Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1723949
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Donatcllo , Donato 
Belto 
di 
Barti. 
das Basrelief der Verkündigung in S. Croce zu Florenz. Diese 
Sculptur ist prachtvoll und sie verriith in Bezeichnung des Ausdruckes 
und in der Ausführung einen Künstler von hohem Talente. Ab- 
gebildet ist dieses YVerk bei Cieognara II. Tav. 5. und daselbst 
auch das hölzerne Cruzifix in derselben Kirche. Letzteres ist ge- 
mein und weit unter dem gleichzeitigen des Brunelesehi in S. Ma- 
ria Novclla. Dennoch hielt Donatello die Figur für ein Meister- 
stiick und er War daher tief erschüttert, als ihm Bruneleschi sagte, 
er hätte einen Bauer aber keinen Christus gebildet. Dieser Ge- 
kreuzigte ist auch unedel, jedes erhabenen Zuges entbehrend und 
daher nur ein Gegenstand derNeugierde, nicht der Bewunderung. 
Doch war ihm Bruneleschfs Tadel ein mächtiger Sporn, er lernte 
einsehen, dass ihm noch vieles fehle und schritt nun sichtbar zum 
Bessern fort; doch bewies er nur zu oft ein schwaches Gefühl für 
Anmuth. Dieses zeigt sich in seinen Statuen der Magdalena. Viel 
bewundert ist eine solche, aus Holz geschnitzt, im Battisterio zu 
Florenz, ebenfalls abgebildet bei Cicognara l. C, Sie ist als ßiis- 
ßcrin dargestellt, nackt, abgezehrt, eckig, bis über die Knie von 
ihren Haaren bedeckt. Sie sieht aus, als wenn sie ein Fell um- 
biillte. Norder (Janus, oder Erinnerungen einer Reise durch Im- 
lien etc. II. 519) findet sie gar gcspensterartig und er dachte bei 
ihrem Anblicke eher an die Sünde, als an die Magdalena. Ci- 
coguara erhebt dagegen diese Figur mit besonderem Lobe. hr 
findet den Ausdruck des Schmerzes und der Reue mit Schönheit 
gepaart, er findet "grandi e singulari bellezze per la gentilezza 
elle forme"; allein dazu gehört nur Cicognaräs Auge. 
Donatello stellte auch öfter die Gestalt des Tiiufers Johannes dar, 
mit demFell umgiirtet, welcher nach Cieognara in uno stile nuovo 
e singulare ausgeführt ist. lNIan erkennt hierin den abgehärteten, 
strengen Sohn der VVüste, nicht unedel von Gestalt. Zwei solche 
Statuen , die eine in der Gallerie zu Florenz, die andere aus dem 
Hause Martelli sind bei Cicognara tav. 5. abgebildet. 
Eine ausgezeichnete Statue dieses lYleisters , die Cicognara eben- 
falls im Umriss gibt, ist der heil. Georg in einer der Nischen von 
Or-san-Michele zu Florenz, wo man auch seine Statuen St. Peters 
und St. Marctfs bewundert. Diese Figuren sind von grosser Schön- 
heit und die erstere, ganz in Rüstung, vielleiclitDonatelltfs bestes 
Werk. Die Gestalt ist edel, der Ausdruck sprechend, nur finden 
strenge Iiunstriehter den LIals und die ganze Figur etwas zu lang, 
was sich an den meisten Bildsiiuleu dieses Künstlers finden soll. 
Diese drei Statuen wurden dennoch immer hoch geschätzt und daher 
boten die Republiken von Venedig und Genua, so wie mehrere 
Fürsten vergebens grosse Summen dafür. Den heil. Marcus be- 
wunderte auch lVIichel Angeln und er rief bei der Betrachtung des- 
selben all" nMilfClIlSl warum redest du nicht mit mir  
Eine Statue von spreehendem Ausdrucke ist auch der berühmte 
Zuccone (Kehlkopf) am Thurme von S. Maria del Fiore zu Flo- 
renz. Diese mit Recht berühmte Statue stelit das Bildniss des 
Barduccio Cheriehini vor, ein kahler Spitzkopf in römischer Se- 
natorstracht herniederschauend, so sprechend, dass Donatello selbst 
ihm öfter zugeredet haben soll „favella, favella l" (so rede doch). 
Dabei ist noch zu bemerken, dass die Bildsänle von unten sehr 
ausgearbeitet zu seyu scheint, während sie in grossen Strichen ge- 
hauen ist. 
Dieses Licblings- und Meisterwerk Donatellds, das ebenfalls 
Cicocuara im Umrisse gibt , besitzt hinsichtlich der Unterordnung 
der Stellung, dir Bewegung in der Gewandung ausgezeichnetes 
Verdienst. und daher wurde es immer für eines der besten Stand-
        

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