Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dumet - Gallimard
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1725323
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1729777
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Fragonard , 
Honorä. 
statt durch die Betrachtung der Meisterswcrlie alter und neuerer 
liunst seinen Geschmack zu veredleu, fand bei ihm gerade das Ge- 
gentlieil statt.  
 Jhut erschienenlloms Werke der grösßten lNIeister finster und 
mounten und sidbenahmen. ihiii den Mutti. Die Grösse des Miehcl 
Augeh epschreckte ihn, doch ruhrte ihn die Schönheit Rafiiels bis 
an Tlu-gincn, aber er legte Iireide und Pinsel aus der Iland, und 
blieb. iinthätig. Endlich. erinannte er sich wieder, suchte sich 
aber Iiiinstler, mit denen er wetteifern zu können glaubte. lYli- 
cjlel Angela's und llataefs tVei-ke hatten also keinen Einfluss auf 
seine Bildung, nur Bai-ruccio, Pietro da Cortona, Sulimena und 
Ticpolo fesselten seine Aulinerlasainlseit.  
Nach seinerrliiicltkeliik,aus Italien, wo eriihcr 5 Jahre verweilte, 
belalfslflltttglt]? erälie itiiifnahiiiecin die Jäliademie und (licserDiiberi 
rcieite" cas Jeinii e iiiit orcsus und Callirhoe, das aiize 
gestoehdiii hat. Dieses Bild gefiel dem einen durch die schöne An- 
ordnung und durch (lenicigencit Lichteffekt, der andere fand aber 
daran wieder vieles zu tadeln; doch Fragonard erreichte seinen 
Zweck. Er wurde in die Aliadeniii aufgenommen, und bald war 
auch sein liuf bcyrniinilet. In der. "o ge malte er fiir den Hcrzo" 
von. Grainont denLiBesuch der Maria bei Elisabeth und andere hin- 
stcrische Darstellungen, sah aber jetzt auch ein, dass er in den 
historischen Coiiipusitiiwnen den ersten Platz nichtbchciupten könne. 
Er ergab sich nun, seiner Individualität geinäss, dem erotischen 
Genre, und opferte den liuhui dem Vergnügen und dem Scherze. 
Er ward jetzt" der Maler der lNIude. Seine kleinen Gemälde und 
seine Bistierzeicliiiuiigen, die nicht ohne Geist ausgetulirt sind, spre- 
chen durch den Reiz der Neuheit an. Die Liebhaber stritten sich 
um seineIfrivolcn Darstellungen und er wurde stets in seinem Ate- 
lier zu weiterer Arbeit ermuntert. Zu jener Zeit malte er die 
FUllllalDß der Liebe, das Opfer der Iiuse, den _Scliwur der _Liebc. 
Bier und da fiilirtc er auch noch ein heiliges _B1ld am; S0 flir den 
Mßrquis vmm Verry eine Anbetung der llirteii in Iieuibrandfs lYIa- 
nier, als ihn aber der Liebhaber uin ein Gcgenstuck ersuchte, 
glaubte er ihm durch einen bizarren Kontrast sein Talent zu be- 
weisen, und er malte die freie Composition, die unter dem Namen 
le Verrou bekannt ist. Ueberhaupt machte Fragonarrl durch seine 
Scliamlosiglteit ott die 'l'ugend erröthen. sein Talent erregte gq- 
{Ehrliche Leidenschaften und trug zur Yerderbniss der Sitten bei. 
Im Jahre 1773 erhielt er den Auftrag, den Salon der Mlle. Gui- 
niard zu malen, und er stellte diese als Terpsichore in verführeri- 
schen Stellungen dar, doch waren die Bilder noch nicht fertig, als er 
sich mit der hladenioiselle zersclilug. Man erviriihlte einen andern 
Maler zur Vollendung derselben, und Fragonard rächte isich da- 
durch, dass er heimlich seinen Ter sichere-Gestalten (E11 Aus- 
druck der VVuth, des Zornes u. s. u? gab, und die Schöne mit 
Beibehaltung der Purtraitähnlichkeit mehr zur Carrikatur erhob, 
_Fragonard's Bilder sind magisch und feenhaft. Sie sind unhe- 
stimmt in der Zeichnung, künstlich im Coloritc, ohne Lebhaftig- 
keit, von ätherischen Dünsten uniflossen, regenbogentarbig. Die 
Natur hatte ihm Talent verliehen, aber auf ilirl übte seine Schule 
und der frivole Geschmack der Zeit den gefährlichsten Einfluss- 
Die wahre Schönheit derliunst kannte er nicht, nur den Sinnenreiz; 
aber sein Glück streute ihm Rosen, bis diese die Revolution in 
Dornen verwandelte. Er verlor den griissten Theil seines Reich- 
thums, den er sich durch seine unziiclitigen Darstellungen erwarb. 
Er malte nicht mehr und starb iin Llnigliiche. 
        

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