Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dumet - Gallimard
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1725323
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1727405
Johann 
und. 
Hubert 
van. 
193 
Landschaft, Himmel und Erde. Die Strenge der Symmetrie vereini- 
get sich mit der Anmuth des Lebens, und alles l-larte und Strenge 
verschwindet. Schnaase glaubt, dass vielleicht keinWerk im gan- 
zen Gebiete der Kunst Dante's grossem Gedißhlß 111 der Vereini- 
gung tiefen Ernstes mit der Anmuth und Grazie des Lebens so 
nahe komme, wie dieses. 
Die Anbetung des Lammes scheint Passavant ganz __'V0I1 305111111 
van Eyck gemalt zu seyn, dagegen hält er den Hubert fur den Urhe- 
ber der hohen, wahrl-iaft iiberirdischen Gestalt des ewigen WTatei-s. 
Auch die Figur des Johannes hält er fiir HuberÜs Werk, und von 
beiden Brüdern vollendet die Gestalt der heiligen Jungfrau- 
Dieses Hauptbild des Altares, das in den bezeichneten vier Dar- 
stellungen besteht, deckten Flügel, welche geöffnet folgende Bil- 
der zeigen. Oben zur Seite des Johannes und der Maria sind 
in gleich grossen Räumen, weil diese Bilder jene mit den Ge- 
stalten des Täufer"; und der heiligen Jungfrau decken, singende 
und musicirenile Engel in Chören, und darunter spielt neben dem 
Johannes Cäcilia auch die Orgel. Sie traigt ein weites, königliches 
Gewand mit grossen goldenen Blumen auf dunklem Grunde, der 
ursprünglich duulielblafi, aber jetzt schwarz erscheint. Die Engel 
sind in reiche Chorgeiviinder von Goldbroliat und hellfarbigen, rei- 
chen steilen bekleidet, mit strahlenden Binden um die Stirn und 
das schön gelochte Haar.  
Auch diese beiden Flügel hiiltPassavant von Johann "gemalt, weil 
sie in der Behandlungsweise und Färbung die grösste Ueberein- 
stimmung mit seinem Bilde in der Akademie zu Brilgge und ei- 
ncr Verlsiindiguizg in der Sammlung des Prinzen von Oranien haben. 
Die beiden iiussersten Fliigelbiltler des oberenTheiles des Altares 
zeigen die lebensgrossen Gestalten von Adam und Eva; iiber Adam 
das Opfer Caiifs und über Eva den Tod Abel's. Der Eva gab der 
liiinstler keinen Apfel, sondern, der Meinung des heiligen Augu- 
stinus zu Folge eine frische Feigel 
Die beiden Gestalten der biblischen Stammiiltern zeigt die Geist- 
lichkeit der Kirche in Gent nicht, weil sie nackt sind. Zum Gliielte 
herrscht nicht iiberall eine so übertriebene Schamhaftiglseit, die 
uns manch herrliches Werk in den Sammlungen entziehen würde- 
Zu jeder Seite des unteren 'I'heiles neben dem Lamme sind 
ebenfalls zwei Fliigelbiltler. Dasjenige, welches sich rechts zu: 
nächst an das Hauptbild scbliesst, hat die Unterschrift: Peregrimstl, 
weil es die heiligen Pilger vorstellt, wie sie in einer reichen Lafds 
schatt zur Anbetung des Lammes herbeikoinmen, unter der Anfüh- 
fiihrung des riesengrossen St. Christoph. Der Flügel nebendaran 
zeigt die heil. Einsiedler (Heyrenetisti), wie sie in frommer Schaar 
durch ein sehr enges Felsenthal zu gleichem ZWcCl-ß Ziehen. 
Die beiden Flügel, welche auf der entgegengesetzten Seite sich 
ausbreiteten, stellen zunächst dem Islauptbiltle die gerechten Sri-ei- 
ter und die gerechten Richter vor (Justi JlÄLllCÜS, Christi militcs). 
Unter den ersteren reiten drei Fahuentriiger voran, nach Passavailt 
1- C- 376, höchst wahrscheinlich die Repräsentanten der drei alten 
Brüderschaften Flanderns, welche ihre Gratcu nach Palästina be- 
gleiteten. Sie bestehen noch und dienen zur Wfertheiiligung der 
Städte. Die eine ist die des Bogens, und hat den heil. Sebastian 
zum Patron; die zweite ist die der Armbrust, mit dem Patrone St- 
Getirg; die dritte ist die der Fechthunst, welche den heil. Mi- 
chael zum Patrone hat. Ausserdem ist auf diesem Gemälde noch" 
Ludwig der Heilige von Frankreich _und ein Kaiser vorgestellt: 
lYagZerZs Iiiiizstler-Lex. IV. Bd. 13
        

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