Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1721225
N38 
Coypel , 
Anton. 
in einem Alter von 111 Jahren nachzuahmen; aber durch die schnelle 
Rückkehr in sein Vaterland wurde die edle Cultur seines Geistes 
unterbrochen, und es blieben ihm nur Reminiscenzen der ange- 
sehauten Meisterwerke übrig, und seinen Gemälden die Ziige und 
der Anstrich eines Genies, woraus viel hätte werden können. Der 
laute Beifall, welchen seine Malereien in ganz Frankreich erhielten, 
bezeichnet auch mehr als alles den Geschmack des damaligen Zeit- 
alters. Mit zahllosen Arbeiten überhäuft, vernachlässigte er die 
Gründlichkeit und fiel in alle Ausschweifungen der Mainier. Ein 
unerschöpllicher Reichthum der Phantasie und ein liebliehes Colo- 
rit, dem es dennoch an Harmonie fehlte, waren die ulnfehlharen 
Zaubermillßl, die Bewunderung seines Publikums zu fesseln. Die- 
ser Künstler war es, der den Grund zur französischen Schulelegte, 
welche Sieh VOR der Regierung Lndwig's XIV. an gänzlich von dem 
italienischen Geschmaclse entfernte, dem sie so lange Jahre hin- 
durch gefolgt war.  
In seinem neunzehnten Jahre malte er für Notre-Dame ein gros- 
ses historisches Bild, die Himmelfahrt der Maria und viele andere 
Werke für die Carthäuser zu Choisy. Er becndigte sie mit so all- 
meinen Beifall, dass ihn der Bruder des Iiönigs zu seinem ersten 
Maler und die Akademie, wievvohl er erst 20 Jahre alt war, zu 
ihrem Mitglied ernannte. 
Sein Aufnahrnsstück stellt Ludwig XIV. dar, in den Armen des 
Friedens ruhend. Er beschäftigte sich hierauf mit der Capelle 
von Versailles und entwarf zahlreiche Cartons zu Tapeten. 
Auf Cnypel übte das Drama einen nachthciligen Einfluss, der 
sich in seinen theatralischen Stellungen und im Uebcrtriebenen des 
Ausdruckes äussert. Besonders diente ihm der Schauspieler: Bacon 
zum Modelle, der es in seiner Gewalt hatte, jeden Charakter und 
jede Situation zu bezeichnen. Auch Hacine, Despreaux und La- 
fontaine waren seine Freunde. 
Sein Farbenzauber und sein erzwungener Ausdruck nahmen nach 
und nach das Publikum so gefangen , dass man alles aufbot, um 
ihn nicht nach England gehen zu lassen, wohin er eingeladen war. 
Viele der angesehensten Personen, an deren Spitze der Herzog von 
Chartres stand, beredeten ihn, in Frankreich zu bleiben , wo sein 
Glück immer mehr emporblühte und er endlich nicht nur geadelt, 
sondern auch zum Direktor der Akademie und, an Mignarifs Stelle, 
zum ersten Maler des Königs erwählt wurde. 
Antoine malte in der Gallerie des Palais royal in 14 Oelgemiil- 
den die Abentheuer des Aeneas (beinahe eine 'I'r:ivestie, wie Wa- 
telet sagt! und stellte an der Decke des Pallastes des Herzogs von 
Orleans die Versammlung der Götter dar, wo er den Göttinnen die 
Physiognomien schöner französischer Damen gab, aber eben da- 
durch keine Versammlung griechischer Gottheiten, sondern franzö- 
sischer Damen zu Stande brachte. 
Er gab auch Discours prononcees dans .les confcrences de 
PACadeniie de la peinture Paris 1721 [l- und C1110 poetische Epistel 
an seinen Sohn heraus. Ausserdem hatte er einen grossen Antheil 
an der hiswire du roi Louis le grand par les niedailles etc. Paris 
1691 und an dem Werke: Medailles sur les principeaux evene- 
ments du regne de Louis le grand avec des explications liist. etc. 
Paris 1702 fol.  
Das Leben dieses Iiiinslers beschrieb sein Sohn Charles 1745- 
Fiorillo lll. 2-18.  
Nach A. Coypel wurde sehr vieles gestochen, und zwar von den 
besten Künstlern seiner Zeit, wie: G. Duchange, Edelink, P. Dre- 
vet, die Audrans, C. Duflos, J. B. Poilly, L. Simoneau, Chateau. 
J. Sarrabat, A. Trouvaixi, N. Tardieu, L. Desplaces, N. Langlois,
        

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