Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dumet - Gallimard
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1725323
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1727272
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Eyck , 
Johann 
und 
Hubert van. 
 sehr geheim gehalten haben, und nicht einmal den Schülern soll 
es erlaubt gewesen seyn, in das Arbeitszimmer der Meister zu tre- 
ten, die bei verschlossenen 'I'hiiren arbeiteten. Anfans dürften 
sich die Meister in ihren Versuchen wohl nicht leicht haben stö- 
ren lassen, in der Folge aber wurden sie zugänglicher, und die 
Oelmalerei ward noch zu Johannes Lebenszeit von anderen geübt- 
 L. de Bast behauptet desswegen auch (Iiunstblatt 1826 S. 522), 
es sei ein Irrthum, dass Johann van Eyck ein Geheimniss aus 
derselben gemacht habe. Hubert hatte mehrere Schüler, unter de- 
nen man in erster Linie seinen Bruder Johann, dann Gerard van 
3er Meere und Jnsse von Gent zählt. Hugo van der Goes wurde 
dann ein Schüler Johann's, und als dieser in Gent sein Kunst- 
werk vollendet hatte, liess er sich in Brügge nieder und nahm 
dort Regler van Brügge und Antonello von Messina unter die Zahl 
seiner Schüler auf. Dieser lsam über die Alpen zu Johann van Eyck, 
und zwar in der letzten Lebenszeit dies Meisters; denn auch er 
sah in Italien Oelmalereien, aber er kannte die technischen Mit- 
teln nicht, durch deren Anwendung die Bilder entstanden. Johann 
van Eyck soll damals schon ein Greis gewesen seyn, und auch An- 
tonello ein Mann von reifen Jahren, was beides unrichtig ist, denn 
letzterer wurde 1414 geboren, und Johann war kaum [L4 Jahre alt, 
als er starb. Ueberhaupt haben die älterenNachrichtexl iiber An- 
tonello viele Unrichtiglieiten, und sie trugen dazu bei, die An a- 
ben der Lebenszeit des Jan van Eyck zu verwirren. Puecini {hat 
sie in, seinen 1809 zu Florenz erschienenen lVIemorie istorico-critiche 
di Antonello degli Antony pittore lNIessinese berichtiget. 
Antonello war demnach der erste, welcher die wahre Behandlung 
der Oelmalerei nach Italien brachte, in Flandern aber wurde sie 
schon vor seinem Erscheinen auch ausser der Werkstätte des Van 
Eyck geübt. 
Die neue Methode wurde im ganzen Lande verbreitet; in 
den Denkschriften von Gent findet sich ein Accord, durch wel- 
chen sich die freien Maler Wilhelm von Axpoele und Johann Mar- 
tens verbindlich machten im grossen Saale des Rathhauses einige 
alte Bilder mit guten Oelfarben aufzufrischen, ohne Aetzmittel da- 
bei anzuwenden, In einem andern Coutrakt vom Jahre 145d- machte 
sich der Maler Saladin Scoenern anheischig, neben andern die 
Geburt und den Tod der Jungfrau auf einem Altarblatt von Bild- 
liauerarbeit und einen Christus mit Figuren auf Leinwand mit gu- 
ten Oelfarben zu malen. Alles dieses geschah vor der Ankunft An- 
tonellcfs in Gent, und also früher, als in Italien die Oeluialerei 
geübt wurde.  
 Johann van Eyck hat indessen nicht nur wesentliche Verdienste 
um die Oelmalerei, man verdankt ihm aiich überdiess noch die für 
die Glasmalerei überaus wichtige Erfindung , Glasscheiben nur 
auf einer Seite mit Sehmelzfarhen zu überziehen, wie Le Vieil 
(L'art de la peinture sur verre. Paris 1774 p. 50) nach dem ano- 
nymen Verfasser der Remarqnes savantes et curieuses, par IVP". 
Paris 1698 benachrichtet. Wenn sich dieses wirklich so verhält, 
so hat Johann van Eyck diese Kunst fast noch mehr befördert, als 
die Malerei auf Holz und Leinwand durchdie Verbesserung der 
Oelmalerei. In früherer Zeit verstand man nur, das Glas in sei- 
ner ganzen Dicke zu färben. Die älteren niederländischen Schrift. 
stelle: erwähnen jedoch dieser Erfindung nicht, Sie wird aber a1]- 
gemein dem Jan van Eyck zugeschrieben. 
Wir haben jetzt Johann Van-EyClÜS Verdienste um die Kunst 
betrachtet und ihn 1m Besitze von technischen Mitteln gesehen, 
die in solcher ilollliommenheit vor ihm keinem andern Künstler zu
        

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