Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1722748
Delaroche , 
Paul. 
Herzog im Schlafzimmer des Königs ermorden, wo die Scene selbst 
nicht mehr vorgeht, sondern vorgegangen ist. Diesen Gegenstand 
hat der Künstler vortrefflich behandelt. Er versetzt ganz in die 
Zeit der Handlung; die Sorgfältige Malerei der Costüine und der 
Umgebungen erinnern mit Gewalt an sie. Der Künstler hat hier, 
wie überhaupt in der Historicnmalerei, nur Ausgezeichnetes gelie- 
fert. E5 herrsche eine freie sichere Meisterschaft in jedem Pinsel- 
strich und ein niederlnndischer ausdauernder Fleiss bis auf das 
kleinste Stück des Nebenwerkes. Dadurchl hat das Ganze eine 
schöne Abgeschlossenheit gewonnen und der tragische Augenblick, 
den das Gemälde vorstellt, wird durch den eleganten, geschmück- 
ten lrarbencindruck, welcher Delaroche eigen ist, noch mehr ge- 
hoben.  
Delaroche ist auch in der Plastik erfahren. Man hat von ihm 
einen heiligen Georg in _Bronze, ein Werk von bedeutendem Vep 
dienstc. Alle diese Arbeiten sind mehr oder weniger von bedeu- 
tendem Umfang; in neuester Zeit aber sollte er sich an ein ungc. 
heueres Unternehmen wagen, das ihm nach der Vollendung die 
erste Stelle unter den französischen Künstlern sichern müsste, Es 
wurde ihm nämlich von der Regierung aufgetragen, das Leben dm- 
heil. Magdalena in der ihr geweihten Kirche m sechs halbzirliel- 
förmigen Bildern von [L0 Fnss Durchmesser auf die Wand zu mn- 
len. Delaroche reiste im Jahre 1854 zu diesem Behufe nach Ita- 
lien, um die alten italienischen Meister zu studiren und zugleich 
auch um sich mit der Frescomalerei bekannt zu machen. Der 
Künstler hatte schon bereits einige Cartons vollendet, als er in 
Italien vernahm, dass man die Halbkuppel dem Histoi-iennialer 
Ziegler übertragen habe. Delaroche kehrte jetzt nach Paris zu- 
rück und wollte von der ganzen Arbeit abstehen; das Resultat 
konnten wir noch nicht erfahren. 
Delarochc ist mit Ingres und Delacroix der Glanzpnnkt der mo- 
derneii französischen Schule. Er verliess den von David und sei- 
nen Nachfolgern eingeschlagenen Weg, und brach eine neue Bahn, 
auf welcher er sich den Namen eines Historienmalers in der ei- 
gentlichsten Bedeutung erworben hat. Von der_Natur mit einem 
richtigen Gefühl, mit einer gewandten Harid,_ mit Scharfblick und 
Phantasie begabt, ist er im Besitz. der vorzuglichsten Eigenschaften 
eines Künstlers. Er sucht den Stoff zu seinen Produktionen in 
der Geschichte der Menschheit, er forscht in ihren Annalen, er 
erdichtet nichts, er strebt die Wahrheit der Natur treu wieder zu 
geben; wir begegnen desshalb nur kraftvollen Gestalten, deren 
Anblick uns Bewunderung gebietet. Seine Werke sind beredtc 
Seiten eines schön geschriebenen Geschichtsvvcrkes. Er bewegt 
durch die Wahrheit seiner liäirben und durch. die Motive seiner 
Darstellung; er weiss bisweilen einen Anflug von dichteriseher 
Schönheit zu verbreiten, doch hat auch seine Prosa Fülle und 
Stärke des Ausdrucks , Wohllaut und Rhythmus. 
Paul Delaroche bekannte sich niemals zur neuen Schule: er 
liess sich nicht irre führen durch ihre 'l'heorie; sein Styl ist dem 
Gedanken angemessen, die Iform erscheint bei ihin in grösstef 
Strenge ohne Uebertreibung in Stellung und Bewegung, und der 
Ausdruck ist diesem äemäss, wahr und bezeichnend. Bei Dela- 
roche finden wir da ier die Macltel der modernen französischen 
Schule gar nicht oder nur in einem geringen Grade. Es ist die- 
ses ein Künstler von grosser Bedeutung. 
Nachrichten über die Werke dieses Künstlers linden sich zer- 
streut in französischen Blättern und im Kunstblatte von Hofi-nth 
Schorn, wo 1854 Nro. 57 E. Collovv in den Briefen über die
        

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