Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1725183
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Dughet , 
Nicolnns. 
und Sreharfsinns, als der mit Gefühl durchdrungenen Einbildungs- 
kraft, und daher ist der Ausdruck wohl zuweilen gut gedacht, aber 
fast nie lebendig und ergreifend dargestellt. Er zeigt sich immer 
gelehrt und belesen, wie schon DIengs bemerkt, und daher wählte 
cr seine Vorwürfe auch vornehmlich aus der alten Geschichte und 
aus der Mythologie. Aberweniger, als in der Auflassung der Aus- 
senseite des Alterthilms, gelang es ihm, in den iunern Geist dessel- 
ben einzudringen und hierin den Giulio Romano und Polidoro zu 
erreichen, ungeachtet diese Iiiinstler das Costiiui mit Freiheit be- 
handelten, und keinen Anspruch auf antiquarische Gelehrsamkeit 
machten, der in Poussin's Werken offenbar hervortritt. Er ver- 
fiel zuweilen in sehr widerliche Vorstellungen. Seine Marter des 
heil. Erasmus in der vatikanischen Sammlung. die fiir St. Peter in 
Mosaik gesetzt wurde, ist griiuelhaft dargestellt, was durch YVahl 
eines andern Moments wäre zu vermeiden gewesen, und in seinem 
Iiindermorde, ehedem in der Giustianischen Sammlung, hat er uns 
in der einzigen Gruppe, durch welche er diesen, offenbar eine 
wcitläufigere Composition erfordernden Gegenstand, darstellte, den 
höchst unerfreulichen Anblick einer alten hässlichen Frau als Mutter 
eines kleinen liindes gezeigt. 
Seiner Zeichnung fehlt es nicht an Richtigkeit, aber wohl am 
Leben. Selbst ausgezeichnete Bewunderer von ihm haben geste- 
hen müssen, dass seine Figuren gewöhnlich mehr an colorirte Sta- 
tuen, als an lebende Gestalten erinnern. Dabei zeigt er auffallen- 
den Mangel an Farbcnsinn. Auch sein poetischer Schwung geht 
nicht hoch, und daher sind in seinen dramatischen Compositionen 
die Begebenheiten mehr prosaisch erzählt, als poetisch dargestellt. 
Er hat ebenfalls Episoden angebracht, die den Ausdruck des We- 
sentlichen der Handlung stören. Nur. allein im antiken Costiim 
zeigt er sich nicht fehlerhaft. In derLaiidschaft bewies erjedoch mehr 
poetischen Sinn, als im Historischen. Hierin übertraf er alle 
Künstler der Carraccischen Schule. Seine Kunst in diesem Fache 
erkennt man vornehmlich in einer Folge von acht, durch Kupfer- 
stiche bekannten, Landschaftsgcmälden mit StaHagen aus der alten 
Geschichte und Mythologie. 
Nicolaus Dughet wurde in seinem Leben weit mehr in Italien, 
als in Frankreich geschätzt, wo im Verhältniss des damals herr- 
sehenden (ieschmackes seine Werke zu ernst und geistig erschie- 
nen, und zu wenig den Sinn befriedigten. Seit David's Zeiten aber 
haben die Franzosen seine Bahn betreten, und nach der Richtung, 
in der sich der Geschmack bei ihnen entwickelt hat. demzufolge 
sie vielmehr Befriedigung des Verstandes undScharlsiiins, als des Ge- 
fühls und der Einbildungskraft von der Kunst verlangen, müssen 
auch Poussiifs Werke den Fbrdcrungen dieser Nation im ausge- 
zeichneten Grade entsprechen. Nlan bemerkt bei ihm auch 
schon das Theatralischc sehr entschieden, welches in der späteren 
französischen Schule noch auffallender hervortrat, und als dieje- 
nige Eigenschaft zu betrachten ist, welche dieselbe vornehmlich 
charakterisirt. Seine Figuren gleichenSchauspielern, die sich nicht 
ohne Iiunst bestreben, Leidenschaften und Gemiithsbewegungen 
auszudriiclsen, aber dabei verrathen, dass sie dieselben nicht selbst 
empfinden, und nicht wahrhaft von ihnen ergriffen sind. 
Poussin behandelte, wie bereits erwähnt, die sieben Sakramente 
in einem Cyclus und diesen rühmt man als eines seiner Meister- 
stiicke. Er malte aber auch einen Cycliis aus den Werken der 
Barmherzigkeit, doch ist nicht ausgemacht, ob er letzteren vol-
        

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