Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719840
Passavant sagt in seiner Hunstreise durch England und Belgien 
S. 405, man dürfe fast mit Gewissheit annehmen, dass ein Meister 
VVilhelrnus de Herle, welcher in alten Cülner Büchern schon im 
Jahre 1560 vorkommt, mit dem Meister der Limburger Chronik 
Eine und dieselbe Person sei. Von diesem Wilhelm de Herle hat 
man vom Jahre 1570 einen Vertrag wegen der Renten eines Hau- 
ses, und auch im Schrcinsbuche der Plarre von St. Columba steht 
unter dem Jahre 1371 eine Stelle, die sich auf diesen Künstler be- 
zieht, oder vielmehr auf den Contralst des vorhergehenden Jahres. 
Wir ersehen daraus, dass dieser Meister von Herle, einem 
Dorfe im Bergischen, nahe bei Coeln, stamme, dass er schon 1560 
mit seiner Frau Jutta in Coeln anwesend war, und dass er spätestens 
im Jahre 1570 in dieser Stadt sich niedergelassen habe. 
Documente, welche die VVerlse dieses berühmten Meisters bestä- 
tigen, sind bisher nicht bekannt geworden, und daher bleibt oft 
nur die Mutlunassung. So durfte es nach der Meinung des Pro- 
fessors Mosler in Düsseldorf mehr als wahrscheinlich seyn, dass 
das Gemälde am Grabmale Cuno's von Fallienstein in der St. Ca- 
storskirche zu Coblenz von Meister l-Vilhelm berrühre. Erstlich 
fällt seine Entstehung (1588) in die Zeit nnsers Malers, sodann 
lässt sich erwarten, dass der mächtige Churfiirst, Erzbischof von 
Trier, sicher sein Grabmal von dem damals ausgezeichnetsten, he- 
riihmtesten lNIeister habe ausmalen lassen; endlich gibt die am Kreuz 
kniende Portraitfigur des Churfürsten einen sprechenden Beleg zu 
dem hohen Rufe, den unser liünstler als Bildnissmaler sich erwor- 
ben hatte. Nach Passavant dürfte man schwerlich irgendwo aus 
jener Zeit einen Maler treffen, der die individuellen Züge so be- 
stimmt und lebendig dargestellt hätte, wie es in diesem Bildnisse 
des Cuno von Falkensteiil der Fall ist. Dieses Gemälde, das jetzt 
(nicht glücklich) restaurirt ist, findet man im ersten Bande von 
Mollefs Denkmalen deutscher Baukunst abgebildet, allein man er- 
kennt in dieser Abbildung den Charakter des Originals nicht mehr. 
Ein anderes grosses Werk, welches Passavant dem Meister Wil- 
helm zuschreiben zu müssen glaubt, ist der grusse Altar aus der 
Kirche von St. Clara in Cöln, der nun in einer der Kapellen des 
Domes steht. Dieser Altar hat zwei Fliigelthiiren und zeigt geöK- 
net in reicher, geschnitzter gothischer Verzierung auf Gold gemalt 
oben zwölf Darstellungen aus der Leidensgeschichte, und unten in 
zwölf Abtheilungen Darstellungen aus der Jugendgeschiehte Christi. 
Die Aussenseite des geschlossenen Altares ist nicht auf Holz, son- 
dern auf leicht grundirte Leinwand gemalt, und scheint von einer 
andern Hand als die innern Bilder herzurühren. Die Köpfe in die- 
sen Bildern sind meistens lieblich, besonders die der Frauen, ihre 
Form rundlich, das Iiinu etwas spitz; der Ausdruck ist nicht sehr 
lebhaft, aber richtig; die Proportionen sind etwas lang und die 
Figuren in ihren Bewegungen denen der Sculpturen des 14. Jahr- 
hunderts ähnlich; die Flügel der Engel sind rundlich geschweift 
und in einzelnen Federn endigend. 
Da eine gewisse Verschiedenheit in der Ausführung bemerkbar 
ist, und man fast mit Bestimmtheit drei verschiedene Hände unter- 
scheiden kann, so dürfte, nach Passavant, Meister Wilhelm diesei 
Werk mit zwei Gehülfen ausgeführt haben. 
Ein kleines, mit ausserordentlieher Sorgfalt behandeltes Bild von 
Meister Wilhelm ist die heil. Veronika aus der Boisseredschen 
Sammlung, jetzt im Besitze des Königs Ludwig von Bayern, und 
bekannt durch die schöne Lithographie von Strixner.  
Von gleicher VortreFflichlteit, wie vorhergehendes Bildchen, ist 
das einer Maria aus der Wallrafischen Sammlung, jetzt im städti-
        

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