Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1724647
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Dürer, 
Albrecht. 
sichert. Auf dem Mittelbilde zeigte sich die Maria von Engeln 
getragen, wie sie der Vater und der göttliche Sohn hröuexi, vuu 
herrlichen Gruppen von Engeln, staunend und verehrend, in rei- 
cher Manigfaltigkeit umgeben. Unten blicken einige Apostel mit 
Verwunderung ins leere Grab, andere richten mit Staunen den Kopf 
in die Höhe. Einer der hnienden Apostel wies eine ausserordeut- 
lich täuschend gemalte Fusssohle und dieser geschieht bei vielen 
Schriftstellern Erwähnung. Im Mittelgruntle hatte Diirer eine 
schöne Landschaft angebracht, und sich selbst darein gesetzt, sich 
auf eine Tafel mit der Jahrzahl 150g stiitztend. Die Diirefsche 
Composition des Bildes sieht man noch zu Frankfurt in der Copic 
des Paul Juvenel, die an die Stelle des Originals kam. Nach dem 
Besitze des letzteren trachteten mehrere; der liaisei' lludolph II. 
bot vergebensden Mönchen 10000 fL, eine für damalige Zeit bellen- 
tende Summe, während Dürer für das Malen nur 200 fl- erhielt. 
Endlich gelang es 1614 dem kunstliebenden Maximilian I, von 
Bayern dcnS chatz zu erwerben, und die Mönche durch eine Copie 
für den Verlust zu trösten. Leider ging dann das Bild bei dem 
Brande der Residenz zu Grunde. 
Nach zwei Jahren vollendete Diirer ein zweites, eben so vor- 
treffliches Gemälde, welches die heil. Dreifaltigkeit vorstellt, und 
noch erhalten ist. Der Iiiinstler fertigte es 1511 im Auftrage des 
Matthäus Landauer, eines reichen Rothgiessers zu Nürnberg, der 
es für die von ihm gestiftete Kapelle des zwölf Briiderhauses zu 
Allerheiligen bestimmte. Dieses Gemälde, vielleicht das vorzüg- 
lichste unter den noch vorhandenen Werken Diirers, war fast hun- 
dert Jahrc die Zierde Nürnbergs, bis es um 1600 der zu gefällige 
Balh dem Iiaiser liudolph, dem jedes gute Bild von Diirer gefiel, 
zum Geschenke machte. Iiudolph liess es nach Prag brin en, wo 
C. van Mander selbiges sah undliebgewann, so dass er des Loläes nicht 
satt werden kann. Jetzt bewundert man diese köstliche Perle in 
der kaiserlichen Gallerie zu Wien, und die Coxnposition desselben 
ist aus dein Stiche des van Stecn und aus den 14 lithographirten 
Blättern, die Julie Miehes, Gattin des Custos Priinisser, darnach 
fertigte , bekannt. 
Dieses Bild ist in der Ausführung meisterhaft, von wunderbarer 
Feinheit und lasurartig behandelt. Der Faltcnwurf ist grossartig, 
aber in Hinsicht auf höhere Auffassung genügt es nicht. Wenige 
Köpfe sind schön und der Mehrzahl nach zeigt sich hier, wie öfter 
bei Dürer, eine phantastische und bis an die Carrikatur griinzentle 
Auffassung des gemeinen Lebens, selbst in den Gestalten der 
Heiligen. 
Aus dem Jahre 15112 ist in der k. Gallerie zu Wien eine Ma- 
donna mit dem Kinds", von zart jungträulichem Charakter, ausser- 
ordentlich sauber gemalt. 
Diirer's mittlerer Zeit gehören wohl auch noch folgende Gemälde 
an, aber genau lässt sich die Entstehung nicht bestimmen, weil 
Daten fehlen.  
Maria mit dem Iiinde in der Gallerie der Uffizicn in Florenz, 
mit schönem mädchenhalten Gesichte; Maria mit dem schlafenden 
Kinde in der Gallerie zu Schlelssheim und die Mater dulorosa da- 
selbst, ein einfaches und würdiges Gemälde; Ecce homo in der 
Morizkapelle zu Nürnberg, halbe Figur mit zart modellirten Hän- 
den und höchst fein gemalten Haaren; doch in den Formen des 
Körpers und des Kopfes ohne höheren Adel. In diese Periode ge- 
hört auch das Baumgärtnefschc Familienbild, _Altargemiilde mit 
Flügeln in der Schleissheimer Gallerie. Dieses Bild stiftete die Fa-
        

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