Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cleomenes - Dumesnil
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1719441
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1720675
Cornelius , 
Peter , 
Bitter 
TOD. 
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aus dem Leben des Giotto , die uns von seinem und dem Ansehen 
der Iiunst in jenen Tagen Zeugniss geben. Links malt er im Nonw 
neukloster S. Chiara zu Neapel, und hinter seinem Stuhle steht 
König Robert, der Erbauer des Klosters. Auf der rechten Seite ist 
Giotto vorgestellt, wie er, die Mappe unter dem Arme, mit dem 
Pabste Clemens V. an dessen Hof nach Avignon zieht. Cardiniile 
und andere Hofleute bilden das Gefolge. 
_Die ruhig liegende weibliche Gestaltimit Pinsel und Palette, in 
einer kleinen Liinette, bedeutet die Iiunst der lYIalerei, an welcher 
der Geist des Lebens mit mahnendem Zuruf vuriiberiliegt. Sein 
Zuruf gilt der Iiunst Giottds, noch mehr der seiner Nachfolger, 
von denen wir wissen, dass sie fast ein Jahrhundert lang auf den 
Lorbeeren ihres grossen Ahnherrn ausgeruht, bis ein neuer Tag, ein 
neues Leben begann, in welches uns die fünfte Lilggia führt. 
Hier erblicken wir in der Mitte der Kuppel die Verklärung des 
seligen Iilosterbruders Angelico da Fiesole, in dem Christenthum 
und Kunst zu einem Begriffe verschmelzen. Von harfenspielenden 
Engeln und Cherubim umgeben empfängt er kniend die ihm er- 
tbeilte Gnade mit ausgebreiteten Armen und nach oben gwandtem 
Blicke. Auf das ihm zuerkannte Bciwort il beato beziehen sich 
auch die vier Bilder, welche unter den vier evangelischen Zeichen, 
im Kreuz sich gegenüber, die Kuppel schmucken, und worinnen 
auf eine neue sinureiche VVeise die acht Seligpreisungen Christi 
immer eine jede durch eine männliche oder weibliche Figur mit 
einem Engel dargestellt sind. Ausser den vier Iiirehenviitern sind 
nun noch vier Momente aus dem Leben des frommen Üruders an 
der Kuppel abgebildet. Zunächst sehen wir seine Einkleidung als 
lYlönch des Predicanten-Dominicaner-Ordens; im zweiten Bilde 
sieht man ihn die Iilosterzellen S. iWIzirco ausmalen, im dritten ist 
das Verhiiltniss des Herzogs Cosmus von Medici zu diesem Iiiinst-, 
ler dargestellt, und auf dem vierten malt er im Dienste des Pabstes 
Nicolaus V. die vatikzuiisclie Kapelle aus. 
Das Hauptbild der Liiuette zeigt uns ihn wieder in Verbindung 
mit dem Pabste. Dieser trügt ihm das erledigte Erzbisthuxn Florenz 
an, allein Angelico weist die Ehre von sich, und bringt seinen 
Mitbruder Antonio in Vorschlag. Rings um dieses Bild sehen wir 
einen Bliithengarten,  den Garten der liunst unsers frommen 
Meisters, voll blühender Lilien und lllosen, sorgsam von Engeln 
gepflegt. Eine Laube von Frucht- und Blumengcwintlen wird von 
Engelsknaben aufgerichtet, und oben erscheint Christus. 
Mit dem Zeitalter des Fiesole beginnt in der Iiunst ein neuer 
Tag; aber nur der gleichzeitige Masaccio hat mit grosser Itiraft der 
Objektivität die Iiuust als solche so gefördert, dass seine VVerlse 
der Quell wurden, aus dem Rafael, Michel Angelo und Leo- 
nardo ihren ersten Labetrunk scböpften. Dem Masaccio ist also 
die sechste Loggia geweiht. In der Mitte der Kuppel sehen 
wir dds glänzende Dreigestirn der Iiunst, deren Namen so ehen' 
genannt wurden. In zwei Bildern deuten Tag und Nacht auf die 
neu eingetretene Epoche; die zwölf Apostel, liegende Figuren, be- 
zeichnen die Weitgegend der Anschauungen Masacciifs, und Zwei 
Bilder sind aus seinem Leben. Auf dem ersten sieht man ihn die 
Entwürfe seiner Fresken für die liirche S. Clemente in Rom dem 
(Jardinal derselben überreichen; das andere stellt ihn vor, wie er 
in S. Carmine in Florenz malt, im Angesichte frommer Mönche. 
Die Zeichnungen zu den Gemälden, welche den übrigen Raum 
und jenen der siebenten und achten Loggia ausfüllen werden, sind 
noch nicht vollendet, und wir können daher nur im Allgemeinen 
Diuglerls Iiüns tZcr-Lex. III. Bd. 8
        

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