Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1720699
Corn elius , 
Peter , 
VOIl. 
Bitter 
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sters, leuchten aus der Mitte der Iiuppel herunter. Die Stärke Äer 
Gedanken, der Flug der Dichtkunst, die Iiraft in Form und Be- 
wegung sind in zwei ganz in Micliel Angelo's Geist gedachten 
weiblicien Gestalten, in der einen init dem Löwen, der Keule, 
der Säule und dem Eichenzweige, und in jener, die von der ge- 
flügelten Sphynx einporgetragen wird, angedeutet. In zwei andern 
Bilticfn erscheint uns iWIichel Angele erstlich als lWaler der Sixti- 
nischen Czipelle , auf dein Bücken liegend auf hohem Gerüste, der 
Pabst steigt die Sprossen der Leiter zu ihm hinauf und staunt; 
ferner als Bildhauer des Moses, mit einer künstlich auf dem Kopfe 
befestigten Lampe, den Coloss einsam nieisselnd. 
In der Lüiiette sehen wir Micliel Angelo als Architekten der 
Peterskuppel init dem Modelle zur Seite; rechts und links dieses 
Bildes sind noch einmal zwei verschiedene Richtungen der Iiunst 
bezeichnet, welche in lVIichel Angelo ihren Meister ehrt. Die le- 
benskriiftig aufschauende halb nackte weibliche Gestalt ist die pro- 
fane liunst, und der siuuende Jüngling ihr zur Seite, mit der be- 
rechnenden Handbewegung," macht uns darauf aufmerksam, wo- 
durch die sinnliche Iiratt von jener im Maasse des Schönen und 
Rechten gehalten wird. Gegenüber liegt, in sich versunken, mit 
Iircuz, Palme und Dornenkrone geschmückt eine andere ganz be- 
kleidete weibliche Gestalt, die heilige Iiunst. Der Jüngling an ih- 
rer Seite weckt mit begeistertem Saitenspiel und Sang sie zur freie- 
rer Bewegung. Diese beiden Bilder, ganz in Nlichel Angelo's 
Geist erdacht, gehören zu den tiefgefiililtesten und ergreifeiidsten 
der ganzen Reihe. 
Die dreizehnte Loggia ist dem Rafael geweiht, nach dein alle 
Radien zusammen laufen. In reichem Sclimuclse der Verzierung 
erscheinen vier Momente aus Rafaefs Lelfen in der Kuppel: sein 
erstes keckes kindliches Auftreten iii der Werkstätte des erstaunten 
Vaters, sein Eintritt in die Lehre des Perugiiio, seine Bekanntschaft 
mit Julius 11., dein er kniend Gemälde von sich zeigt, und seine 
YVirksauilteit iin Vatikan, wo er, umgeben von seinen mitarbeiten- 
den Schülern und den Maurerii, die den Bewurf antragen, al 
fresco malt. Die Mitte der Kuppel schmückt die Madonna mit 
dem Iiinde, der immer neue Gegenstand rafaeliscliei" Beschauungen; 
er selbst kniet zu ihrer Linken, ihm gegenüber der Schutzpatron, 
der Engel seines Namens. Das Bild in der Lünette ist sein Tod, 
auf die ergreifendste und beruhigenclste Weise zugleich dargestellt. 
In tiefer Trauer stehen die Schüler links vor seinem Haupte, Giii- 
lio weggewendet wie im Ingriinine über das bittere Schicksal; mit 
ausgebreiteten Armen stürzt seine Geliebte nieder an seiner Seite, 
als wollte sie die erstarrten Lippen mit ihrem Schmerzenshauche be- 
leben; Penni küsst die nun kalte Hand, die so viel Herrliches ge- 
schaffen. Vor der Bahre steht Pabst Leo X. und der Cardinal 
Bembo mit gesenktem Blicke und schiiierzvoller Geherde; Volk 
drängt sich die Stufen heran zu dem allverehrten Verblichenen. 
Ueber ihm erhebt sich das Bild der Verklärung, und schliesst wür- 
dig und erhebend die aus der reinsten Anschauung geflossene Dar- 
stellung des grussen Scliinerzentages.  
Die Zeichnungen zu den Bildern der folgenden Loggien sind 
noch nicht vollendet. Sie werden diexGeschichte der neuen Male- 
rei fortführen und sie bildlich unserm Blicke darstellen. 
VVir haben nur noch zu bemerken, dass Cornelius auch die 
Skizze zu dem Einzuge Ludwig des Bayern nach der Schlacht bei 
Ampfing gelertiget habe, nach welcher B. Neher aus Biberach das 
Gemälde der östlichen Faeade des Isarthores zu München in Fresco 
ausführte.
        

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