Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dumet - Gallimard
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1725323
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1727394
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Eyck , 
Johann 
und 
WIRD. 
Hubert 
mehrere Theile des Wiesengrundes lieber in einem etwas verriebe- 
nen Zustande, um durch stärkere Uebermaluilg nicht etwas Fremd- 
artiges hineinzubringen- Einige "weniger sorgfältige Betouchen 
scheinen von späterer Irland zu sein. Aufschluss über die erste Re- 
stauration gibt Y'aern_evvich's Historie van Belgli 1565. Dieser Chro- 
nikschreiberer fuhr die Sache von Schoreel selbst, denn er sagt, dass 
er aus dem silbernen Becher getrunken habe, welchen der Meister 
zur Belohnung erhielt. 
Die Anbetung des Lammes bildet den grösseren Theil des Altars. 
Ueber derselben, oder in der obern Region des Mittelbildes, sieht 
man in der mittleren Abtheilung den thronenden Gott Vater, einen 
Mann in der höchsten Kraft, nicht nach Raphael und Michel An- 
gäds Weise als Greis mit langem Barte dargestellt. Sein Haupt 
5c mixcltt die piibstliche Krone und sein Unter- und Oberhleid ist 
von brennen-d rother Farbe, mit goldnem Saurne. Ihm zur Rech- 
ten ist Maria, ebenfalls thronend vorgestellt, eine Gestalt voll in- 
"nigster Andacht und seligster Ruhe. Ihre Ziige sind von hoher 
Reinheit und Schönheit. Auf dem Haupte trägt sie eine prächtige 
goldene Krone, und ihre niedergeschlagenen Augen sind auf ein 
Buch geheftet, welches sie mit beiden Händen hält. 
Gegenüber, zur Linken Gott Vaters, ist Johannes der Täufer, dem 
sein starkes dunkles Haupthaar und Bart ein finsteres Ansehen ge- 
ben. Auch er hält in der Linken einBuch. Sein Unterkleid ist 
von Fell und darüber trägt er einen griinen Mantel.  
 Dieser mittlere Theil des Altares zeigt nach Schnaase (Nieder- 
ländische Briefe S. 514) die Marltscheiile zwischen zwei grossen 
Perioden der Kunst, indem er die Vollendung der friihern und die 
volle jugendliche Schönheit der spätem wahrnehmen lässt. Die drei 
obern Gestalten sind noch auf Goldgruncl gemalt, einzeln statua- 
risch, und sie schliessen sich also an die Richtung des Mittelalters 
an. Im Vergleich mit den frühem, hart und eckig oder unbestimmt 
geformten, lleiligenbildern, ist hier zwar schon eine sehr viel grös- 
sere Vollendung des Lebens, vollere Gliederung, frischere Gama- 
tion, allein es ist noch sehr viel Typisches beibehalten. Die Ge- 
sichtszüge des ewigen Vaters sind dieselben, die wir auch noch an 
dem Christushopf von I-Iemling in der Boisserödsehen Sammlung fin- 
den. Iiopf und Gestalt zeigten sich ganz von vorn. Die grossen 
Augen sind in gerader, fast starrerllichtung, das Purpurgevvand fliesst 
gleiehi-nässig zu beiden'Seiten des Throns herab. Die ganze Er- 
scheinung hat noch etwas architektonisch Strenges. Aber daneben 
erhält sie durch die glänzende Farbe, durch das Leuchtende des 
lcrystallenen Scepters, des Goldes und der Edelsteine an der piibst- 
liehen Krone und an der Agrade, besonders aber durch den Glanz 
des Auges und die frische Farbe der Carnation, ein Element des 
Lebens, das den friihern Bildern fehlte. Auch die Jungfrau zeigt 
sich dem Beschauer in der Weise des alten Styls in ganzer Breite 
zugewendet, aber in ihren Ziigen finden wir das Motiv des Mil- 
df-äll. das auch schon frühere Werke des Mittelalters haben, mit 
einer höhern Iiraft und Lebensfiille ausgesprochen, während es 
dort ins Unbestimmte und Weichliche übergeht. Selbst der Johan- 
nes, obgleich männlich kräftiger und desshalb schon individueller 
aufgefasst, hat dennoch Ueberreste von architektonischer Symmetrie. 
Es sind also noch Gestalten des Mittelalters, aber sie erscheinen, wie 
Schnaase sagt, wie in ein Element frischen Lebens getaucht, in ju- 
gendlichemGlanze. Vielmehr, als in diesen Bildern, finden wir uns auf 
der untern Tafel auf dem eigentlichen Gebiete der Eyclüschen Schu- 
le. "Es sind nicht mehr einzelne oder symmetrisch gruppirte Gestalten, 
auf Goldgrunde, sondern Alles ist schon ein Ganzes, wirkliche
        

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