Giotto's genau 
beschrieben, und wir finden hier eine Vollkommenheit, un eine 
Reinheit und Correkthcit der Zeichnung, Ebenmass und Zierlich- 
keit, wie wir sie wederbei Gi0tt0's Vorgängern, noch bei seinen Zeit- 
genossen finden. Von der Darstellung des Nackten lässt sich we- 
nig sa en, denn die Fi uren sind bekleidet, die Gewandung aber 
 s  g  
1st breit und grossartig gehalten. In der Architektur, welche der 
lllllustler mit grosser Einsicht und Kenntnis: der Perspektive malte, 
hei-rscht der gothische Geschmack, in den landschaftlichen Par- 
thien aber ist Willlsiihr, keine treue Nachahmung der Natur, 
SEhPÄntei-essant sind die Gestalten der Tugenden und Laster in ih- 
Telfslnnbildliclien Auliassung. In dem bezeichneten Werke von Sal- 
Vauco ISS über die drei Tugenden eine französische Abhandlung yon 
Hancarville beigegeben, und somit jetzt Schorn's Wunsch erliilll? 
 Diese Gemälde sind zwar weniger erhalten, als die zu Assisi und 
m NcaPel' liflgrösstentheils verblichen und retouehirt, geben aber 
"ienlgsuf"? blßtfifs reiche Phantasie und grosses Verdienst 'in d" 
pomnosition aul eine noch vollkommenere Weise zu erkennen. als 
jene. In einigen Abtheilungen, namentlich in den Bildern, wo
        

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