Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1721182
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Coxcie, 
(Coxcin, 
Coxin , 
Michel 
Coxis), 
Michiel. 
oder 
haben; unter andern verzweifelte er daran, das Blau des Gewan- 
dei- heil. Jungfrau erreichen zu können, nndPhilipp II. verwendete 
sich selbst bei dem grossen Tizian für ihn, der ihm von Venedig 
aus eine sehr kostbare, ans den unearischcn Gebirgen kommende, 
Azurfarbe schickte. Vtfahrseheiiilicdi war es Ultramarin, dessen 
jener Meister bekanntlich sich sehr häufig bediente. Karl von 
Nlander erzählt als etwas Merluvurdiges, dass M. Cuxcie allein zu 
dem Jyhmel der heil. Jungfrau fiir 32 Dukaten von dieser Farbe 
verbraucht habe. Die Copie warcbencllich nach unsägliehgy Arbeit 
glücklich vollendet und nach Spanien gesandt, nur hatte der Mei- 
ster es sich herausgenninnien, Einiges darin zu imriindern, z. B, 
die Stellung der heil. Cicilia, die zu sehr von hinten gesehen, ihm 
nicht zierlich genug schien. 
Diese Copie zierte lange Zeit die Kapelle des alten Pallastes zu 
Madrid. General llelliartl schickte sie nach Briissel, wo sie ziiergt 
bei H. Dansaert Engels nndv dann bei H. Nuens-Latonr zum Ver- 
kauf ausgestellt war. Die I'igiii' des Gott Vaters und das Hauptbild 
der Anbetung des inzickellosen Lammes sind seit 1321 im 1;, 1th]- 
seuin zu Berlin; Maria und Johann der 'I':iufer erstand der König 
win Bayern schon 1820; und die beiden Flügelbildei- mit den sin- 
genden und inusicirenden Engeln, so wie die Tafeln mit den ge- 
rechten Streitern, den gerechten Richtern, den heiligen Pilgern 
und Einsiedlern sind im Besitze des Prinzen von Oranien, der sie 
1323 kaufte. Auf dem untern Rande am Brunnen im Iiaiiptbilde 
der Anbetung des Lainiiies steht: hrlicliael de Coxcie me fecit anno 
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Dgiese Copien sind sehr fleissig gemalt und besonders gut die griis- 
seren Figuren. Die Wlarin des Miiiichnerbildes ist iiii Ausdruck su- 
gar lieblicher als das Original. 
Man hat noch andere Copien von diesem VVerhe des van Eyck, 
die aber sicher nicht von M. Coxcie herrühren! Sie kamen iii den 
Besitz des liautinaniis Aders zu London. Von diesem Werke soll 
keine Tafel fehlen und beinerkenswerth ist, dass hier immer zwei 
Flügel der Originale auf eine Tafel gemalt sind. 
Ob Coxcie die Copie nur nach Spanien gesendet, oder ob er sie 
selbst dahin begleitet habe, ist unentschieden. Die holländischen 
ILebensbeschi-eiber dieses Meisters und die aus ihnen ihre Nach- 
richten schöpften erwähnen dieser Reise nirgends; dagegen behaup- 
tet der Spanier Cean Bcrmudez (diccionnrio historico de lus mas 
illustres prufessores de las bellas artes en Espaniia 1300) der Künstler 
habe seinWerk König Philipp II. selbst überreicht, der ihm hierauf 
mehrere Gemälde aufgetragen habe, zu deren Vollendung Coxcie 
in Spanien verweilt hätte; doch gibt Bermudez die Quellen nicht 
an, aus welchen er geschöpft. Fiorillo übergeht ihn in seinem 
Werke zunGeschichte der Malerei in Spanien ganz mitStillschwe-i. 
gen. Gewisst ist, (lass Coxcie sich nach längerem oder kürzeren 
Aufenthalte in der ti-anspyrrheiiäischen Halbinsel in sein Vaterkmd 
zurückbegebcn habe, wo 'er in dem hohen Alter von 95 Jahren 
gestorben ist.     
_ Auch im Escurial befinden sich noch einige auf König Philipws 
Befehl von Coxeie gelertigte Gemälde. Hier sieht man von seiner 
l-Iand in der alten Iiirclie des Gebäudes: die heil. Ciiciiie und Da- 
vid, wie er Goliaths Haupt abhauet,  und iii verschiedenen Gän- 
gen und Geniächern zerstreut: Das Hinscheiden der Jungfrau, eine 
Iireuzabnahme, den heil. Joachim und die heil. Anna, Christus 
und die Jungfrau vor dem ewigen Vater Fürsprache thnend. Iin 
Kloster der unbeschuhten Iiarmeliter zu Medina de] Campo befirl" 
det sich die Auferstehung Christi in lebensgrossen Figuren, ein 
Werk, dessen trcffliche Zeichnung und Vollendung bewundert wird-
        

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