Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1720493
Cornelius , 
Peter, 
Bitter 
VÜÜW 
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Der hohen Vortrefflichheit in künstlerischer Darstellungbei der 
Restaurirung des verloren geglaubten Iiunstzweiges der Malerei a 
fresco in der Villa Bartholdy verdankt Gornelius zunächst die Auf- 
träge des Marchese Massimi in seiner Villa zu Rom. Einer von 
den drei Siilcn derselben sollte von diesem Meister mit Bildern 
aus dem Paradiese des Dante geziert werden, allein er ltonnte seine 
Zeichnungen nicht mehr in Farben ausführen; denn er wurde von 
dem Kronprinzen Ludwig von Bayern zur Darstellung eines 
grossen mythologischen Cyclus berufen, den wir jetzt vollendet in 
der prächtigen Glyptotheh zu München bewundern, wo Honig 
Ludwig neben den genialen Iiunstschiipfungen in derneucn Residenz 
der Frescomalerei einen glänzenden Thron bereitete. Cornelius 
folgte dem ehrenvollen Rufe und die Ausführung der Bilder aus: 
dem Dante beßverlistelligte nach eigener Idee Ph. Veith und später 
Koch und Fiihrig. Cornelius herrliche Entwürfe nach der gross- 
artigsten unter allen romantischen Dichtungen kennen wir indessen 
seit 1851 auch in lithogr. Umrissen mit den sinnvollen Erläuterun- 
gen des Professors Dr. Döllinger. Hier sehen wir in 9 Blättern, 
wie der Meister die einzelnen Gestalten erfunden und in Gruppen 
gebracht, durch weise Auswahl die wesentlichen Partien des Ge- 
dichtes verbundcn und das Ganze, so weit es durch äussere Form 
dargestellt zu werden vermag, in ihrer Klarheit und Würde zu 
einem sichtbaren Epos ausgesprochen hat. i 
Die ersten acht Blätter enthalten einen Cyclus von Bildern, in 
dessen Mitte die Darstellung des neunten Blattes gehört. Auf dem 
ersten schwebt Beatrice mit Dante in die unterste Stufe des Para- 
dieses, in die Mondsphäre, wo ihm die Freundin die sich zei- 
genden Gegenstände und Personen erklärt. Unter diesen ist Pic- 
carda Donati und Constanze, die Tochter König Rogers, durch 
deren Hand der Hohenstaufe Heinrich in den Besitz des südlichen 
Italiens kam, und die zweite Abtheilung ist den Bewohnern des 
Merkur angewiesen, die um des Buhmes willen tugendhaft gewe- 
sen und denen der Venus, die früher irdischer Liebe gefröhnt, 
aber diese durch das heilige Feuer der geistigen und. himmlischen 
Liebe verzehrt haben. Hier sitzt die kräftige Gestalt des liaisers 
Justinian; der Bischof Folco von Marseille, vormals Troubadour; 
Bahab, die Magdalena des alten Testaments, eine herrliche Zu- 
sammenstellung: Rechtsvcrlassung, Iiunst und Familienleben sind 
vom Christenthum reinerigestaltet, und im Paradiese durch ewigen 
Lohn verklärt. 
Das dritte Blatt ist von drei jener seligen Geister besetzt, wel- 
chen die Sonne zum Aufenthalte gegeben ist, weil sie auf'Erden 
Forscher und Lehrer der göttlichen Weisheit gewesen: Thomas 
von Aquin, Albert der Grosse und Cardinal Bonaveiltura, eine 
Gruppe, die ein in sich Vollendetes geschlossenes Ganze bildet. 
Jeder der Männer repriisentirt eine Richtung, weiche zusammen 
die dem Priesterthuine der katholischen Iiirchc gesetzte Aufgabe 
bilden.  
In der vierten Abtheilung sind vier Helden der Marssphäre ver- 
sammelt: Carl der Grosse, eine hohe, mächtige Gestalt, Gottfried 
von Bouillon, der israelitische Heerfiihrer Josua, eine liebliche Er- 
scheinung, und zwischen beiden letztem, wird der düstere Iiopf 
des Maccabäus sichtbar. Im Hintergrunde erkennt man noch Con- 
stantin den Grossen, den Dante in den Jupiter gesetzt. Diese ein- 
fache und schöne Heldengruppe ist in den verschiedenen Charak- 
teren und Costiimen eine überraschende Allegorie der zu allen Zei- 
ten streitenden Iiirche; dagegen versinnlichet das fünfte Blatt das 
Reich des Herrn nach seinem innern Frieden. Im Saturn befinden
        

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