Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1720473
Cornelius , 
Peter, 
Bitter 
VOII. 
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der Häuptlinge unter den Bekennern des neu-altcrthiimlichen Ge- 
schmackes. Cornelius duldete nie die Fesseln einer Schule, und 
auch jene der altdeutschen nicht,  denn von dieser ist hier die 
Rede;  sein Geschmack ist derjenige, den sich seine Individua- 
lität auf dem Wiege der sittlichen Wahrheit und der Natur bildete. 
Zu der Zeit, als dieser Künstler auftrat, regte sich überhaupt 
deutsches YVesen und deutscher Sinn mit Adlerschwingen, und da- 
her War es nothwenilige Folge, dass auch Iiunst und YVissenschaft, 
die immer dem Genius der Zeit getreu zur Seite wandeln, bei 
schöpferischen Geistern zuerst auf nationellein Gebiete ihre Iiriilte 
versuchten. Dieses ist bei Cornelius mit den Darstellungen aus 
Göthe's Faust der Fall. Hier sah sich der Iiiinstler mit dem Dich-, 
ter auf deutschem Boden, und daher musste er auch der äussern 
Form das Gepräge der Nationalität aufdrücken, und dieses spiegelt 
uns Faust in einem früheren an malerischen Formen reichern Jahr- 
hunderte ab. Diese Compositiiineu schuf derliiinstler um 1810 gröss- 
tentheils in Frankfurt am Main, und diese waren es, die ihm zuerst 
gerechte Anerkennung erwarben. Man bewundertedn denselben 
die grosse und mannigfaltige liräfte beurlaunrlende Originalitiit, und 
Giithe sprach sich in einem eigenen Schreiben an den Iiunstler 
mit besonderem Lobe aus. Auch der bezeichnete Referent nennt 
diese Darstellungen das Bedeutendste in solcher Art, nur konnte 
er sich mit der altdcutschen Weise nicht befreunden, die ihm in 
den Werken der das Christlich-mystische oder auch das Vaterlän- 
dische bezielenden Künstler jener Tage erschien. 
Ueberhaupt wurden damals diejenigen Künstler, Welche, dem 
alle Eigenthiimlichkeit ertiidtenden Schulzwange sich entwindend, 
auf freie und selbstständige Weise das Wahre zu erstrebens uchten, 
ungeeignet Altdeutsche genannt. Allerdings richteten die besseren 
Talente ihr Augenmerk auf die Werke der alten deutschen Mei- 
ster; sie fanden sich von der tiefen Innigkeit und der reinen Ei- 
genthiiinlichlaeit derselben angezogen, und daher suchten auch sie 
in ihren Werken der Form wieder Seele und Bedeutung zu er- 
wecken; denn sie erkannten in der Technik nicht allein die hiichste 
Vollendung. Unter diesen stehen Cornelius und Overbeck oben- 
an und ihnen zur Seite einige andere verwandte Geister. Diese 
liiinstler wandelten jetzt den Weg zum Besseren, und viele Andere 
folgten ihnen, doch nicht alle erfassten auf demselben das Wesen 
der Iiunst. Viele der sogenannten Altdeutschen griffen nur die 
äussere Form der alten deutschen Schule auf, nicht den Geist der- 
selben. Sie gefielen sich sogar in der Nachahmung der Mängel, 
die jenen früheren Erzeugnissen ankleben, und daher musste noth-r 
wendig die Critik tadelnd ihre Stimme erheben. Dieses geschah 
indessen nicht ohne Erfolg, denn mancher erkannte, dadurch und 
durch reinere Anschauung in Rom eines Bessern belehrt, das Man- 
gelhafte und vermied es. 
Bei Cornelius kann aber von einer eigentlichen Manier gar nicht 
die Rede seyn. Ihm genügte keine Schule, sein Gepräge ist das 
der Eigenthiimlichkeit. Er ist Dichter und als solcher ixewegt er 
sich nach allen Richtungen hin in einer ganz eigenthiimlichen 
Weise. Er durchwandert wie ein Protheus in allen Gestalten sein 
Gebiet, und kleidet seine Gedanken mit charakterischer Wahrheit 
in die angemessenste Form. Der StofPmuss sich seinem VVillen 
fiigen, und daher erscheinen seine VVerke, je nachdem es der 
Geist der Darstellung erfordert, jedesmal in eigenthiimlichem Lichte. 
Desswegen herrscht in seinen Werken nicht durchaus der eine und 
derselbe Styl; sie sind in ihrer VVeise verschieden, wenn es das 
Wesen seiner Darstellung erheisehte. Diese Verschiedenheit offen,
        

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