Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1722237
Dannecker , 
Heinrich 
VOII. 
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einen Theil des leichten, sie nirgend umhüllenden Gewandes, in- 
dess der Unterarm sich auf das Haupt des Thicres lehnt. Der 
Triumph des liiinstler ist der Reiz und die Anmuth der Gestalt, 
igelßhß nach Schillerk Ausdruck schlank und leicht, wie aus dem 
Nichts entsprungen, erscheint. Das Ganze ist auf allen Seiten 
gleich amuuthigl und richtig in der Ausführung und auch durch 
Nahfs Stich behannt, der das Bildwerh auf vier Platten nach allen 
Seiten gestochen. 
Dieses Werk fiihrte Dannecher in dem ersten Dccenniuin unser! 
Jahrhunderts aus und im Zweiten war es besonders die großartige 
Idee. ein Christus-Ideal darzustellen, was den Künstler beschäftigte. 
Der Führer bei Lösung seiner Aufgabe war allein sein Gemiith 
und, durchdrungen voii der Grösse seines Gegenstandes , arbeitete 
er mit immer gleichem Enthusiasmus, mit angestrengter Reflexion, 
und uncrmiidetem Fleisse. Der jugendlich-männliche Christus, wie 
er lehret und zu den Siindigen spricht: "durch mich eht der Weg 
zum Vater!" war der in ihm herrschende Gedanke. älieses Werk 
vieler Jahre sah 1818 zu Stuttgart die Kaiserin von Russland im 
Modelle, und, von der Erhabenheit der Idee ergriffen, beschloss 
sie sogleich den Ankauf desselben. Danneclser fiihrte nun die acht 
Fuss hohe Statue des Hcilandes in Marmor aus und 1824 ging 
das Meisterwerk nach der neuen Kirche in Moskau ab. Ainsler 
hat es gestochen. 
Dieses Christus-Ideal beschäftigte den Iiiinstler fortwährend und 
daher machte er sich bald nach Absendung der Statue an die Dar- 
stellung einer zweiten, die eine deutsche Fürstin dem Vaterlande 
bewahrte. Es ist dieses die Fürstin von Tliurn- und Taxis, geg 
borne Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz, die diese Statue als 
Monument ihres verstorbenen Gemahls in der Klosterkirche zu Ne- 
Tesheiui in Schwaben aufstellen liess. Dannecker vollendete sie 
1831 in Marmor, nachdem er eine langwierige Krankheit überwun- 
den hatte, die eine Zeitlang alle Ilolinung zu vernichten schien, dass 
der liiinstler sein Lieblingswerlr zu Stande bringen werde. Der Kör- 
per dieses neuen Bildes ist noch kräftiger gehalten, als im ersteren; 
der Kopf verbindet mit der Zartheit, die in den Ziigen des älteren 
Christusbildcs ruht, mehr Energie und den Ausdruck geistiger Gräs- 
"Fi dilS Leidende, was in jenem hervorstach, ist hier noch mehr in 
die erhabene Ruhe, in den göttlichen Gleichmuth iibergellossen, in 
Welchem der Heiland Lust und Leid der Menschheit theilt und 
die bewegten, leidenschaftlichen, iiberfrohen oder niedergebeugten 
Herzen zu seinem Frieden empor zieht. 
Das Modell dieser zweiten Christusstatue schenkte der Künstler 
135d- der Hospitalltirche zu Stuttgart.  
Ein friiheres Werk Danneclseßs ist die Statue der Psyche, welche 
91' 1821 fiir den englischen General Murray austiihrte. Der König 
Sah diese zarte Gestalt und sie erregte in ihm das Verlangen, eben- 
falls eine solche zu besitzen. Der Künstler unternahm diese Arbeit 
mit desto grösserer Freude, da er die Figur als Gegenbild zu ei- 
nem Seiner vorziiglichsten VVerke, dem Amor im Residenzschlosse 
 stetigen, gedacht hatte. Letzterer, der zwischen Iinabe und 
weläählng Inne stehende (fiiitterliebling, erscheint wunderzai-t und 
wie i, und der sinnige liunstler hat sich ebenso sehr  der Idee, 
dem gatlef Austuhrung bewährt. Der verstorbene tioiug schrieb 
eister die Stellung vor und verlangte ausdrucklich einen 
erschlalften Bogen 
llcalß äsygiche, ein bis ins Einzelnste getreues Bilde reiner Weiblich- 
'_h Z oßlfflh der Stein zum geistigen Hauch geworden zu seyn 
Sl- emt- ist im k. Lustschlosse Rosenstein.
        

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