Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1724708
5,16 
Albrecht. 
Dürer  
Auch besichtigte er die verschiedenen Kunstwerke, die in den 
Städten sich bclimdcn, und in Aachen erhielt er endlich nach lan- 
ger Mühe die Bestätigung als Hotinalcr Carls V., so wie er denn 
auch früher Iiaiser Maximilians Maler gewesen. 
Gemalt hat Dürer in den Niederlanden wenig. er trieb aber ci- 
nen förmlichen Tausch und Verkauf mit seinen Iiupferstichen und 
Holzschnitten, klagt aber am Ende doch über Schaden, weil er 
oft sich lteines Gegengeschexmlscs zu erfreuen hatte. Endlich kehrte 
Dürer wieder nach Nürnbcr zuriich, und hier verlebte er im Ge- 
nussc der Iiunst und edler Esreunde noch sieben Jahre. 
Es finden sich in den Werken dieser letzten Zeit keine beden- 
tendcu Spuren eines Einflusses, den die grossen Werke der nie- 
derländischen IYIeister auf Dürefs Styl hätten haben können; man 
findet jedoch in den späteren Werken Diircr's hie und da deutliche 
Versuche, eine andere Bahn einzuschlagen. 
Unter den Gemälden seiner letzten Zeit ist die Madonna 
mit dem liindc von 1520 im Belvederc zu Wien merkwürdig, ein 
Bild, das vielleicht auf der Reise in den Niederlanden entstanden 
ist. Die lVIatlonnaistin einen Pelzmantel gekleidet, und hatdag nackte 
Kind auf ihrem Schoossc. Vor ihr steht ein Tisch, auf welchem 
eine angcschnittene Citrone liegt. Dr. Iiugler erkennt in diesem 
Bilde ein absichtliches, nicht unglückliches Eingehen Dürer's auf 
fremde Kunstmanicr. 
Vom Jahre 1525 sind die Fliigelhilder mit den Brustbilderii der 
Heiligen Joseph und Joachim , Simon und Lazarus, in der ehema- 
ligen Boisserceschcil Sammlung. 
Die Jahrzahl 1526 trägt der Abschied Christi von der lVlutter 
in der BettendorPschen Sammlung zu Aachen, und in demselben 
Jahre entstand das Bildniss des Johann Iileeberger im Belvedere 
zu Wien, und das sogenannte Holzschuhersche Portrait in Nürn- 
berg, zwei vorzügliche, werthvolle Bilder. Dürer malte seinen 
Freund Hieronymus Holzschnhei- mit höchster lYleislei-schatt, einen 
Kopf von höchst edlem und würdigem Ausdrucke. Das Bild zeigt 
die volll-iommenste llllodellirung bei der leichtesten Handhabung 
der Farben, auch ist es das schönste unter allen Portraitexz unsers 
iMeisters. Es ist noch gegenwärtig im Besitze der Familie Holz- 
schuher in Nürnberg, und zuletzt war es fast das einzige bedeu- 
tende Originalwerla, welches die Stadt von Dürer aufzuweisen 
hatte; denn durch zu grosse Willfahriglteit des Rathes, und durch 
andere Umstände wurde Nürnberg nach und nach der vielen und 
grossen Werke Diirer's beraubt. Neue Schätze bewahrt es jetzt 
wieder durch die Güte des Königs Ludwig, welcher die St. Mo- 
ritzkapelle zu einem Bildersaal der Obcr- und Niederdeutschen Ma- 
lerschule einrichten liess. 
Jm Jahre 1523 gab Dürer den Triumphwagen des liaisers Maxi- 
milian heraus, eine Reihe von Holzschnitte!) mit barocken Orna- 
menten. Doch sind die Motive der allegorischen weiblichen Ge- 
stalten ausserordentlich schön. 
Dem Kupferstiche scheint er jetzt wenig mehr abgelegen zuseyn. 
Seine letzten BlättÄr sind die Bildnisse Albrechts von Mainz in 
Profil, Friedrichs von Sachsen , Melanchtbons , Pirhheimers Eras- 
mus des Rotterdamers, und Pateniers, lauter Werke von höchster 
Vollkommenheit, in welchen ihm Zuneigung und Freundschaft den 
Stichel geführt. Alle diese Männer achteten und ehrten den Mei- 
ster, und nicht minder thaten es seine Mitbürger. Letztere vertrau- 
ten ihm die Verwaltung öffentlicher Geschäfte an, und auch im Ra-
        

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