Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1722737
Delaroche, 
Paul. 
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die wichtigsten Ziige der menschlichen Natur darzustellen. Merk- 
würdig aber ist es, dass dieser grosse Künstler lange sein Talent 
nicht kannte, und dass cr sogar an seinem Berufe zweifelte, Wess- 
wegen er sich zum Iianzleiwesen bestimmte. Er wurde auf Seiner 
liünstlerbahn von einem wahrhaften, fasst uniibersteiglichenWider- 
willen beherrscht und doch füllte er 1854 schon den schönsten Platz 
im Salon aus. In diesem Jahre sah man seine Hinrichtung der 
Johanna Gray, ein Gemälde, das auch in Deutschland durch ma- 
nigtaltige Nachbildungen bekannt ist; im Umrisse in Landon's 
Anilales du Musee et de Pecole moderne etc. Paris 1854. Der 
Iiiinstler hat den Moment gewählt, wo die Uugliickliche mit ver- 
bundenen Augen niederlsniet und den Block mit ihren Armen 
sucht. Das Ganze brin t sowohl durch die Wald des Gegenstan- 
des , als durch die Walnäieit der Ausführung eine vollkommene Wir- 
kung hervor. Die Figuren sind in Lebensgrüsse, die Grnppirung 
ist einfach, mächtig wirkend, und das unangenehme Schauspiel 
mit Meisterschaft behandelt. Dieses Bild zog auch den Blick] allge- 
mein auf sich. 
Das erste Werk, welches die Kunstwelt aufmerksam auf diesen 
Künstler machte, und mit welchem so zu sagen Delaroche erst 
Glauben an seine Kunst und an sich selbst zu fassen begann, war 
sein Joas, der aus der Mitte der Todten durch Elisabeth gerettet 
wird, ein Gemälde, in welchem Delaroche mit Hiilfe der einfach- 
sten Mittcl grosse dramatische Wirkung hervorgebracht hatte, und 
das jetzt im Luxembourg aufgestellt ist. 
Glänzenden Beifall erhielten hierauf auch seine Johanna d'Arc, 
der Tod des Hannibal Carracci und St. Vinccnz von Paula. Der 
letztere ist dargestellt, wie er vor dem Hofe Ludwig XIII. zu Gunq 
sten der verlassenen Kinder prediget, und der Iiiinstler nimmt f; 
hier durch eine solche I.icht- und Farbenwirkung den Blick ge-' 
fangen, dass man den wirklich guten und natürlichen Ausdruck 
der Figuren fast übersieht. Dieses Bild, das Prevost gestochen hat, 
gehörte 185d- zu den besten der Ausstellung. Der Iiopf des Heili- 
gen ist voll Salbung und Anmuth. 
Im Jahre 1853 erhielt sein Richelieu, der mit Cinq-Mars die 
Rhone hinauf fährt, höchst ausgezeichneten Beifall. Es ist dieses 
ein kleines Gemälde von reizender Composition , voll Poesie und 
Natur, und von einer malerischen YVirkung, die sich ohne An- 
strengung und Arbeit von selbst ergibt. (Gestochen von Gerard 
fiir Ilittner.) 
Delaroche hat schon eine bedeutende Anzahl von Gemälden und 
Zeichnungen geliefert, unter denen wir als ganz vorzüglich noch 
fol ende erwähnen: den Tod des Duranti im Louvre; Crom- 
Wcä und die beiden jungen Prinzen; den Tod der Elisabeth; 
St. Amalia Iiönigin von Ungarn (gestochen von Mercuri für Ritt- 
ner); das kranke Mädchen von Orleans; die Einnahme von Troca- 
flero durch den Herzog von Augouleme; die Kinder Eduardis im 
Fhurme zu London (gestochen von Prudhonnne fiir Hittncr); Chri- 
Stns im Gefzingniss; eine Schreckensscene der Bartholomäus-Nacht; 
ßnna von Bolcyn (1854); die Ermordung des Herzogs von Guise 
llvn Schlosse von Bleis, ein kleines Gemälde, das 1855 unter den 
llritikern einen wahren Kampf veranlasste. Alle diese Bilder sind 
H] mehreren Öffentlichen Blättern besprochen und gerühmt worden. 
Der Tod des Herzogs von Guise bildet einen Pendant zu den 
Zwei bekannten Gemälden derselben Grösse und desselben Mei- 
Sters: dem Cinq-Mars und dem Card. Mazarini auf dem Sterbe- 
lrette, welche sich mit dem obigen in der Privatgallerie des Her- 
zogs von Orleans befinden. Im ersten Gemälde lässtDelaroche den
        

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