Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1721196
Coxcie, 
(Coxcis, 
Coxein, 
Coxis) , 
Blicke! 
Michiel. 165 
oder 
In neuester Zeit haben Iiunstkenner die beiden Seitenflügel dßi 
grossen Gemäldes am Hauptaltart: in der Iiirche St. Veit zu Prag, 
von B. v. Orlay, als sein VVei-lt bezeichnet. S. Orlay. 
Mit leichtem feinen Pinsel wusste Michael Coxcie seinen Gestal- 
ten etwas hiichstGeftilliqes und Heiteres zu verleihen, und obgleiCll 
man das kräftige, naturgetreue Colorit seiner grossen Vorgällgef 
wohl zuweilen vermissen könnte, so ist es doch unmöglich, dem 
Zaubci" seiner leicht aufgetragenen schönen hellen Farben zu W1- 
derstehen. VVie unbeschreiblich reizend er seine weiblichen Gestal- 
ten darzustellen , wie köstlich er sie zu schmücken wusste, bewei- 
Sen zwei Gemälde, in der Boisserceschen, jetzt k. b. Sammlung, 
die Abbildung der heil. Katharina und die der heil. Barbara. 
Nichts kann lieblicher seyn, als diese beiden jugendlichen Iiöpll 
chen. 
Eigene Erfindung bei der Darstellung bedeutenden Momente In 
Seinen grössern Compositionen war indessen nicht die glauzendste 
Seite dieses sonst so treFflichen Meisters. Oft bei der Zusammen- 
Stßllllng seiner Gruppen in Verlegenheit, half er sich mit seinen 
als Italien gebrachten Studien, mit Erinnerung aus den Werken 
seiner dortigen berühmten Iiunstgenossen. Desshalb war er hochst 
unzufrieden, als Hieronymus Cock eine Sammlung von Iiupfersti- 
chen nach Rafaefs Werlien herausgab, weil claillilirch oclfenbar gvuiäde, 
wie sehr er diese, besonders bei seiner Darste ung er ster en en 
Maria, benutzt hatte.  
Bei seinem grosseu Ileichthum ward M. Coxcie dennoch nicht 
lässig im Erwerb, und verschiniihte ihn selbst im Kleinen nicht. 
So hatte er eine ihm eigene Art, eine weisse Wandvon oben bis un- 
ten mit allerlei artigen Verzierungen zu bedecken, die er sehr be- 
hende mit der liohle hin zu zeichnen wusste. Er liess sich dazu 
durch kleine ihm angenehme Geschenke leicht bewegen. G] l 
M. Coxcie erreichte in ununterbrochener Thäitidieit, in iiCt. 
und VVohllebcn, die äusserste Grenze des menschlichen Lebens. 
Als gesunder und riistiger Greis arbeitete er im gästen Jahre an 
einem Gemälde im Stadthause zu Antwerpen, hatte aber das Un- 
glück um diese Zeit eine Treppe herunter zu fallen, und starb an 
den Folgen davon. 
Coxcie zeichnete auch die 52 Blätter aus der Fabel der P5533410, 
die Aufrustin von Venedig gestochen hat, in Verbindung mit arC 
Antonrwie Einige glauben. Diese Blätter wurden von vielen der 
Erfindung nach, aber wahrscheinlich nur aus Verwechslung mit 
den verwandten Darstellungen in der Ifarnesäa, dem Riifaelllzuge- 
schrieben, namentlich von Bottari, um von enoir in cr istnire 
de la peinture sur verre; denn diese Zeichnungen wurden auch 
zum Muster einer Reihe von Glasinalereien. Vasari sagt aber deut- 
lich, dass Michael Coxcie diese Zeichnungen gefertiget habe,_ und 
eben diese gehören zu des Künstlers besten Erzeugnissen. Sie cr- 
innern an RataePs Weise, doch sind sie für diesen Meister zu ge- 
rinne. 
äoxcie und Bernhard von Orlay studirten beide den groisfn Rafael 
beiihrei" Anwesenheit in Rom und während derselben hatten sie beson- 
ders die sanften graziösen Motive aufgefasst. Jene clrjlßlllenllllüßll 
und naiven Unregelinässiglteiten, welche die ältere I1unst_sich ner- 
läubtß, musste daher verschwinden, wie Schnaasß In den nledßflilll- 
dischen Briefen S. äig bemerkt, die Gestalten wlurtierL grölsswlerh, 
schöner und richti er zuvleich die Gru im mc ir- ii ersicitic 
und zierlich, und das lGanäe nahm einen Pniiilden freundlichen Geist 
an. Allein der ernste, fromme, mystische Sinn, den die ältere 
Schule in den van Eyekä und in Hemrnling gehabt hatte, war ver-
        

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