Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719882
Coeln , 
Stephan 
VOII. 
anschaulichen Begriff von der Composition geben, nicht so von 
der 'I'iefe und Iiraft des Tons, der darin ebenso bewunderungs- 
würdig ist, wie der Reiz und die Harmonie der Färbung. Darin 
iibertrilit diese 'l'eniperainalerei alle übrigen, und nach Passavant 
grenzt sie selbst an die Pracht der venetianisehen Oelinalerei. 
Das dritte grosse Altarbild von Meister Stephan befand sich che- 
dem in der Pfarrliirche zum heil. Iiaurentius in Cöln, wohin es 
nach dem darauf befindlichen XIVIIPPOII" von der Familie hIuschel- 
Metternich gestiftet ward. Jetzt sind die Theilc dieses Altarcs an 
drei verschiedenen Orten. 
Das Haupt- oder innere Mittelbild ist das oben erwähnte jüngste 
Gericht, jetzt im Cölner Museum. Dieses Bild, welches nach Fas- 
savant unter den bis jetzt bezeichneten wohl das zuletzt entstan- 
dene ist, zeichnet sich durch eine gut verstandene und nach dein 
Leben studirte Zeichnung der uacliten Figuren aus; doch ist mehr 
VVahrheit darin als Schönheit; überhaupt gibt dieses Bild keinen sol- 
chen Begriff von der VortrePfliclilieit iiiisers NIeistei-s, wie das Dom- 
hild; denn der Maler hatte hier nicht die Liehlichlieit der llrlaria 
mit ihrem göttlichen Iiinde. nicht die ruhige VViirde der anbetcn- 
den Iiönige oder die jugendliche Fülle und Anmuth der heiligen 
Jungfrauen und der sie begleitenden Ritter darzustellen, sondern 
einen Gegenstand ganz verschiedener Art, wozu grossc Tiefe der 
Charakteristik und eine imposante Darstellungsweise erfordert wer- 
den. Diese Eigenschaften besass Meister Stephan nur im geringen 
Grade. Trotz einem sehr kräftigen Tone der Färbung darf daher 
nach Passavant dieses jüngste Gericht ancli nicht entfernt mit dem 
Bilde in Danzig verglichen werden, das bei weniger 'l'iefe in der 
Färbung gerade das Erhabene und Tiefcliarahteristische in hohem 
Grade besitzt. 
Die Seitenbilder stellen in 12 Abtheilungen das lYIartyi-thum der 
12 Apostel vor. Da auch hier unser Meister wenig Gelegenheit 
fand, seine vorzüglichen Eigenschaften zu zeigen, und er die bö- 
sen oder gemeinen Charaktere bis zur Carrikatiir verzerrte, so ge- 
sviihren diesevDarstellurigen noch weniger Ilefricdigiiiig, als das 
Mittelbild. Aus der Sammlung Tosetti in Cöln sind sie in die des 
StädeYschen Instituts zu Frankfurt am Main gelioiiimeu. 
Die äussern Bilder der Fliigel zeigen, immer zu dreien zusam- 
mengestellt, sechs Heilige: St. Anton den Einsiedler, einen Pahst, 
Maria Ma dalena, St. Catharina, St. Hubertus, St. QlllTlll und 
auf jedem gliigel einenllinienden Douator in kleinerer Porportion; 
Diese Bilder hamcn aus der Sammlung Buigserßg in die "des Iiö- 
nigs Ludwig von Bayern. Strixner hat sie lllllOgllftpllllft, doch ohne 
die Donatoren. 
Ein allerliebstes Madonnenbiltlclieii vom Nleister Stephan besitzt 
H. von hIai-svegh in Cöln. 
Ausser diesen nach Passavant uiihezvwzifclten Bildern des Dom- 
hildnieisters gibt es besonders in Cölu noch sehr viele aus seiner 
Schule oder von seinen Nachahmcrn, z. B. eine Folge mit derLe- 
gende der heil. Ursula in der Iiirchc dieses Nairiens, sodann meh- 
rere in der städtischen Sammlung und in denen der Herren Lyvers- 
berg, Schmitz etc. Zwei sehr ausgezeichnete Bilder der Schule, 
welche dein Meister sehr nahe linlllnlßl], sind die im Berliner Mu- 
seum: die Findung des Iireiizes und die Anbetung der Iiiiiiigc. 
Ein schönes Bild ist die Iiriiiiuug lldariä aus der Boisseriießchen 
Sammlung, wovon im Iiunstblatte 1821 ein Bericht und eine Ab- 
bildung initgetheilt wurde. Strixner hat das Bild litliograpliirt. 
Vorzüglich ist auch das Bild in der Darmstädter Gallerie mit der 
Darhringung im Tempel, iiiit einer Inschrift und der Jalirzahl l-i l'I-
        

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