Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gallimberti - Haslöhl
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1737136
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1739132
190 
Giorgiü , 
F ranzesco 
ersten Begründer der neueren Befestigungskunst, und die Ge- 
schichtschreiber dieses Faches räumen ihm lange nicht den Platz 
ein, der ihm gebührt. Spiiterhin als Franzesco, nach dem Tode 
des Herzogs Friedrich, wieder in Siena verweilte, trat er aus- 
drücklich alslngenieur in dieDienste derliepublih, und nennt sich selbst 
in einer Bittschrift vom Jahre 11188 Franzesco di G-iorgio Iugegnere 
u. s. w. Kurz aus allem geht hervor, dass die Iiriegsbzitlhunst 
einen sehr wichtigen Theil seines Berufes ausmachte. Freilich war 
die Befestigung 111 jenen frühen Zeiten durchaus in den Händen 
der Architekten. Die Beschäftigung mit dem Festungsbztu schloss 
daher die schöne Architektur nicht aus, und allerdings hätte Fran- 
zesco hierin ein grosser Meister seyn können, allein wir haben 
von keinem einzigen seiner schönen Bauwerke sichere Itenntniss. 
Vasari jedoch macht Franzesco zum Baumeister des Schlosses zu 
Urbino, welches zu den iiberlegtesten und wohlausgeführtesten 
Bauwerken jener Zeit gehört. Herzog Friedrich hatte aber diesen 
Bau nach Re osati (Memorie concernente la citta d'Urbino. Roma. 
1714) schon 1x17 begonnen. Dahingegeu ist es höchst wahrschein- 
lich, dassFranzesco erstt475 in die Dienste dieses Fürsten ein etre- 
ten ist. Gesetzt auch, dass er den Bau durch einen Marstail er- 
gänzte, so schliesst sich doch die Möglichkeit aus , dass Giorgio 
dem Pallast selbst erbaut habe. Es fehlt auch nicht an Iiiinstlcrn, 
welche jenen Bau in Anspruch nehmen, und deren Wirksamkeit 
ungleich genauer mit der Zeit des Baues selbst zusammentrifft. 
Der eine ist ein gewisser Lucian aus Laurana in Dalmatien, der 
sich auch sonst als Maler und Baukünstler Ruhm erworben hat. 
Baldi behauptet, das Diplom gesehen zu haben, welches Herzog 
Friedrich diesem Lucian mit ausdrücklicher Beziehung auf den 
Bau dieses Pallastes, aus estellt hatte. Der andere ist Baccio Pon- 
tello, bei Vasari: Pinteliii, dessen Grabschrift in der Kirche St. 
Domenico zu Urbino, wie Baldi behauptet, seiner Mitwirkung bei 
dem Baue des berrzoglichen Pallastes erwähnt. Beide Nachrichten 
lassen sich gut vereinigen; denn bei so grossen Bauunterneh- 
mungen ist es nichtungewöhnlich, dass mehrere Meister in der 
Leitung des Baues sich nachfolgen, und so blieb denn dem Giorgiß 
noch ein Zusatz zum Hauptgebäude anzuordnen übrig, nämlich der 
Marstall. Vasari scheint also hier einer" blossen Vermuthung gefolgt 
zu seyn. Dass übrigens Giorgid auch gründliche Baulsenntnisse 
besessen habe, geht schon daraus hervor, dass er den Festungs- 
bau gründlich verstand und mit Erfolg betrieb. Eben diese 
Baukenntnisse wurden auch anderweitig in Anspruch genommen- 
Man setzte ihn zu Siena über den freilich schon vollendeten Dom, 
in welchem er die Verlegung der hölzernen Chorsitze angab und 
leitete. Man zog ihn ferner in Mailand zu Rathe, als man die 
Iiuppel der Domkirche errichtete; auch hier war_ der gothische 
Entwurf schon vorhanden, und es galt nur Vortheile der Con- 
struktion. Man rief ihn auch nach Lucca, aber es erhellgt nicht, 
zu welchem besondern Bauew Endlich gewährt ihm die Republik 
im Jahre 1495 den Urlaub, 11111 einen Ruf des Herzogs von Cala- 
brien nach Neapel zu folgen, aber man weiss ebenfalls nicht zu 
welchem besonderen Zwecke. In dem öffentlichen Archiv zu Cor- 
tona findetsich eine Nachricht, aus welcher hervorgeht, dass man im 
Jahre M85 bei Gründung der liirche St. Maria del Calcinajo auf 
ein früher von Franzescuangefertigtes Modell dieser Kirche Bß' 
dacht nahm. Ueber die Ausführung fehlen wieder die Nachrichten- 
Iin Jahre 1506 verschwindet er aus der Geschichte. 
Die obenangefiihrtc unbedeutende Notiz ist nun die einzige sichere 
und begründete Nachricht über die Wirksamkeit in der schöne"
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.